Viele Medizin-Historiker, die allgemein gegen Homöopathie eingestellt sind, sehen den frühen Erfolg dieser sanften Methode in den nach heutigen Verhältnissen sehr brutalen Behandlungsmethoden des 18. Jahrhunderts. Der oft zitierte Placebo-Effekt ist ein weiteres Argument gegen Homöopathie als ernsthafte Behandlungsmethode: Der Mensch glaubt das, was er glauben will! Selbst Kritiker, die sich eher gemäßigt gegen Homöopathie als Heilmethode aussprechen, betonen den psychologischen Effekt: Ein praktizierender Arzt kann in der Regel kaum Zeit für seine Patienten aufbringen. Im Gegensatz dazu hat ein Heilpraktiker in der Regel genug Raum für ein emphatisches Verhältnis zu seinem Kunden. Dadurch wirkt die alternative Methode scheinbar, ist in Wirklichkeit aber auf die Selbstheilungskräfte und den Glauben des Patienten zurückzuführen. In diesem Sinne wäre die alternative Medizin etwas Ähnliches wie eine Religion, die bekanntlich auch zahlreiche Wunder kennt. Der psychologische Effekt wird von Kritikern immer wieder betont.

Gegen Homöopathie ist kein Kraut gewachsen

Ein grundsätzliches Problem bei der gesamten Diskussion zwischen konventioneller und alternativer Medizin sind verhärtete Standpunkte und die fehlende Bereitschaft zu einer sachlichen Auseinandersetzung: Die eine Seite wettert gegen Homöopathie und will nur schwerste Medikamente als Therapieform gelten lassen; die andere Seite hält sich für allwissend und vermutet hinter jeder kritischen Stimme die Pharmaindustrie und lobbyistische Interessen. Selbst wenn sie immer wieder als bewährtes Heilverfahren angeführt wird, können die Argumente gegen Homöopathie natürlich nicht einfach ignoriert werden. Letzten Endes ist es natürlich jedem selbst überlassen, für welche Methode man sich entscheiden und an was man glauben will. Dass ernsthafte Erkrankungen aber ohne die konventionelle Medizin in fast allen Fällen nicht zu lösen sind, sollte selbst von den hartnäckigsten Vertretern alternativer Heilmethoden eingesehen werden. Allerdings hat die Erfahrung gezeigt, dass sich Anhänger der alternativen Medizin durch wissenschaftliche Studien nicht entmutigen lassen.

Autor: Edgar Naporra, Platinnetz-Redaktion