Der Begriff traditionelle chinesische Medizin, TCM, existiert erst seit Mitte des 20. Jahrhunderts. Geprägt wurde er, als die westliche Welt begann, sich für alternative Heilmethoden zu interessieren. Mittlerweile hat sich diese Art der Behandlung im Westen so weit durchgesetzt, dass die Universität Essen sogar eine TCM Ambulanz eingerichtet hat. Die Verfahren der Medizin aus China beruhen jedoch auf Jahrtausende alten Prinzipien. Die chinesische Medizin ist eine komplexe Lehre, deren Wurzeln ungefähr 6000 Jahre zurück reichen. Seitdem hat sie sich kontinuierlich weiterentwickelt. Ihre Kernelemente entstammen den östlichen Philosophien Buddhismus, Konfuzianismus und Taoismus. Der Taoismus ist dabei von entscheidender Bedeutung, denn die Hauptprinzipien der Heilkunst aus China beruhen auf Yin und Yang, der Lehre der fünf Elemente und dem Qi, die alle auf den Lehren des Taoismus basieren.

Yin und Yang: In China hält Harmonie gesund

Ein gesundes, langes Leben, so glaubt man in China, kann nur durch Harmonie erreicht werden. Grundlage ist das Prinzip von Yin und Yang, zwischen dessen entgegen gesetzten Polen sich der Mensch bewegt. Dabei ergänzen sich die beiden Pole und eins kann nicht ohne das andere sein. Im bekannten Yin-Yang-Symbol hat daher die weiße Yang-Seite einen schwarzen Punkt und die schwarze Yin-Seite einen weißen Punkt. Das Gleichgewicht von Yin und Yang ist entscheidend für den ungehinderten Fluss des Qi, der alles durchdringenden Lebensenergie. Das Qi fließt auf Bahnen, den Meridianen, durch den menschlichen Körper, wobei jeder Meridian einem Organ zugeordnet ist. Der Mensch wird krank, wenn der Energiefluss gestört und eines der beiden Elemente zu dominant oder zu schwach wird. Ziel der traditionellen chinesischen Medizin ist es, die Harmonie zwischen den Polen wieder herzustellen.

Die Lehre der fünf Elemente

In China wird der Mensch als Teil eines kosmischen Ganzen betrachtet, das sich aus fünf Elementen - Wasser, Feuer, Holz, Erde, Metall - zusammensetzt. Diese Elemente wirken in zwei harmonischen Zyklen zusammen und ergänzen sich gegenseitig: Wasser nährt Holz (Pflanzen), aus Holz wird Feuer, die Asche des Feuers nährt die Erde, die Erde bringt Metall hervor, Metall zieht Wasser an und der Zyklus schließt sich. Immer steht eins in direkter Verbindung mit dem anderen.

Auch der Mensch ist Teil dieser Einheit und vereint alle Elemente in sich. Dabei nehmen die einzelnen Organe die Stellung der Elemente ein. Kann das Qi auf den Meridianen nicht ungehindert durch die Organe fließen, ist der Kreislauf gestört und das unausgeglichene Element holt sich die Energie vom vorigen oder dem folgenden Element. Damit verstärkt es das Ungleichgewicht und verursacht schließlich Krankheiten. Die Behandlung muss dann darin bestehen, das schwächere Organ zu stärken und so wieder ein Gleichgewicht der Kräfte herzustellen. Vereinfacht gesagt beruht traditionelle chinesische Medizin darauf, Beschwerden mit ihrem Gegenteil zu therapieren, um den Körper wieder in Balance zu bringen.Um Unausgeglichenheit und Krankheiten vorzubeugen, übt man sich in China im Tai Chi, einem meditativen Bewegungssystem, durch das die Energie zum harmonischen Fließen gebracht werden soll.

Was kann die Heilkunst aus China leisten?

Ziel der TCM ist es, die Organe des Menschen zu reinigen und zu stärken, und ein harmonisches Gleichgewicht herzustellen. So kann die Energie ungehindert durch die Meridiane fließen und der Mensch ist körperlich und emotional gesund. Chinesische Medizin will die Ursache der Krankheit finden und nicht nur ihre Symptome behandeln.

Zu den Heilmethoden der traditionellen Medizin aus China gehören die Akupunktur, Moxabehandlungen, Massagen, Muskelentspannung, Bewegungsübungen wie Qi Gong und Tai Chi, Meditation, Arzneimitteltherapie und eine Ernährungslehre. In China nimmt die Arzneimitteltherapie mit rund 70 Prozent der Anwendungen dabei den größten Teil ein. Gut 515 Einzeldrogen (Arzneimittel) stehen dem chinesischen Arzt zur Verfügung, um seinen Patienten zu heilen. Die berühmten Geckos, das Nashornpulver, Tigerknochen und andere Arzneien, die aus Wirbeltieren gewonnen werden, machen dabei nur 5 Prozent der Präparate aus. Weitere 5 Prozent bestehen aus Exkrementen, Sekreten, Würmern, Insekten und Teilen von Weichtieren. Der weitaus größte Teil der Drogen ist aber pflanzlichen Ursprungs, wie z.B. Vitalpilze. In China ist die übliche Darreichungsform eine Abkochung, ein so genanntes Dekokt und eher selten ein Heiltee wie man ihn in Deutschland kennt. Wenn jetzt Ihr Interesse geweckt ist, können Sie auf www.tcm-traditionelle-chinesische-medizin.de noch tiefgreifendere Informationen erhalten.

Einige Techniken, wie Meditation oder Tai Chi, können Sie erlernen und selbst Zuhause anwenden, für andere, wie die Akupunktur oder die Moxabehandlung, müssen Sie einen Arzt aufsuchen, der in den Methoden der chinesischen Heilkunst geschult ist.

Bevor Sie sich bei der Behandlung einer Krankheit für die traditionelle chinesische Medizin entscheiden, sollten Sie durch einen Arzt der Schulmedizin ausschließen lassen, dass es sich um eine schwerwiegende Erkrankung handelt. In diesem Fall sollte die TCM nur unterstützend eingesetzt werden. Grundsätzlich hat aber jeder Mensch die Möglichkeit, seinen Körper und seine Emotionen in Harmonie zu bringen und so gesund zu bleiben.

Autorin: Elke Liermann, Platinnetz-Redaktion