„Weißt du überhaupt, was Abseits ist?“ Grinsend und mit der unterschwelligen Botschaft „das weißt du sowieso nicht“ stellen Männer den Damen gerne diese Frage. Doch dass sich auch die Männerwelt schwer tut, diese abstrakte Fußballregel einfach und verständlich zu erklären, ignorieren die Herren der Schöpfung dagegen gerne. Lieber wird feixend festgestellt, dass Frauen keine Ahnung von Fußball haben. Frauen dagegen machen sich gerne darüber lustig, wenn der Partner wieder einmal das ganze Wochenende schmollt, nachdem die Lieblingsmannschaft das wichtigste Spiel der Saison verloren hat. Fußball spaltet die Geschlechter und Vorurteile auf beiden Seiten werden genüsslich gepflegt. Doch wie viel Wahrheit verbirgt sich in den Vorurteilen?

Was Frauen an Fußball reizt

Eine Frau, die sich als Fußballfan outet, hört immer wieder dieselbe Frage: „Ach, du interessierst dich für Fußball?“ In der darauf folgenden Diskussion wird dem weiblichen Fan gerne unterstellt, am Fußball nur wegen der Attraktivität der Spieler interessiert zu sein. Ein klarer Fall von Überschätzung! Denn laut einer Umfrage findet nur zirka jede zehnte Frau Fußballspieler attraktiv. Männer die kochen, Heimwerkeln oder ins Fitnessstudio gehen, stoßen auf deutlich mehr Interesse als Fußballspieler.

Dennoch, in diesem Vorurteil liegt auch etwas Wahres. Es ist ein Fakt, dass Frauen viel eher als Männer einen persönlichen Bezug brauchen, um sich mit etwas Abstrakten wie einem Fußballclub zu identifizieren. Gerade deshalb ist für Frauen zum Beispiel die Nationalmannschaft interessanter, da die einzelnen Spieler mehr im Fokus stehen. Mit Deutschland kann sich Frau einfach besser identifizieren als mit einem Verein, dessen Personal ständig wechselt und in dem Spieler für die richtige Summe schnell ihre Loyalität vergessen und zum Konkurrenten wechseln. Obwohl bei Frauen Personen im Vordergrund stehen, reicht ein attraktiver Spieler nicht aus, um ein großes Interesse am Fußball zu schaffen. Spieler wie David Beckham oder der feurige Portugiese Luis Figo sind für Frauen zwar ein Anziehungspunkt - als Grund für wirkliches Fußballinteresse reichen aber auch deren Adonis-Körper nicht aus. Frauen gaben in einer Umfrage an, Fußball gerade dann gerne zu sehen, wenn das Spiel spannend und der Wettkampf fair ist - und auf dem Rasen guter Fußball gespielt wird. Das sind dieselben Antworten, die man auch von einem Mann bekommen würde.

Was Fußball Männern bedeutet

Viele Frauen erleben Fußball als eine Art Konkurrent um die Gunst ihres Partners. Wenn der Kinobesuch wieder einmal wegen eines Länderspiels ausfallen muss, stößt die männliche Fußballbegeisterung beim weiblichen Geschlecht häufig auf Unverständnis. Und auch wie ernst Männer den Fußball nehmen erschließt sich Frauen häufig nicht. Auf beschwichtigende Worte wie „Es ist doch nur ein Spiel“ erntet Frau ablehnende Blicke oder einen Schmollmund. Denn Männer machen besonders oft das eigene Glück vom Weh und Wohl der Lieblingsmannschaft abhängig, ihre Laune steht und fällt mit dem Abschneiden der Fußballspieler. Doch wieso?

Psychologen spekulieren über die Ursachen. Es wird vermutet, dass das Fußballstadion als Raum angesehen wird, an denen Mann seinen Emotionen freien Lauf lassen kann. Während sich Frauen im Leben leicht über Kleinigkeiten freuen und über ein Schnäppchen oder einen schönen Brief jubeln, liegen solche Gefühlsausbrüche nicht in der Natur des Mannes. Vor Wut über eine verpasste Chance die Hände über dem Kopf zusammenzuschlagen, die Mannschaft mit lautem Rufen zu unterstützen und bei einem Tor alle zu umarmen die in Reichweite sind, solche emotionalen Ausbrüche sind im Alltag tabu, aber im Stadion in Ordnung. Der Fußball bietet einen neutralen Raum, in dem man Gefühle durchleben kann, die es so im normalen Leben gar nicht gibt. Laut Psychologen sind es vor allem Männer, die diesen Ausgleich vom Alltag brauchen. Daher ist für sie der Fußball oft von so großer Bedeutung, die Frau kann dagegen meist nur darüber lachen.

Klischees im Fußball gehören dazu

Hinter den Vorurteilen, mit denen sich Mann und Frau beim Thema Fußball begegnen, steckt also immer auch ein Fünkchen Wahrheit. Deswegen werden Klischees über Männer und Frauen auch nicht verschwinden - denn sie gehören einfach mit dazu. Jede Frau, die schon einmal das zufriedene Grinsen im Gesicht eines Mannes gesehen hat, dem sie das Abseits nicht erklären konnte, weiß, wie viel Spaß diese Vorurteile auch machen können. Der Gegensatz der Geschlechter - im Fußball kann er jede Menge Freude bereiten. 

Autorin: Julia Heilig, Platinnetz-Redaktion