Mit diesen und anderen spannenden Fragen beschäftigt sich die Ahnenforschung.

Überraschend verwandt?

Frank H. interessierte sich schon immer für Geschichte. Aber nicht nur für nackte Zahlen und abstrakte politische Zusammenhänge. Nein, sein Interesse galt vor allem den vielen kleinen Geschichten und dem Alltag der Menschen vergangener Tage. „Bei der Beschäftigung mit dieser Zeit habe ich festgestellt, dass man am besten die eigene Verwandtschaft befragt“, erzählt der Mittvierziger aus Leipzig. Doch dabei blieb es nicht. Hinter jedem Familienmitglied verbarg sich eine persönliche Geschichte, taten sich neue Biografien und ungeahnte Zusammenhänge auf. „So habe ich beispielsweise herausgefunden, dass ein Urgroßonkel von mir mal ein hoher preußischer Offizier war.“

Die Ahnenforschung, im Fachjargon auch als Genealogie bezeichnet, ist eine Wissenschaft für sich. Dem Anfänger stellt sich dabei häufig die Frage, wie er überhaupt an zuverlässige Informationen kommt. Ganz wichtig: Nehmen Sie sich Zeit. Beginnen Sie ebenso wie Frank Ihre Zeitreise, indem Sie mit Ihren Verwandten sprechen. Nicht selten werden Sie bei Ihrer Suche nicht nur mit vielen Informationen rund um Ihren Stammbaum gefüttert. Sie stoßen garantiert auf eine Menge interessanter Familiengeschichten. Am besten, Sie machen sich möglichst viele Notizen, damit Sie später nichts durcheinander bringen.

Die Rolle von Familienchroniken bei der Ahnenforschung

Früher war es das Privileg des Adels, eine Familienchronik zu besitzen oder eine solche erstellen zu lassen. Natürlich wurde dabei auch schon mal getrickst, wenn die Quellenlage dünn wurde. So musste Karl der Große als Ahnherr fast aller europäischen Königshäuser herhalten. Als das Bürgertum und die Bildung an Bedeutung gewannen, wurden solche Chroniken auch für die nicht Blaublütigen interessant.  

Wer weiß – vielleicht haben Sie den Erfinder der Luftpumpe in Ihrer Ahnenreihe? Geben Sie Ihrer Neugierde nach, nehmen Sie auch Kontakt zu entfernten Verwandten auf. Vielleicht haben Sie Glück und einer von ihnen hat sich bereits fleißig auf die Suche nach gemeinsamen Vorfahren begeben. Sehr hilfreich ist es, über sämtliche Angaben und Dokumente Ordner anzulegen. Sie werden staunen, wie schnell ein Berg von Geschichte zusammengetragen ist, über den man schnell den Überblick verliert.

Behörden und Kirchen helfen bei der Ahnenforschung weiter

Das weite Feld von Dokumenten und Geschichten der Verwandtschaft ist bereits abgegrast? Dann können im nächsten Schritt die Behörden weiterhelfen. Standesämter existieren etwa seit 1874. Hier befinden sich Geburts-, Heirats- und Sterbeurkunden. Wichtig zu wissen ist, dass die Behörden für die Herausgabe dieser Dokumente Geld verlangen. Je nach Amt werden pro beglaubigte Kopie zwischen zehn und zwölf Euro berechnet.

Sie wollen weiter in die Tiefen der Vergangenheit vordringen? Für die Zeit vor 1874 muss Kirchenbuchforschung betrieben werden. Viele Kirchenbücher beginnen allerdings erst in der Zeit nach dem 30-jährigen Krieg, sprich nach 1648. In den Kirchenbüchern finden Sie Tauf-, Trauungs-, und Sterbeverzeichnisse. Um sie einsehen zu können, wenden Sie sich am besten direkt an das jeweilige Pfarramt oder Bistum.

Sie haben noch immer nicht genug? Um noch weiter in die spannende Welt Ihrer Ahnen vorzudringen, sind inzwischen spezielle Genealogie-Programme erhältlich. Auch im Internet erhalten Sie nützliche Tipps zu diesem Thema.

Vielleicht sind Sie ja auf Ihrer Reise durch die Vergangenheit auf echte Prominenz gestoßen? Wenn nicht, macht nichts, denn die Geschichte der eigenen Verwandtschaft bietet oftmals auch ohne dies Stoff für einen ganzen Roman. Auch Frank H. hat schon darüber nachgedacht, ein Buch auf Basis seiner Familiengeschichte zu schreiben. „Es wird kein zweiter Buddenbrooks“, da ist er sich sicher und lacht. Doch wer weiß, welche Familiengeschichten noch in der Vergangenheit schlummern? 

Autorin: Pascale Gerhards, Platinnetz-Redaktion