Viele Menschen in einer Beziehung nehmen es als selbstverständlich an, dass ihre Partner bzw. ihre Partnerinnen treu sind. Umgekehrt nehmen es die Partnerinnen oder die Partner von ihnen an.  Das Vertrauen ist somit gegeben, ohne dass sich die Partner bewusst Gedanken darüber machen. Meistens ist dies aber nur dann der Fall, wenn beide Partner zuvor keine schlechten Erfahrungen gemacht haben, in dem sie hintergangen worden sind. Eine schlechte Erfahrung reicht aus, um Misstrauen hervorzurufen, wodurch das Gleichgewicht aus den Fugen gerät und wodurch die Partnerschaft zerstört werden kann.

Wie aus Vertrauen Misstrauen wird

Bei einem Vertrauensmissbrauch ist die Enttäuschung, die mit sehr viel Schmerz verbunden sein kann, Ausgangspunkt für Misstrauen. Ein Mensch, der schon einmal von einem anderen Menschen betrogen wurde, entwickelt Misstrauen aus Angst, noch einmal enttäuscht zu werden. Diese Angst vor weiteren schmerzhaften Enttäuschungen führt zu einer feindseligen Haltung gegenüber anderen. Es ist ein Schutzschild, das vor weiteren schlimmen Enttäuschungen bewahren soll. Misstrauische Menschen denken nach dem Motto: Wenn man mit dem Schlimmsten rechnet, kann man nicht enttäuscht werden.

Vertrauen wird zu Misstrauen und kann zu krankhafter Eifersucht führen. Eifersucht entsteht meist dadurch, dass man die Fehler bei sich selbst sucht oder Angst hat, die Liebe des Partners bzw. der Partnerin zu verlieren. Starke Eifersucht ist somit das Ergebnis von geringem Selbstvertrauen. Dabei muss nicht immer eine schlechte Erfahrung der Ausgangspunkt sein. Es ist kein Zufall, dass in dem Wort Selbstvertrauen das Wort "Vertrauen" steckt. Selbstvertrauen ist das Vertrauen in sich selbst und seine Fähigkeiten. Vertraut man sich selbst, dann glaubt man an seine Fähigkeiten, mit zukünftigen Problemen umgehen zu können. Selbstvertrauen ist das Vertrauen, sein Leben zu meistern, egal was auch kommen mag. Mit dieser Überzeugung, mit Problemen fertig zu werden, braucht man auch keine Angst davor zu haben, anderen zu vertrauen. In diesem Fall kann man seinem Partner bzw. seiner Partnerin Gutes "unterstellen".

Es gibt aber auch eine normale bzw. leichte und für die Beziehung gesunde Eifersucht. Solche Gefühle von Eifersucht können ein Ansporn sein, sich wieder mehr um den Partner bzw. die Partnerin zu bemühen, weil man bemerkt, wie wichtig er oder sie für einen ist. Man sollte es allerdings nicht übertreiben, der Partner könnte sich sonst bedrängt fühlen und man erreicht genau das, was man eigentlich vermeiden will.

Vertrauen ist unabdingbar

Eifersucht wird dann zum Problem, wenn das Vertrauen zum Partner nicht mehr da ist. Wurde ein Mensch in einer früheren Beziehung von seinem Partner betrogen, ist es wichtig, das Vertrauen in eine neue Beziehung, das heißt zum neuen Partner, wieder aufzubauen. Auch ohne schlechte Erfahrung kann es zu einer krankhaften Eifersucht kommen, aus Angst, seinen Partner verlieren zu können. In beiden Fällen ist Vertrauen wichtig, denn ewiger Verdacht und Anschuldigungen, die unbegründet sind, können eine Beziehung auf Dauer zerreißen. Damit es nicht so weit kommt, muss der Eifersüchtige bzw. die Eifersüchtige Verantwortung für die Eifersucht übernehmen. Das bedeutet, der Eifersüchtige muss erkennen, dass er selbst sich eifersüchtig macht und nicht der Partner oder vermeintliche Konkurrenten. Einsicht ist der erste Weg zur Besserung und so bedeutet dies, dass auch nur der Eifersüchtige selbst etwas gegen die Eifersucht tun kann. Dazu gehört auch, sich selbst mehr mögen und akzeptieren zu lernen. Je mehr man sich mag, umso mehr glaubt man auch Anderen, wenn sie sagen, dass sie einen mögen bzw. lieben.

Autor: Marcel Exner, Platinnetz-Redaktion