Denn nicht nur in der Werbung kommt es auf die äußere Verpackung an. Die Forschung bestätigt immer wieder: bei der Wahl des geeigneten Partners spielt die Optik durchaus eine Rolle. Trotz einiger Jahrtausende kultureller Entwicklung achtet der Mensch bei der Partnerwahl immer noch vor allem auf Äußerlichkeiten.

Innere Werte gegen äußere Reize: Kultur gegen Natur?

Hans-Martin G. (56) aus Münster ist sich sicher: „Bei meiner Erika war es sofort klar, dass sie die Richtige für mich ist. Ich war gleich von ihrer inneren Schönheit fasziniert.“ Kann es sein, dass man in den ersten Augenblicken die berühmten inneren Werte eines Menschen erkennt?

Wir sind auf zweierlei Art geprägt. Sicher legen wir bei neuen Bekanntschaften großen Wert auf einen reifen Charakter, auf Anstand und feste Moralvorstellungen oder einen ausgeprägten Sinn für Humor. Diese Werte sind in Jahrhunderten kultureller Prägung entstanden und befinden sich in stetigem Wandel. So gut wie gar nicht gewandelt hat sich hingegen unsere Reaktion auf Äußerlichkeiten. Ob jemand in unser persönliches 'Beuteschema' passt oder wer uns sympathisch ist, wird innerhalb von Sekunden unbewusst entschieden. Dies bestätigen diverse wissenschaftliche Studien. Wie ein Mensch hingegen tickt, erfahren wir erst im Laufe der Zeit. Wenn der erste Eindruck also schon alles entscheidet, spricht das dann für Hans-Martins Aussage?

Speed-Dating früher und heute

So richtig lange scheinen wir auch für den zweiten Eindruck nicht zu brauchen. „Was Menschen nach 30 Sekunden über einen völlig Unbekannten sagen, stimmt erstaunlich präzise mit der Selbsteinschätzung der Beurteilten überein“. Das stellt Ursula P. (42) regelmäßig fest, wenn sie in Stuttgart Speed-Datings veranstaltet. Damit kommt die Praxis des High-Speed-Kennenlernens dem ehemals vorherrschenden Gegebenheiten in der freien Wildbahn gleich: Man kam, sah und siegte – oder eben nicht.

Noch immer gelten also die Regeln, die wir uns in Jahrmillionen der Evolution angeeignet haben. Das gilt vor allem für optische Reize. Doch auch was wir hören und riechen, spielt eine Rolle. Beim Mann ist eine tiefe Stimme zum Beispiel ein Signal für Testosteron und damit Indikator für einen starken Partner. Und die vom Gegenüber ausgesendeten Botenstoffe, die wir über unser Riechorgan aufnehmen, signalisieren uns auch, ob es passen könnte. Der umgangssprachliche Satz „Den kann ich nicht riechen!“ hat also eine tiefere Bedeutung: Mit entscheidend für eine soziale Verträglichkeit ist in der Tat, ob man sich riechen kann.

Doch man kann beruhigt sein: In einer langen Partnerschaft kommt es auf die Äußerlichkeiten nicht mehr so sehr an. Die haben ja ihren Dienst bereits getan.

Autor: Torben Riener, Platinnetz-Redaktion