Und so scheint es vielen Müttern zu gehen. Eine kleine Aufmerksamkeit reicht schon aus, um jeder Mutter eine Freude zu machen - Hauptsache, die Sprößlinge denken überhaupt an den Muttertag. Das, was manche als "Erfindung der Blumenindustrie" abtun, ist in Deutschland dennoch eine feste Institution mit einer längeren Tradition.

Die Geschichte der Tradition "Muttertag"

Als Begründerin des Muttertags gilt die Amerikanerin Anna Marie Jarvis. Sie widmete den zweiten Sonntag im Mai 1907 ihrer toten Mutter. Im Jahr darauf organisierte sie am gleichen Stichtag eine Andacht in ihrer Kirche, die allen Müttern gewidmet war. Im Folgenden kämpfte Jarvis für eine offizielle Anerkennung des Muttertags. Ihr Ziel war, dass dieser Sonntag international als Feiertag zu Ehren der Mütter begangen werden sollte. Bereits 1909 hatte sie in ihrem Land großen Erfolg - 45 Staaten der USA feierten den Muttertag. Fünf Jahre später hatte Jarvis ihr Ziel zumindest in den USA erreicht: Der Muttertag wurde offiziell zum nationalen Feiertag.

Der Muttertag in Deutschland

Bei uns in Deutschland wurde der zweite Sonntag im Mai zunächst vom Verband Deutscher Blumengeschäftsinhaber als "Tag der Blumenwünsche" etabliert. In ihren Schaufenstern priesen die Blumenläden den Tag unter dem Motto "Ehret die Mutter" an. 1933 wurde der Muttertag von den Nationalsozialisten zur Propaganda der Idee der "Herrenrasse" missbraucht. In der Bundesrepublik wurde der Muttertag dann 1949 zum nicht-gesetzlichen Feiertag erklärt. Den Blumenverkäufern wurde an diesem Tag eine Sonderstellung eingeräumt: Sie durften am zweiten Sonntag im Mai ihre Läden öffnen. Diese Ausnahme gilt bis heute. Außer im Bundesland Baden-Württemberg gilt eine einheitliche nationale Regelung, die den Blumenläden das Öffnen am Muttertag erlaubt. Einzige Abweichung ist hierbei, wenn der Muttertag mit dem Pfingstsonntag zusammenfällt - dann müssen die Blumenläden in ganz Deutschland geschlossen bleiben.

Kommerzialisierung des Muttertags

Wie die Art der Einführung des Muttertags in Deutschland zeigt, sind die deutschen Wurzeln des Feiertags eher kommerzieller Natur. Dies wird auch von den Verkaufszahlen bestätigt. Im Blumenhandel wird am Muttertag der größte Umsatz des gesamten Jahres erzielt. Auch in seinem Herkunftsland, den USA, wurde der Muttertag schnell auf den Kommerz reduziert. Diese Entwicklung brachte die Begründerin Anna Marie Jarvis sogar dazu, sich vom Muttertag zu distanzieren. Mehr noch: Sie begann, sich dafür einzusetzen, dass der Feiertag wieder abgeschafft wurde. Im Gegensatz zu ihrem ursprünglichen Bestreben blieben diese Bemühungen jedoch vergeblich.

Wie führen wir die Tradition fort?

Nach einer aktuellen Umfrage der Quelle GmbH feiern die Deutschen den Muttertag am liebsten traditionell. Ganz oben auf der Liste der Vorsätze steht das Geschenk für die Mutter - am liebsten Blumen und Süßigkeiten. Hoch im Kurs sind ebenfalls ein Besuch bei der Mutter oder zumindest das Telefonat mit ihr. 13 Prozent planen immerhin einen Ausflug mit der Frau Mama oder deren Einladung zum Essen. Eine Tradition, die dagegen vergessen zu sein scheint, ist der Brief oder eine Karte an die Mutter. Nur vier Prozent der Befragten wollen auf dem Postweg gratulieren. Die Erwartungshaltung der Mütter ist an diesem Tag übrigens recht hoch, denn die meisten (67 Prozent) rechnen damit, dass sie von ihren Kindern etwas geschenkt bekommen. Und aus diesem Grund gehen auch viele dieser Tage auf Geschenksuche. Auch Ursula ist noch auf der Suche, hat aber schon einen Notfallplan, falls sie nichts findet, was ihr außergewöhnlich genug erscheint: "Wenn ich nicht fündig werde, dann bleibt es eben mal wieder bei Blumen und Pralinen. Wäre ja vielleicht gar nicht so schlimm - ich würde mich ja schließlich auch drüber freuen."

Autorin: Anne Bartel, Platinnetz-Redaktion