Welche angenehmen Auswirkungen Musik haben kann, hat jeder schon einmal selbst erlebt. Wer nach einem anstrengenden Tag seine Lieblingsmusik auflegt und sich in eine kuschelige Decke hüllt, der kann dabei abschalten und entspannen. Wer im Karnevalstreiben Schunkellieder hört, der kann meistens die Beine nicht still halten und muss zumindest im Takt wippen - ein gutes Gefühl macht sich breit. Musik tut einfach gut.

Musik wirkt positiv auf die Gefühlslage

Diese spürbar positiven Effekte lassen sich auch wissenschaftlich belegen. Schlafforscher berichten, dass Patienten häufig leichter einschlafen können, wenn im Hintergrund leise Musik läuft. Wer zum Joggen Musik hört, an deren Rhythmus er sich orientieren kann, der kann bis zu 15 Prozent mehr Leistung bringen. Ein Grund, wieso beim Londoner Marathon in der Vergangenheit beispielsweise Musikboxen aufgestellt wurden, um die Läufer zu motivieren und zu mehr Leistung anzuspornen. Aber auch auf emotionaler Ebene kann Musik einiges erreichen. Dass Musik Erinnerungen an schöne Momente besonders lebhaft wieder hervorrufen kann - oft sogar nach vielen Jahren - das ist bekannt. Forscher brachten auf dieser Basis eine weitere positive Wirkung ans Licht. Auch wer traurig ist und bedrückende Musik hört, kann darin Trost finden. Davon berichtet der Psychologe Marcel Zentner. "Selbst wer in deprimierter Stimmung traurige Melodien hört, erlebt eine positive Emotionalität", sagt der Wissenschaftler von der Universität Genf. Das ist "eine angenehme Traurigkeit sozusagen, die in diesem Moment ein Stück Lebensqualität vermittelt." Im Liebeskummer also Lieder über das Verlassenwerden zu hören, kann einem schon weiterhelfen. Mit Selbstmitleid hat das nicht unbedingt etwas zu tun. Musik ist im Alltag eine Wohltat für die Seele und kann positiv und motivierend wirken. Aber wie sieht es mit gesundheitlicher Wirkung aus?

Wie Musik Leiden lindert

In verschiedenen Untersuchungen wurde bereits herausgefunden, dass Musik den Körper beeinflussen kann. So können vertraute und als angenehm empfundene Musikstücke beispielsweise dabei helfen, Schmerzen besser zu ertragen. Demnach soll die Schmerztoleranz bis zu 25 Prozent ansteigen, wenn man Musik hört. Dabei ist es übrigens nicht wichtig, ob man klassische Musik hört oder Jazz, Pop oder Techno, ist aber vom Musikgeschmack des Probanden abhängig. Diese positive Wirkung scheint nicht nur daran zu liegen, dass sich der Hörer von der Musik ablenken lässt. An einer US-amerikanischen Universität wurden Patienten während einer Operation mit Musik beschallt - und es stellte sich heraus, dass sie weniger Betäubungsmittel brauchten, als die Patienten, die keine Musik auf den Ohren hatten. In diesem Fall handelte es sich um eine Operation mit lokaler Betäubung, die Patienten konnten selbst steuern, wie viel Betäubungsmittel sie brauchten. Die Patienten mit Musik brauchten demnach ein Drittel weniger an Betäubungsmitteln. Patienten, denen anstelle von Musik nur ein Rauschen vorgespielt wurde, um die Operationsgeräusche zu überdecken, zeigten dagegen keinen verminderten Bedarf an Betäubungsmitteln. Die positive Wirkung scheint also tatsächlich Musik vorbehalten zu sein.

Eine ganz andere positive Wirkung haben Mediziner bei Demenzkranken festgestellt. Der Rhythmus, die Harmonien und die Melodien von ausgewählten Musikstücken sorgten dabei nach nur wenigen Sitzungen dafür, dass es den Patienten besser ging. Demnach hält die Musik auch Demenzkranke agil. Beobachtungen zu Folge stürzten die Patienten seltener, konnten besser schlafen und haben sogar mehr gegessen. Musik und vor allem der Rhythmus in Bewegungstherapien eingesetzt, kann also auch hier helfen.

Macht Musik von Mozart intelligenter?

Schon sei vielen Jahren hört man immer wieder, dass Babys, die von Mozartmusik beschallt werden, zu intelligenteren Menschen heranreifen. Sogar eine medizinische Anwendung, die sogenannte Tomatis-Hörkur, basiert auf der Annahme, dass alleine die Beschallung mit Musik, und im Besonderen mit der von Mozart, das Gehirn und das Verhalten beeinflussen kann. Doch dass es einen so starken Effekt gibt, das bestreiten viele Mediziner. Einfach nur Musik zu hören, kann nicht heilen, es kann höchstens die oben genannten positiven Effekte erzielen. Doch Musik kann auch im Zusammenhang mit anderen Aktivitäten eine positive Wirkung haben. Bei Kindern ist es beispielsweise sinnvoll, dass sie selbst Musik machen. Erlernt ein Kind ein Instrument oder erhält Gesangsunterricht, kann es sich beispielsweise später besser ausdrücken, da durch das Musizieren auch das Sprachzentrum angeregt wurde. Beim musizieren werden außerdem die Sinne trainiert. Gerade für Kleinkinder ist es wichtig, dass sie die Welt mit verschiedenen Sinnen wahrnehmen, da sich die Synapsen im Gehirn so besser verknüpfen. Dann kann Musik tatsächlich dazu beitragen, dass die Kinder später intelligenter sind. Egal ob es sich um Musik von Mozart handelt oder nicht. 

Autorin: Julia Heilig, Platinnetz-Redaktion