Für den einen ist er der "Großmeister" der deutschen Literatur und unschlagbar. Andere geben, nicht nur was das Liebesgedicht betrifft, anderen als Goethe den Vorzug. Über Geschmack lässt sich ja schließlich auch nicht streiten und die Auswahl ist so groß, dass für jeden etwas dabei ist. Hier finden Sie ein paar der absoluten Klassiker unter den Liebesgedichten. Und die erweichen, obwohl sie teilweise schon über hundert Jahre auf dem Buckel haben, immer noch, oder viel mehr immer wieder, die Herzen der Liebenden. Warum also nicht mal den geliebten Menschen mit einem Liebesgedicht bedenken? Denn die richtigen Worte können in gedichteter Form noch viel mehr Gefühlskraft entfalten. Und auch wenn man selbst nicht zum Liebes-Dichter taugt, ist es keine Schande zu den alten Klassikern zu greifen, um einem geliebten Menschen eine Freude zu machen. Inspirieren lassen kann man sich durch Liebessprüche.

Das romantische Liebesgedicht

Goethe: Johann Wolfgang von Goethe schuf zahlreiche Liebesgedichte. Inspiriert wurde er dabei stets von seinem eigenen Leben und seinen Gefühlen. Eines seiner bekanntesten Gedichte schuf er für Christiane Vulpius, das er ihr zum Jahrestag widmete. Die beiden begegneten sich 1788, er 38 und sie 23 Jahre alt, und lebten bis zu Christianes Tod 1814 zusammen. Nachdem sie erst nur Goethes Geliebte war, heirateten die Blumenbinderin und der Literat im Jahr 1806. Sie führten eine harmonische Beziehung mit gegenseitiger Rücksichtnahme, Toleranz und Vertrauen. Christiane Vulpius war ein lebenslustiger, heiterer und spritziger Charakter, der den sinnlichen Kontrapunkt zu dem ruhigen Goethe bildete. In seinem Liebesgedicht "Gefunden" beschreibt Goethe die Beziehung und den Umgang mit seiner Geliebten und späteren Frau bildlich und einfühlsam:

Gefunden
Ich ging im Walde
So für mich hin,
Und nichts zu suchen,
Das war mein Sinn.
Im Schatten sah ich
Ein Blümchen stehn,
Wie Sterne leuchtend,
Wie Äuglein schön.
Ich wollt es brechen,
Da sagt es fein:
Soll ich zum Welken
Gebrochen sein?
Ich grub's mit allen
Den Würzlein aus.
Zum Garten trug ich's
Am hübschen Haus.
Und pflanzt es wieder
Am stillen Ort;
Nun zweigt es immer
Und blüht so fort.

Heine: Als der letzte Dichter der Romantik gilt Heinrich Heine. Er verarbeitete vor allem auch seine unerwiderten Liebesgefühle in seiner Lyrik. Im "Buch der Lieder" etwa steckt viel wehmütige Romantik über seine vergebliche Liebe zu seiner Cousine Amalie. Seine Gedichte behandeln oft das besonders edle und erhabene Gefühl der reinen Liebe. In dem kurzen Liebesgedicht "Du bist wie eine Blume" vergleicht auch er ein Mädchen mit einer Blume:

Du bist wie eine Blume
Du bist wie eine Blume
So hold und schön und rein;
Ich schau dich an, und Wehmut
Schleicht mir ins Herz hinein.
Mir ist, als ob ich die Hände
Aufs Haupt dir legen sollt,
Betend, daß Gott dich erhalte
So rein und schön und hold.

Das humorvolle Liebesgedicht

Ringelnatz: Es gibt nicht nur wehmütige oder dramatische Gedichte unter den Klassikern der Liebeslyrik. Joachim Ringelnatz ist bekannt für seine humorvollen Gedichte. Seine Sprache wimmelt von geistreichen Metaphern und Vergleichen. Sehr berühmt geworden ist sein Liebesgedicht "Ich habe dich so lieb", vor allem die erste und letzte Strophe davon:

Ich habe dich so lieb
Ich habe dich so lieb!
Ich würde dir ohne Bedenken
Eine Kachel aus meinem Ofen
Schenken.
[...]
Ich lache.
Die Löcher sind die Hauptsache
An einem Sieb.
Ich habe dich so lieb.

Morgenstern: Christian Morgenstern ist besonders durch seine komische Lyrik bekannt geworden, doch macht sie nur einen Teil seines Werkes aus. Dabei zeichnen sich seine Gedichte oft durch eine Art "schwarzen Humor" aus, der auch einige seiner Liebesgedichte beeinflusst. Eins seiner bekanntesten Gedichte ist wahrscheinlich "Der Seufzer":

Der Seufzer
Ein Seufzer lief Schlittschuh auf nächtlichem Eis
und träumte von Liebe und Freude.
Es war an dem Stadtwall, und schneeweiß
glänzten die Stadtwallgebäude.
Der Seufzer dacht an ein Maidelein
und blieb erglühend stehen.
Da schmolz die Eisbahn unter ihm ein –
und er sank – und ward nimmer gesehen.

Autorin: Anne Bartel, Platinnetz-Redaktion