Goldene Hochzeit - ein weiter Weg: Zahlen und Fakten

Die Zahl der Hochzeiten ist, bis auf einen kurzzeitigen und nur geringen Anstieg in den Jahren zwischen 1981 und 1988, von 1960 bis heute kontinuierlich gesunken. Gab es etwa im Jahr 1960 noch 9,4 Eheschließungen pro 1 000 Einwohner, sank die Zahl bis 1970 auf 7,4 und 1980 auf 6,3. Im Jahr 2006 gab es sogar nur noch 4,5 Eheschließungen pro 1 000 Einwohner. Doch nicht nur die absoluten Zahlen an Hochzeiten verringern die Wahrscheinlichkeit, dass Paare ihre Goldene Hochzeit feiern können. Auch die Scheidungsraten verschlechtern die Chancen auf dieses Jubiläum. Das Statistische Bundesamt belegt, dass die Zahlder Ehescheidungen von 1992 bis 2003 beständig gestiegen ist. Ausnahme ist das Jahr 1999, in dem die Zahl um ein Geringes zurückging. Wurden 1992 noch 135 000 Ehen geschieden, waren es 2003 schon 214 000 geschiedene Ehen. Zwar ist die Zahl der Ehescheidungen in den letzten Jahren wieder zurückgegangen, doch sind es immer noch wesentlich mehr als 1992. In jenem Jahr wurden von 1 000 bestehenden Ehen sieben geschieden, 2006 waren es zehn, während es zwischen 2002 und 2005 noch elf waren. Scheidungen sind demnach häufiger als noch vor 15 Jahren und finden meistens zwischen dem vierten und achten Ehejahr statt. Die Zahlen verraten außerdem, dass man in Deutschland mittlerweile davon ausgehen muss, dass jede dritte Ehe früher oder später geschieden wird. Zu den hohen Scheidungsraten kommt zusätzlich noch das Phänomen, dass Männer wie Frauen heute später, also in einem höheren Alter, heiraten als früher. Während etwa die Frauen 1985 noch mit im Schnitt 26,7 Jahren heirateten, stieg das weibliche Heiratsalter bis 2005 auf 33,3 Jahre an. Auch die Männer, die 1985 noch mit 29,8 Jahren heirateten, traten 2005 erst mit 36,5 Jahren vor den Altar.

Und doch: Die Goldene Hochzeit ist möglich

Manfred (71) und Angela (68) haben es geschafft: Nach 50 gemeinsamen Ehejahren feiern sie ihre Goldene Hochzeit mit einem großen Familienfest. Sie lernten sich jung kennen und lieben. Bereits mit 18 bzw. 21 Jahren gaben sie sich in Koblenz das Ja-Wort. Ihr Leben war geprägt vom Reisen. Manfred war früher als Ingenieur tätig und seine Aufträge für große deutsche Firmen erstreckten sich über den gesamten Globus. "Wir sind uns in einem Kaufhaus in Koblenz zum ersten Mal über den Weg gelaufen", erzählt Angela. "Es war Liebe auf den ersten Blick", steuert Manfred bei. Beide sehen sich an, lächeln und drücken sich die Hände. Sie wirken glücklich, scheinen auch nach 50 Jahren Ehe immer noch verliebt zu sein. 30 Jahre lang waren sie alle drei bis fünf Jahre in einem anderen Land Zuhause. "So ein Leben braucht einen starken Zusammenhalt und ein großes Stück Vertrauen. Ich bin ja quasi mein halbes Leben lang nur meinem Mann und dessen Beruf gefolgt", sagt Angela. "Das war für mich aber genau das Richtige, ich möchte diese Zeit um nichts auf der Welt missen." Mittlerweile ist Angela in Köln sesshaft geworden, während ihr Mann noch viel unterwegs ist - inzwischen aber meistens privat. Ihr Sohn Johannes (40) ist mit 18 Jahren in Südafrika geblieben, wo er seine jetztige Frau kennenlernte. "Wir hatten viel Zeit nur für uns beide", erzählt Manfred. "Unser Sohn ist bald nicht mehr mit uns gereist, so dass wir früh von den Eltern wieder zum Paar wurden." Wir mussten immer viel über unsere Beziehung sprechen, um herauszufinden, ob wir am jeweiligen Ort und in der dortigen Situation auch beide glücklich und zufrieden sind", meint Manfred. "Es war zwar nicht immer einfach, aber es herrschte stets gegenseitiges Verständnis, großes Vertrauen und eine tiefe Zuneigung. Das wichtigste für unsere Beziehung waren die regelmäßigen Gespräche. Jeder wusste immer, wie es im Leben des anderen gerade aussieht, wie er sich fühlt und was ihn bewegt", sagt Angela. Jetzt kommt ihr Sohn samt Frau und den zwei Enkeln extra für die Goldene Hochzeit nach Köln. Auch Geschwister, Neffen, Nichten und deren Kinder werden mit dem Paar feiern. Der Sohn hält eine Rede, die Enkelkinder möchten etwas vortragen. Manfred und Angela sind nicht nur stolz auf ihren Sohn und ihre Enkel, sondern auch auf sich und ihre Beziehung. "Wenn man sich anschaut, wie viele Ehen jedes Jahr geschieden werden, kann man schon stolz sein. Natürlich hatten wir auch Glück miteinander, aber immerhin steckt hinter einer so langen Beziehung auch ein ganzes Stück Arbeit."

Autorin: Anne Bartel, Platinnetz-Redaktion