Zunächst einmal muss vielleicht klar gestellt werden, dass eine wirkliche Beziehung nur gegeben ist, wenn es auch eine gegenseitige Einflussnahme gibt. Ohne Wirkung der Partner aufeinander hat eine Partnerschaft keine Bedeutung. Das heißt, Einfluss ist nicht grundsätzlich negativ zu sehen. Grundlage einer für beide glücklichen Partnerschaft, ist das Gefühl, aufeinander in gleicher Weise angewiesen zu sein und eine ausgeglichene Beziehung zu führen.

Verschiedene Machtfaktoren in einer Beziehung

Der abstrakte Begriff „Macht“ wird greifbarer, wenn man sich konkrete Formen von Macht vorstellt. Diese verschiedenen Arten von Macht können dann noch unterschiedlich eingesetzt werden. Wobei es dem Einzelnen gar nicht unbedingt bewusst sein muss, dass er oder sie gerade Macht ausübt. Die genannten Faktoren müssen aber nicht zwingend ein Ungleichgewicht in der Beziehung darstellen.

Ungleiche Einkommensverteilung

Eine ungleiche Höhe des Einkommens kann zu unterschiedlicher Machtverteilung führen.

  • Entscheidungsgewalt über gemeinsames Geld ist ungleich verteilt.
  • Egoistische Investitionsentscheidungen, die dazu führen, dass nur eine Person, nicht aber das Paar, von Anschaffungen profitiert.

Manipulatives Verhalten 

  • Geschenke können gezielt eingesetzt werden, um Macht zu demonstrieren. (Das hat natürlich nichts mit reinen Liebesgeschenken zu tun!)
  • Zuneigung und/oder Sex werden nur zielgerichtet „eingesetzt“, das heißt gewährt oder entzogen.
  • Kritik kann genauso wie das Lob auch zielgerichtet geäußert werden. Das heißt, sie wird nicht um einer Sache willen geäußert, sondern nur um ihrer selbst willen. Der Kritisierende wartet womöglich auch noch auf den „passenden“ Zeitpunkt, zu dem er besonders viel Schaden mit seiner Kritik anrichten kann.

Beeinflussung von Verhalten und Meinungen

  • Wissen und Information, die nur einem Partner zur Verfügung stehen, zum Beispiel durch einen unterschiedlichen Bildungsgrad oder Intelligenz, können zu einem unausgeglichenen Machtverhältnis führen.
  • Einseitige Identifikation mit dem Partner: Das kann dazu führen, dass es keine unterschiedlichen Meinungen mehr gibt. Es kommt zu keinen Diskussionen, weil nur die Meinung des Einen zählt und der Andere immer sofort zustimmt.

Folgen ungleicher Machtverteilung für die Beziehung

Die gravierende Folge einer unausgewogenen Beziehung ist die Unzufriedenheit. Auf Dauer ist die Beziehung für den Partner, der sich unterlegen fühlt, äußerst frustrierend. Nach einer Studie wünschen sich 95% der Frauen und 87% der Männer eine Beziehung, in der Gleichberechtigung herrscht. Dieses Ergebnis spricht für sich. Langfristig endet nämlich eine Partnerschaft, in der die Machtverteilung zu einseitig ist, häufig mit einer Trennung. Es sollte also im Interesse beider Partner sein, für eine Ausgewogenheit in der Beziehung zu sorgen. Nicht jeder kann alles gleich gut und oft ist eine Partnerschaft auch deshalb befriedigend, weil sich die Partner gegenseitig wunderbar ergänzen. Wichtig ist es, sich über unterschiedliche Kompetenzen auszutauschen. Denn wenn einer der Partner der bessere „Innenarchitekt“, „Modedesigner“ oder „Koch“ ist, sollte es ganz natürlich sein, dass seine Meinung in den Bereichen mehr zählt. Das sollte kein Problem sein, wenn darüber geredet wird und beide Partner ihre Kompetenzbereiche haben. Im Übrigen kann es auch sehr angenehm sein, zu wissen, dass man sich in einem Gebiet, von dem man gar keine Ahnung hat, immer auf den Partner verlassen kann.

Autorin: Dorothee Ragg, Platinnetz-Redaktion