Wenn aus einem Flirt Ernst wird

Kommt Ihnen diese Schilderung bekannt vor? Dann befinden Sie sich in guter – und recht großer – Gesellschaft. Denn immer wieder zeigen Umfragen, dass viele Deutsche schon einmal fremdgegangen sind oder eine heimliche Liebesbeziehung neben einer festen Partnerschaft hatten. Die Gründe, warum es jemanden in die Arme eines oder einer Anderen treibt, sind vielfältig und reichen von Abenteuerlust bis zum Stillen einer tiefen Sehnsucht. Längerfristige Affären kommen übrigens häufiger vor als das schnelle Abenteuer zwischendurch. Nicht selten bleiben zwei Geliebte zusammen und beenden dafür ihre feste Beziehung.

Dass es einmal so kommen wird, hofft auch Caroline. Selbst wenn ihr Zweifel kommen: „Ich habe versucht, dagegen anzukämpfen. Vergebens. Ich hab mir schon so oft gesagt: Das kannst du nicht machen, das führt zu nichts, am Ende stehst du alleine da“, erzählt sie. Doch trotz dieser inneren Zerrissenheit blieb es bei dem gleichen Muster: Ins Kino, ins Restaurant – und ins Bett. Carolines Geliebter hat seitdem zwei Frauen – sie und seine Ehefrau. Und er beteuert, dass er beide liebt. Doch Caroline drängt: „Er muss sich irgendwann entscheiden. Ich möchte die Einzige in seinem Leben sein, das ist doch klar“.

Geliebte oder Geliebter - Verliebt, verlobt, verlassen?

„Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben“ heißt es in einem Schlagerklassiker. Ist man sich im Klaren, dass die neue Liebschaft nicht nur ein flüchtiges Abenteuer ist, führt das zu weiteren Problemen, denn es wirft die Frage auf, ob man dem Partner den Seitensprung gesteht. Dann geht es nicht selten ums Ganze. Geht man seinen Gefühlen und Trieben nach oder zügelt man sich, um nicht das aufs Spiel zu setzen, was man schon hat? Das große Drama scheint in diesen Situationen vorprogrammiert zu sein.

Oft genug führt eine solche Konstellation zu Einsamkeit und Frust für den Geliebten oder die Geliebte. Dann nämlich, wenn der in einer Beziehung lebende Teil seinen Partner nicht verlassen will. So ist es auch Henrik D. aus Augsburg ergangen. Fast zwei Jahre lang führte der 42-jährige PR-Berater eine Art Doppelleben mit seiner neuen Freundin. Alles sei geklärt, dachte er. „Wir waren beide verheiratet, haben uns ineinander verliebt und irgendwann auch Pläne für eine gemeinsame Zukunft gemacht. Ich habe dann zu Hause reinen Tisch gemacht.“ Aber seine neue Liebe habe am Ende „gekniffen“ und ging zu ihrem Mann zurück. Henrik lebt seitdem einsam und hat das Gefühl, alles falsch gemacht zu haben.

Anders als Caroline, die sich selbst nichts vorzuwerfen hat. Was soll man gegen Gefühle schon ausrichten? Sie wünscht sich, dass alle Beteiligten glücklich werden. „Ich werde nur glücklich mit ihm an meiner Seite. Genau wie seine Frau, und er selbst braucht anscheinend uns beide.“ Doch ohne Frust auf der einen oder anderen Seite wird es wohl auf Dauer nicht gehen.

Geliebte und Geliebter - Geht man das Risiko ein?

Wo die Liebe hinfällt, weiß man nicht. Allerdings muss man sorgfältig abwägen, was man will und was nicht. Wo liegen die Perspektiven für die Liebesbeziehung, die nicht sein darf? Kommunikation ist in einem solchen Fall wichtig. Am besten spricht man mit vertrauten Personen über sein emotionales Dilemma. Häufig reicht schon jemand, der einfach nur zuhört, um im eigenen Kopf für Klarheit zu sorgen.

Es gilt, für sich selbst herauszufinden: Sind es bloß momentane Gefühlswallungen, die man fehl- oder überinterpretiert? Und: Was riskiere ich, wenn ich was mache? Wenn tatsächlich so etwas wie echte Liebe im Spiel ist, scheint alles möglich. Auch das ganz große Chaos. Leider gibt es Sicherheiten auch dann nicht, wenn man statt an der Börse in Gefühle investiert.

Autor: Oliver Z. Weber, Platinnetz-Redaktion