Wenn es um die Gesundheit geht, ist es wichtig, dem Arzt zu vertrauen. Der Arzt oder die Ärztin muss kompetent sein und gleichzeitig ein wenig auf der eigenen Wellenlänge liegen. Man muss sich einfach verstanden und gut aufgehoben fühlen. Dabei gibt es so viele Vorlieben, wie es Menschen gibt. Der eine schwört auf die Schulmedizin, für den anderen darf es nur Homöopathie sein und ein Dritter hätte gern eine Mischung aus allem. Wichtig ist aber immer, dass der Arzt am Wohl des Patienten interessiert ist und nicht nur an seinem Verdienst.

Arzt und Patient: Eine sensible Beziehung

Bei der Wahl des passenden Arztes kommt es in erster Linie auf das Gefühl an. Fühlt man sich wohl im Wartezimmer? Wie ist die Atmosphäre? Muss man trotz Termin lange warten? Wie wird man begrüßt? Und vor allem: Wie geduldig ist der Arzt? Fühlt man sich als Patient willkommen und ernst genommen? Erklärt der Arzt auch auf wiederholtes Nachfragen alles so lange, bis man es verstanden hat? Es geht schließlich um die eigene Gesundheit, da ist es wichtig zu wissen, was genau nicht in Ordnung ist und was man dagegen tun kann. Oder wird der Arzt ungeduldig, schaut auf die Uhr, reagiert gereizt?

Ein guter Arzt sollte außerdem verschiedene Möglichkeiten der Behandlung vorschlagen können. Vorsicht ist geboten, wenn einem gleich die Visitenkarte der Klinik zugeschoben wird, in der der Arzt seine Belegbetten hat. In diesem Fall sollte man besser eine zweite Meinung einholen, bevor man sich vertrauensvoll unters Messer legt.

Durchschnittlich sprechen deutsche Ärzte rund sieben Minuten mit ihren Patienten. In dieser Zeit können bestenfalls körperliche Symptome angesprochen werden. Eine gute Behandlung sollte aber auch immer die Lebensumstände des Patienten mit einbeziehen. Welche Ursache können die wiederholten Kopf- oder Magenschmerzen haben? Könnte eine psychische Belastung dahinter stecken, die mit behandelt werden sollte? Muss der schmerzende Rücken wirklich mit Spritzen oder gar einer Operation behandelt werden oder lassen sich auch mit Rückenschule und Gymnastik auf Dauer die Beschwerden lindern?

Neben Zeit und Aufmerksamkeit für den Patienten sollte ein guter Arzt sich auch Zeit für Fortbildungen nehmen und immer auf dem neuesten Stand der Wissenschaft sein. Er sollte die neuesten Studien, Behandlungsmöglichkeiten und Medikamente kennen. Das ist viel verlangt, denn den meisten Ärzten mangelt es gerade an Zeit. Dennoch sollten nicht die Kosten, sondern die Patienten im Mittelpunkt des Interesses stehen.

Vom Arzt zum Gesundheitsdienstleister?

Die Notwendigkeit des Sparens hat auch für Privatpatienten schlechte Auswirkungen. Immer häufiger empfiehlt der Arzt ihnen Behandlungen und Untersuchungen, die gar nicht nötig wären oder deren Wirksamkeit nicht erwiesen ist. Manches Wartezimmer erweckt den Anschein einer Wellness-Oase. Korbsessel, Aromalampen, Zimmerspringbrunnen und viele Informationen darüber, wie man gegen gute Bezahlung strahlend weiße Zähne, straffe Haut oder volles Haar bekommt. Anti-Aging ist Trend. Da für die Beratung dieser gut zahlenden „Patienten“ relativ viel Zeit gebraucht wird, bleibt für die Kassenpatienten weniger übrig. Michael Schmöller, Projektbeauftragter des Passauer Projekts „Zukunftsforum Gesundheitspolitik“, meint: „Wir steuern immer mehr auf eine Zweiklassenmedizin zu. Wir beobachten, dass es zunehmend einen neuen Typ Arzt gibt, der sich als gewinnorienterter Gesundheitsdienstleister definiert.“ Das mag eine zwangsläufige Konsequenz der aktuellen Gesundheitspolitik sein, ändert aber nichts daran, dass man einen guten Arzt und keinen „Gesundheitsdienstleister“ braucht, wenn man sich schlecht fühlt.

Entscheidend ist, dass der Arzt die Fähigkeit hat, zuzuhören. Nur so kann er den ganzen Menschen in Diagnose und Behandlung mit einbeziehen. Diese Fähigkeiten haben Frauen eher als Männer. Michael Schmöller ist der Ansicht: “Frauen nehmen sich mehr Zeit und sehen sich eher als gleichberechtigte Partnerin der Patienten.“ Ärztinnen reden länger mit ihren Patienten als Ärzte, sind fürsorglicher und einfühlsamer. "Und sie bereichern die Medizin, indem sie die erforschten Geschlechtsunterschiede berücksichtigen", so Dr. Astrid Bühren, Präsidentin des Deutschen Ärztinnenbundes.

Natürlich lassen sich solche Aussagen nicht verallgemeinern. Es gibt gute Ärzte, die geduldig sind und sich Zeit nehmen ebenso, wie Medizinerinnen, die Kassenpatienten schnell abfertigen und ihren Privatpatienten Unnötiges empfehlen.

Bei der Wahl des richtigen Arztes sollte man also auf sein Bauchgefühl hören. Fühle ich mich ernst genommen? Kann ich Fragen stellen? Sieht der Arzt den Menschen oder nur die Geldbörse? Ist er offen für Alternativen zur Schulmedizin? Und zuletzt: Ist er mir sympathisch? 

Autorin: Elke Liermann, Platinnetz-Redaktion