Sind die meisten Menschen doch käuflich? Oder haben wir einen Schutzmechanismus eingebaut und genügend Selbstbewusstsein, das uns vor so etwas bewahrt?

Schon mal ein unmoralisches Angebot erhalten?

Chantal (45) eine selbstständige, gut aussehende Frau aus Düsseldorf hat sich zu einem Blind Date mit einem fünf Jahre älteren Mann in einem Café verabredet. Erwartungsvoll tritt sie ein und erkennt am verabredeten Zeichen ihr Date. Nach anfänglicher Nervosität entwickelt sich eine nette und entspannte Unterhaltung. Die Sympathie scheint gegenseitig zu sein. Keine Frage: Es prickelt zwischen ihnen. Als es ans Verabschieden bzw. an das Verabreden eines neuen Treffens geht, kommt das überraschende Angebot. Der durchaus attraktive Mann macht Chantal den Vorschlag: „Verbringe eine Nacht mit mir und ich gebe dir dafür 2000 Euro.“ Im ersten Moment, denkt sie, sie hätte sich verhört, als sie ihre Fassung wieder erlangt, greift sie sich ihre Handtasche und verlässt das Café mit den Worten: „Nein danke!“.

In den nächsten Tagen bespricht sie sich mit ihren Freundinnen und ist doch erstaunt, wie unterschiedlich diese die Situation sehen. Die Mehrheit ist auf ihrer Seite und hat vollstes Verständnis für ihre Reaktion. Tatsächlich gibt es aber auch einige wenige Freundinnen, die erst einmal über das Angebot nachdenken und gar nicht grundsätzlich abgeneigt wären.

Die Argumente dagegen sind:

•    Wie man es auch dreht und wendet, letztlich hätte sie ihren Körper für eine Nacht verkauft.

•    Auch wenn der Mann äußerlich anziehend ist und sie durchaus mit dem Gedanken gespielt hatte, ihn noch zu sich nach Hause einzuladen - durch das Angebot hat er sich definitiv disqualifiziert.

•    Selbst wenn Chantal keine moralischen Bedenken gehabt hätte: Was war wohl seine Motivation? Sie hätte nicht wissen können, ob er Dinge verlangen wird, die ihr nicht gefallen.

Argumente dafür:

•    Ein wohl einmaliges Abenteuer mit einem attraktiven Mann, das aber auch ohne das Angebot hätte stattfinden können.

•    Schwaches Argument ist das Geld.

Wo fängt ein unmoralisches Angebot an?

Ab wann empfindet man ein Angebot als unmoralisch? Ein netter Mann legt abends in der Bar einer Frau Geld auf den Tisch und bittet sie, für ihn zu tanzen. Erlaubt oder nicht? So mancher empfindet es sogar schon als lästig, einen Drink ausgegeben zu bekommen. Er oder sie denkt vielleicht, jetzt einer Erwartung entsprechen zu müssen. Grundsätzlich ist es wohl so, dass es keine wirklichen Maßstäbe für Moral gibt. Jeder empfindet die Grenze des Erlaubten anders. Wichtig ist nur, dass man in sich hineinhört und erst dann entscheidet. Keiner kann einen durch ein Angebot zu irgendetwas zwingen. Ist man sich dessen bewusst, kann man doch den eventuellen unmoralischen Angeboten ganz entspannt entgegensehen.

Autorin: Dorothee Ragg, Platinnetz-Redaktion