Natürlich sehnen sich auch reife Frauen und Männer in der zweiten Lebenshälfte nach Liebe und Partnerschaft, schließlich ist keiner gerne alleine. Doch gerade wenn sich Menschen mit 40 Plus frisch verlieben sind Vorurteile, Unverständnis und fehlende Akzeptanz vorprogrammiert. Gerade die erwachsenen Kinder der frisch Verliebten können und wollen sich den Vater oder die Mutter nicht mit einem neuen Partner vorstellen.

Reife Frauen und Männer haben ein Recht auf Partnerschaft

Frank (65) und Manuela (60) haben die gleichen Erfahrungen gemacht wie viele andere reife Frauen und Männer auch. Sie hatten beide ihren Lebenspartner vor mehreren Jahren verloren. Beide haben jeweils zwei Kinder, alle zwischen 25 und 35. Beide fühlten sich einsam und beschlossen, im Internet auf Partnersuche zu gehen. Sie lernten einander kennen, chatteten, mailten, telefonierten, trafen und verliebten sich. Beide waren glücklich und zufrieden und beschlossen, ihr Glück so schnell wie möglich mit ihren Kindern zu teilen. "Zuerst hatte keiner von uns seinen Kindern von seiner Partnersuche erzählt", sagt Frank. "Erstens war es uns ein bisschen peinlich und zweitens hatten wir Angst davor, dass unsere Kinder dafür kein Verständnis haben würden." Als die beiden aber schon nach kurzer Zeit einen gemeinsamen Urlaub planten, wollten sie dann doch mit der Sprache herausrücken. "Meine Kinder waren geschockt. Sie konnten nicht verstehen, dass ich in meinem Alter noch Wünsche und Bedürfnisse nach Liebe und Nähe habe", erzählt Manuela. Bei Frank verlief das Gespräch ähnlich: "Meine Kinder waren total durcheinander. Die ganze Zeit haben sie nur Dinge gefragt wie 'Und was wird dann aus dem wöchentlichen Babysitten?' Sie haben nur daran gedacht, was sich jetzt für sie alles verändert", schildert er. "Ich war enttäuscht, weil sie irgendwie gar nicht an mich und mein Glück gedacht haben." Diese oder ähnliche Erfahrungen machen viele reife Frauen und Männer, wenn sie ihre Kinder mit einem neuen Lebenspartner konfrontieren. Eine solch negative Reaktion der erwachsenen Kinder kann das neu gefundene Liebesglück dann leider schnell trüben. Doch warum ist es so schwer für die Kinder, einen neuen Partner eines Elternteils zu akzeptieren?

Kinder trüben den zweiten Frühling

Ragnar Beer, Psychologe an der Universität Göttingen beschäftigt sich in seinen Studien mit Paartherapie und Paarberatung und hat auch reife Frauen und Männer als "Untersuchungsobjekte". Er weiß, dass in Partnerschaften zwischen älteren Semestern die Rollen verkehrt werden. Die familiären "Streitstifter" sind nicht länger die jeweiligen Schwiegereltern, sondern die erwachsenen Kinder des einen oder anderen Partners. Wie man vielleicht meinen könnte, geht es dabei weniger um eine eventuell gefährdete Erbschaft, betont Ragnar Beer. Die Probleme treten eher durch die Veränderung in der Familienstruktur auf, etwa weil Oma oder Opa dann nicht mehr so viel Zeit für die Enkelkinder haben. Oder weil finanzielle Unterstützungen, die vorher an der Tagesordnung waren, nun wegfallen, weil der Vater oder die Mutter das Geld für Reisen mit dem neuen Partner brauchen. Durch solche Konflikte werden familiäre Spannungen aufgebaut, die die neue Beziehung erheblich belasten können. Oft wollen sich die Eltern ja auch nicht von ihren Kindern abwenden oder Streit verursachen, so dass sie ihren Kindern gegenüber nachgiebiger sind, als es ihrer neuen Partnerschaft gut tut.

Ein weiteres Problem, dass reife Frauen und Männer in ihren Beziehungen oft haben, ist, dass die Kinder Probleme mit der Intimität der frisch Verliebten haben. "Für die erwachsenen Kinder ist es oft peinlich, wenn der alte Vater oder die alte Mutter plötzlich mit einem neuen Partner rumknutscht. Eltern haben ja keinen Sex", sagt Ragnar Beer augenzwinkernd. Das führt dazu, dass das Verständnis dem Elternteil gegenüber ausbleibt und die neue Beziehung von den erwachsenen Kindern nicht ernst genommen wird. Dabei istdies der vollkommen falsche Ansatz, denn gerade die Beziehungen zwischen reifen Frauen und Männern haben sehr gute Zukunftschancen.

Glück in späten Jahren - reife Frauen und Männer haben gute Chancen für eine lange Beziehung

Erlebt man in späteren Jahren noch einmal einen zweiten Frühling, sind die Gefühle genauso intensiv wie früher. Das bestätigen auch Frank und Manuela, wobei Manuela betont: "Es ist wahrscheinlich schon ein bisschen mehr Kopf-Entscheidung dabei als mit 16". Die Prioritäten haben sich verlagert, man hat seinen Platz im Leben bereits gefunden und braucht einen Partner, der dort hinein passt. "Außerdem ist es ja so, dass wir uns darüber im Klaren sind, dass wir nicht mehr ewig leben. Es hört sich zwar komisch an, aber wir können jetzt unsere gemeinsame Zeit viel intensiver nutzen und genießen", meint Frank. Die Situation zwischen den beiden und ihren Kindern hat sich mittlerweile etwas beruhigt. So richtig entspannt ist zwar immer noch keiner, wenn alle aufeinander treffen. "Wir haben uns aber auch von niemandem beirren lassen und sind unseren Weg gemeinsam gegangen", sagt Manuela. "Und unsere Kinder werden damit früher oder später auch klar kommen."

Autorin: Anne Bartel, Platinnetz-Redaktion