Mit wissenschaftlichen Methoden können viele der Unterschiede zwischen Mann und Frau erklärt werden. Viele Klischees sind allerdings nicht biologisch begründet, sondern entstehen durch soziale Bedingungen oder sind reine Kopfsache.

Frau und Mann mit unterschiedlichem Schmerzverhalten

Ist der Mann krank, geht es ihm ziemlich schlecht. Mit Leidensmiene klagt er über seine Schmerzen und kann sich kaum rühren, dabei hat er nur eine simple Erkältung. Die Frau dagegen ist tapfer. Trotz Krankheit kümmert sie sich um den Haushalt und Kinder auf die Welt zu bringen, ist schließlich auch kein Zuckerschlecken. Die Situation scheint klar: Frauen empfinden weniger Schmerzen als Männer. Doch die Wissenschaft beweist das Gegenteil. Experimente zeigten, dass Männer durch Eiswasser, Hitze oder Nadelstiche verursachte Schmerzen weniger stark empfinden als Frauen. Frauen sind dagegen tatsächlich sensibler für Schmerzen. Sie können verschiedene Schmerzgrade differenzierter wahrnehmen und das Sexualhormon Östrogen sorgt dafür, dass der Schmerz schneller an das Gehirn weitergegeben wird. Frauen nehmen Schmerzen also zwar stärker wahr, aber sie kommen besser damit zurecht. Wissenschaftler vermuten, dass Frauen Schmerzen gerade wegen dieser höheren Belastung besser aushalten können, sie sind es einfach gewöhnt. Was ist dann aber mit den wehleidigen Männern? Tatsächlich reagierten die Männer in den Tests erst dann wehleidig, wenn ihre Partnerin dabei war. Wenn der Mann also bei einer Krankheit übertrieben leidet und jammert, will er damit vor allem erreichen, dass sich die Frau um ihn kümmert.

Warum die Frau schneller friert

Während der Mann im leichten Hemd auf seinem Sessel sitzt, liegt die Frau eingekuschelt in eine Decke, mit heißem Tee und Wärmflasche bestückt auf dem Sofa. Die Frau friert andauernd und viel zu schnell, soweit das Klischee. Dass die Frau tatsächlich schneller friert als der Mann, ist keine Überraschung. Denn der Körper liefert gleich mehrere Erklärungen dafür. Der erste Grund ist die Haut. Der Mann ist im wahrsten Sinne des Wortes dickhäutiger als die Frau, die wegen ihrer dünneren Haut weitaus sensibler auf Kälte reagiert. Der zweite Grund liegt im unterschiedlichen Fettvorkommen im Körper von Frau und Mann. Der weibliche Körper besteht aus 25 Prozent Fett und 25 Prozent Muskeln. Im männlichen Körper dagegen sieht das Verhältnis anders aus: Der Durchschnittskörper eines Mannes besteht zu ganzen 40 Prozent aus Muskeln! Während der höhere Anteil an Fett die Frau zwar vor Auskühlung schützt, sind Muskeln kleine Wärmekraftwerke und können durch Zittern und Bewegung schnell Wärme produzieren. Deshalb kommen Männer weniger schnell ins Frieren und die Frau muss mehr Anstrengung aufbringen, um nicht auszukühlen. Dass Frauen schneller eiskalte Füße bekommen und schneller frieren, hat also rein biologische Gründe.

Wie sich Mann und Frau selbst sehen

Die Wissenschaft stellt allerdings immer wieder heraus, dass die biologischen Unterschiede zwischen Mann und Frau gar nicht so groß sind, wie man glaubt. Erst die Erziehung und das soziale Umfeld tragen dazu bei, dass sich Mann und Frau unterschiedlich verhalten und damit die Vorurteile bestätigen. Laut Klischee reden Männer beispielsweise nicht über ihre Gefühle, während Frauen ständig das Herz auf der Zunge tragen. Das hat allerdings rein gesellschaftliche Gründe. Auch heute noch gilt es als weibliche Eigenschaft, Gefühle auszudrücken und Männer, die Emotionen zeigen, als wenig männlich. Diese unterschwellige Erwartungshaltung prägt das männliche Verhalten. Auch dass Männer angeblich weniger reden als Frauen, wurde in einem aktuellen Test widerlegt, demnach reden Männer genauso viel wie Frauen. Auch hier beeinflusst die soziale Erwartungshaltung - die Frau würde ohne Unterlass plaudern und der Mann sich ausschweigen - die Wahrnehmung.

Ein weiteres Beispiel dafür, dass Klischees häufig keine biologischen Hintergründe haben, sondern allein durch das Sozialverhalten ausgelöst werden, ist, dass Frauen schlechter einparken können als Männer. Doch die Wissenschaft erklärt: Männer und Frauen können aufgrund ihrer biologischen Voraussetzungen gleich gut einparken. Während Männer allerdings in ihre Fähigkeiten vertrauen und das Einparken auch dann als Erfolg verbuchen, wenn das Auto nicht ganz perfekt steht, trauen sich Frauen weniger zu. Sie korrigieren beim Einparken öfters und reden sich selbst Schwächen im Umgang mit dem Auto ein. Mit Unsicherheiten und dem Zweifeln an der eigenen Stärke befeuern die Frauen das Klischee der schlecht einparkenden Frau damit selbst. 

Autorin: Julia Heilig, Platinnetz-Redaktion