"Michael wohnte im gleichen Hotel wie ich. Er ist mir mit seiner sportlichen Figur und seinen blauen Augen sofort aufgefallen. Am zweiten Tag lernten wir uns bei einem Ausflug kennen, und es hat sofort gefunkt“. Obwohl der Urlaubs-Flirt auch den Sprung zurück in den Alltag überstand – Michael wohnt nur 30 Kilometer entfernt von Ediths kleinem Häuschen bei Mainz – konnte von einem Happy-End für die beiden vorerst keine Rede sein. Tristan (10) und Maria (14) waren nämlich von dem neuen Mann in Ediths Leben alles andere als begeistert.

Endlich einen neuen Partner, doch die Kinder bremsten die Euphorie

„Ich hatte von vornherein ein mulmiges Gefühl, Michael den beiden vorzustellen – und die böse Vorahnung bestätigte sich prompt“. Nachdem die beiden Kinder aus ihrer ersten Ehe schon sehr zurückhaltend reagierten, wenn die 43-jährige Grundschullehrerin von ihren gemeinsamen Treffen mit Michael erzählte, zeigten sie bei einem ersten gemeinsamen Abendessen offen, was sie von Mamas neuer Liebe hielten: Gar nichts. „Ich habe die beiden nicht wieder erkannt. Sie waren so still und gleichzeitig gereizt, und sie würdigten Michael während des gesamten Essens nicht eines Blickes. Dabei sind die sonst immer sehr aufgeschlossen fremden Menschen gegenüber.“ Die beiden Verliebten waren plötzlich sehr rat- und mutlos.

So wie ihnen geht es vielen Menschen, die Kinder aus einer gescheiterten Beziehung oder Ehe haben und mit einem neuen Partner das Abenteuer Patchwork Familie wagen möchten. Das Spannungsverhältnis zwischen Kindern und der neuen Liebe entsteht dann in der Regel nicht durch die persönlichen Eigenschaften des Partners, sondern durch die Position, die er innerhalb der neuen Familie einnimmt. Die fremde Person wird von den Kindern häufig als Konkurrent um Aufmerksamkeit und Fürsorge oder als Ersatz für den anderen Elternteil empfunden. Dieses grundsätzliche Dilemma ist nicht auf die Schnelle zu lösen, aber es gibt einige Verhaltensweisen, die man in einer solchen Situation beachten kann, um die Lage etwas zu entschärfen.

Den neuen Partner den Kindern vorstellen

Wollen Sie Ihren neuen Lebensgefährten in Ihre Familie integrieren, sollten Sie allen Beteiligten genügend Zeit einräumen, um sich an die neue Situation zu gewöhnen – sich selbst eingeschlossen. Überstürzen Sie nichts und drängen Sie Ihre Kinder oder Ihren Partner auf keinen Fall zu Dingen, die sie (noch) nicht wollen. So verstärken Sie nur zusätzlich die schlechte Atmosphäre und erreichen damit genau das Gegenteil dessen, was Sie wollen. Anstelle eines gemeinsamen Abendessens in der eigenen Wohnung kann man beispielsweise einen Ausflug planen, bei dem Kinder und neuer Partner sich erst einmal auf neutralem Boden kennen lernen können. So wird der neue Lebensgefährte zunächst weniger als Eindringling in die eigene Lebenswelt und mehr als Bekannter wahrgenommen. Mit der Zeit kann der Partner auch in die gemeinsame Wohnung zu Besuch kommen. Wichtig ist jedoch auch hier, das richtige Maß zu finden und den anderen nicht von einem Tag auf den nächsten permanent in der eigenen Wohnung als Gast zu haben. Folgende Hinweise sind außerdem hilfreich, wenn Sie Konflikte vermeiden bzw. vermindern möchten:

•    Zeigen Sie Ihren Kindern, dass die veränderte Situation nichts an Ihren Gefühlen für sie

ändert

•    Der neue Partner sollte auf keinen Fall Erziehungsaufgaben übernehmen

•    Ebenso sollte er nicht in Gegenwart der Kinder schlecht über den anderen Elternteil reden

Bei Edith, Michael, Tristan und Maria hat es schließlich funktioniert: „Es hat eine lange Zeit gebraucht“, erzählt Edith, „aber mittlerweile bin ich mit unserer Situation sehr zufrieden. Auch wenn ich anfangs manchmal kurz davor war, den Mut zu verlieren. Aber nachdem sich Tristan und Maria an Michael gewöhnt hatten und gemerkt haben, dass ich nach wie vor für sie da bin, waren die anfänglichen Probleme schnell vergessen“. Mittlerweile wohnen die vier gemeinsam unter einem Dach – und sind zufrieden.

Autor: Torben Riener, Platinnetz-Redaktion