Überalterung, fehlender Nachwuchs und eine ungewollte Isolation vom öffentlichen Leben. Das sind die Probleme, mit denen viele christliche Orden heutzutage zu kämpfen haben. Denn hinter den dicken Klostermauern lebt man tatsächlich ein bisschen abgeschnitten von der Außenwelt. Aus dieser Not haben viele Orden allerdings eine Tugend gemacht. Die Pforten werden immer mehr für Menschen geöffnet, die nach Ruhe suchen und aus dem Alltagsleben genau hinter diese schützenden Klostermauern flüchten wollen.

Dabei gibt es ganz unterschiedliche Möglichkeiten. So manches Kloster hat ein umfangreiches Wellnessprogramm im Angebot, bei dem man in besinnlicher Umgebung Energiereserven auftanken kann. In anderen Klöstern kann der Gast am ganz normalen Ordensleben teilnehmen und sich ganz spirituellen Fragen zuwenden. Man sollte ganz in sich gehen, um herauszufinden, welche Art von Klosteraufenthalt man sich vorstellt. Als Gast muss man sich aber immer bewusst sein, dass man sich für die Zeit des Aufenthalts in eine Gemeinschaft begibt, die ihr Leben dem Glauben unterordnet.

Die Lebensform im Kloster

In christlichen Klöstern wird die monastische Lebensform praktiziert. Dies beinhaltet zum Beispiel gemeinsames und stilles Gebet, aber auch körperliche Arbeit und geistiges Studium. Ein weiterer Punkt, der für die Ordensbrüder und Schwestern eine große Bedeutung hat, ist die Gastfreundschaft. Die Nonnen und Mönche sind nicht, wie viele annehmen, still für sich und wollen das auch bleiben. Ganz im Gegenteil, sie begegnen Klosterbesuchern offen und unvoreingenommen, Gastfreundschaft und Zuwendung ist im Klosterleben fest verankert.

Spirituelle Besinnung und entspannende Aktivitäten im Kloster

Es kann ein einschneidendes Erlebnis im Leben eines Menschen sein, sich für eine gewisse Zeit hinter Klostermauern zu begeben. Fernab von Terminen und Hektik kann man sich für einen Aufenthalt ganz ohne Handy, Laptop oder Fernseher entscheiden und so wieder zurück zu einem langsamen Leben fernab von alltäglichen Problemen finden. Wer möchte, kann einfach anwesend sein, zuhören, wenig sprechen, nachdenken und auf sich selbst hören. Wer in ein Kloster geht, muss sich aber nicht zurückziehen, sondern kann stattdessen auch den Kontakt zu Ordensmitgliedern suchen. Manchmal besteht die Möglichkeit, ein Mitglied der Klostergemeinschaft für die Dauer des Aufenthaltes zu begleiten. Wer sich als Besucher für eine gewisse Zeit ganz den Ordensregeln hingibt, bekommt nicht nur das Leben im Kloster hautnah mit, sondern kann ganz persönlich Hilfe bei spirituellen und alltäglichen Fragen bekommen.

Nicht nur die Sehnsucht nach Stille und Einkehr kann ein Grund sein, sich für eine Weile hinter Klostermauern zu begeben. Denn in vielen Klöstern gibt es die Möglichkeit, an speziellen Kursen teilzunehmen, die Ordensbrüder und Schwestern bieten ihren Gästen große Vielfalt. Wer möchte, kann sich ausgiebig der Bibel widmen oder an Meditationsübungen teilnehmen, Gebete und spirituelle Gespräche stehen für jedermann offen. Oftmals werden auch Freizeitkurse wie Malen oder Kochen angeboten. In vielen Klöstern gibt es inzwischen sogar Wellness Angebote, bei denen man sich von Kneipp-Kuren bis hin zu Aromamassagen auch körperlich erholen kann.

Wie lange kann man im Kloster bleiben?

Wer sich zum ersten Mal dazu entscheidet, ins Kloster zu gehen, für den bieten sich sogenannte "Besinnungstage" an. Das ist ein Kurzaufenthalt, bei dem der Gast ständig von einem Ordensmitglied begleitet und betreut wird. Dabei findet der Besucher nicht nur ein offenes Ohr bei spirituellen Fragen, sondern bekommt auch Hilfe dabei, sich an die ungewohnte Umgebung zu gewöhnen und sich im Klosteralltag zurecht zu finden.

Wer sich mehr zutraut, kann Wochen oder sogar Monate bleiben. "Kloster auf Zeit" nennt sich diese Möglichkeit, bei der man sich völlig den Regeln des Ordens unterwirft, mit den Schwestern und Brüdern in aller Frühe aufsteht, beim religiösen Tagesablauf mit dabei ist und im Ordensalltag mithilft. Das kann eine große Herausforderung sein, aber auch eine Erfahrung, die den Blick auf das Leben außerhalb der Klostermauern für immer verändert.

Autorin: Julia Heilig, Platinnetz-Redaktion