Mittlerweile haben beide Geschlechter resigniert und nehmen den uralten Kleinkrieg mit Galgenhumor. Ein gutes Beispiel hierfür ist Mario Barth. Deutschlands erfolgreichster Komiker erzählt bei seinen Bühnenprogrammen von nichts anderem und füllt damit Stadien. Was typisch Mann und typisch Frau ist, scheint also witzig zu sein. Wahrscheinlich, weil sich die Menschen in den Geschichten wiedererkennen oder weil sie sich mit Schadenfreude über das andere Geschlecht lustig machen. Auch wenn man(n) lacht, so weiß jeder, dass diese komischen Unterschiede sehr schnell zu einem Beziehungsstreit führen, weil der Mann ist wie er ist und die Frau das nicht immer komisch findet. Was aber ist typisch Mann? Kann man wirklich alles verallgemeinern?

Typisch Mann aus Beziehungssicht

Grob gesehen gibt es zwei Kategorien: Den Macho und den Frauenversteher. Diese Kategorisierung beruht nicht gerade auf wissenschaftlicher Arbeit, doch sagt sie einiges über die Beobachtungsgabe der Menschen aus. Mit anderen Worten, es steckt zumindest ein Fünkchen Wahrheit hinter solchen Bezeichnungen. Somit kann also nicht alles typisch Mann sein. Da der Mensch für jede Situation das passende Sprichwort hat, mag jetzt so manche Frau sagen: "Ausnahmen bestätigen die Regel." Gut, wenn also alles, was typisch Mann ist zur Regel gehört, welcher Männertyp macht dann diese Regel? Sind es nicht eher die Frauen, die eine bestimmte Vorstellung darüber haben, was typisch Mann ist? Und beruhen die Vorstellungen nicht eher auf Erwartungen durch bestimmte Klischees?

Frauen scheinen sich selbst nicht so sicher darüber zu sein, was typisch Mann ist. Zum Beispiel haben sie oft die Vorstellung vom perfekten Mann, den es nicht gibt, weil er nicht alle Bedingungen gleichzeitig erfüllen kann.

Wenn er leidenschaftlich ist, gut aussehend und gut im Bett ist, dann scheint er der Richtige zu sein. Doch wenn die anfängliche Verliebtheit dem Alltag weicht, ist er nicht mehr zu gebrauchen. Er räumt nie auf, klappt den Toilettendeckel nicht runter und hört nie richtig zu. Typisch Mann! Oder?

Es gibt auch den Frauenversteher. Er hört gut zu, schmeißt den Haushalt fast alleine und nimmt Vaterschaftsurlaub, damit die Frau ihre Karriere fortsetzen kann. Doch manchmal wünscht sie sich einen Mann, der so ganz anders ist als das Weichei Zuhause. Einen Draufgänger, der zupacken kann, der die Familie ernährt und leidenschaftlicher im Bett ist. Einen richtigen Mann! Es ist also nicht ganz einfach, sich als Mann richtig zu verhalten. Männer wissen ja selbst nicht, was es bedeutet typisch Mann zu sein. Aus soziologischer Sicht liegt das an gesellschaftlichen Veränderungen.

Typisch Mann aus soziologischer Sicht

Die Vorstellung, was Typisch Mann ist, rührt wohl noch aus der Zeit, als Männer die Alleinversorger waren und Frauen sich um das Heim und die Kinder kümmerten. Frauen hatten Zuhause das Essen zu machen und den Haushalt zu erledigen. Heute klingt das unvorstellbar, doch damals war es normal. Die Zeiten haben sich geändert und Frauen gehen genauso selbstverständlich arbeiten wie die Männer. Sie besetzen zum Teil hohe Positionen und sind in der Berufswelt zu einer Konkurrenz für Männer geworden. Dadurch ist die typische Männerrolle des Versorgers verschwunden. Aus soziologischer Sicht haben sie keine feste Identität mehr in der Gesellschaft und müssen sich neu orientieren. Ein gefestigtes "Vorbild", wie es früher war, gibt es nicht mehr.

Ein Großteil der Männer bewertet mittlerweile das Eingebundensein in der Familie als eine der wichtigsten Eigenschaften, während Härte und Überlegenheit nur noch von wenigen positiv bewertet werden.

Trotzdem verfallen viele Mann-Frau-Beziehungen bei der Familiengründung wieder in traditionelle Muster, auch wenn das von beiden Seiten nicht gewollt ist. Der Mann geht arbeiten und die Frau bleibt Zuhause bei dem Kind. Das hat zum Teil politische Gründe, da Männer im Verhältnis mehr verdienen als Frauen und somit wieder in die Ernährerrolle fallen.

Zu fragen, was typisch Mann ist, ist letztendlich schwer zu beantworten. Es gäbe da auch noch einen biologischen Aspekt zu berücksichtigen, der mit Sicherheit einige biochemisch bedingte Verhaltensweisen erklären kann. Letztendlich ist es unwichtig, denn genauso wie Männer sind auch Geschmäcker unterschiedlich. Die eine Frau mag den Macho, die andere den Zuhörer. Ärgert man sich über sie, tröstet in beiden Fällen die Feststellung: Typisch Mann!

Autor: Marcel Exner, Platinnetz-Redaktion