Ja, man kann. Und man tut es. Das jedenfalls hat die amerikanische Psychologin Nancy Kalish herausgefunden. Seit 1993 erforscht sie das Phänomen "Jugendliebe" und hat einen echten Trend festgestellt. In Amerika hat dieser Trend sogar einen Namen: Rekindling heißt das erneute Auffrischen der Jugendliebe. Und es ist typisch für die Generation 50plus. Denn gerade nach einer langjährigen, aber gescheiterten Ehe oder Partnerschaft fällt es vielen Menschen leichter, einen bereits bekannten und vertrauten Menschen in sein Leben einzubeziehen als einen Fremden.

Ein Pro für die Jugendliebe

Unsere erste große Liebe prägt uns für den Rest unseres Lebens. Das liegt zum Teil auch daran, dass dieser Mensch oft unsere erste Bezugsperson außerhalb der Familie war. In vielen Fällen teilte man sich mit ihr den gleichen Freundeskreis, hatte die gleichen Wertvorstellungen und ein gemeinsames Umfeld. Dabei sind die Gefühle eines Teenagers besonders intensiv, neu und aufregend. Und diese Gefühle bleiben im emotionalen Gedächtnis hängen. Wir erinnern uns gerne an die Jugendliebe zurück und vergessen nach den vielen Jahren die negativen Seiten, die sie eventuell hatte. Übrig bleibt eine tiefe Verbundenheit mit diesem Menschen. Gerade wenn die Beziehung wegen damaliger äußerer Umstände in die Brüche ging, fragen wir uns häufig, ob die Beziehung wohl gehalten hätte, wenn alles anders gekommen wäre. Haben Sie sich zum Beispiel von Ihrer Jugendliebe getrennt, weil eine der Familien umgezogen ist oder die Eltern gegen eine Beziehung waren? Besonders dann kann die Versuchung groß sein, es nochmal mit der Jugendliebe zu versuchen. Die Chancen stehen insgesamt gar nicht schlecht, dass eine aufgewärmte alte Liebe auch wirklich hält. Laut Kalish sind diese Beziehungen besonders stabil, weil die beiden Partner eine gemeinsame Geschichte verbindet.

Das Wiederfinden der Jugendliebe

Als die Wissenschaftlerin Nancy Kalish 1993 mit ihrer Studie begann, hatte sie es noch schwer, Testpersonen zu finden, die ihre Jugendliebe wiedersehen wollten oder sie schon wiedergefunden hatten. Mühselig suchte sie ihre Studienobjekte durch Aufrufe in Zeitschriften. Mittlerweile ist jedoch alles einfacher - dem Internet sei Dank. Menschen, die man aus den Augen verloren hat, kann man einfach googeln oder auf Onlinebörsen nach ihnen suchen. Viele Singles suchen inzwischen gezielt nach der alten Jugendliebe, um einen Neuanfang zu versuchen. Eigentlich ja eine schöne Idee, es gibt nur ein Problem: Wenn einer der Beteiligten kein Single mehr ist. Als Kalishs Studien ihren Anfang nahmen, waren 70 Prozent der Suchenden solo und hofften auf diese Art einen Partner (wieder-)zu finden. Mittlerweile geht der Trend jedoch leider genau in die andere Richtung: Etwa zwei Drittel der Suchenden sind verheiratet. Laut Kalish beginnen 62 Prozent der Menschen, die im Internet eine alte Liebe finden und Kontakt mit ihr aufnehmen, eine Affäre mit ihr. Die Expertin rät deshalb davon ab "nur mal so" nach einer verflossenen Liebe zu suchen, denn allzu schnell werden alte Gefühle wieder aufgekocht, die sich dann nicht mehr so einfach kontrollieren lassen.

Autorin: Anne Bartel, Platinnetz-Redaktion