"Es gibt für jeden Topf einen Deckel." So oder so ähnlich, kennt wohl jeder das Sprichwort. Wenn es stimmt, dann haben viele ihren Partner oder ihre Partnerin einfach noch nicht gefunden. Manche behaupten wiederum, glücklicher Single zu sein und deshalb auf eine Beziehung zu verzichten. Wenn Menschen keine Partnerschaft eingehen wollen oder jede Beziehung schnell beenden, ist schnell davon die Rede, dass sie beziehungsunfähig sind.

Beziehungsunfähig oder Bindungsangst?

Oft sind Menschen jedoch nicht beziehungsunfähig, sondern leiden einfach an einer Beziehungsangst. Dafür gibt es viele Gründe. Zum Beispiel gibt es Menschen, die sehr schüchtern sind und ein geringes Selbstwertgefühl haben. Das Problem kann auch in der Kindheit der Betroffenen liegen: Haben die Eltern ihnen eine unglückliche Beziehung vorgelebt, haben sie Angst, dass auch sie in einer solchen Beziehung leben. Wenn Menschen bereits in ihrer Kindheit durch Tod oder Scheidung die Mutter verlieren, kann jede emotionale Bindung unterbewusst mit Schmerzen verbunden sein. Diese Menschen behaupten dann später von sich, beziehungsunfähig zu sein.

Aus ähnlichen Gründen sind schlechte Erfahrungen in vergangenen Beziehungen ein Grund. Wurde man verletzt, geht man aus Angst, wieder verletzt zu werden, keine neue Partnerschaft ein und gilt ebenfalls als beziehungsunfähig. Ein weiteres Problem ist, dass sich Menschen in einer Partnerschaft in ihrer Selbständigkeit bedroht fühlen.

Doch Beziehungsangst bedeutet keinesfalls, dass man beziehungsunfähig ist. Mit ein bisschen Geduld können die Partner dabei helfen, Angst zu überwinden. Lebt man in einer Partnerschaft mit einem Menschen, der schon in vielen Beziehungen gelebt hat, ist einfühlsames Verhalten sehr wichtig. Damit sich der Partner nicht eingeengt fühlt, sollte man Freiräume lassen. Das Gefühl der Selbstständigkeit bekommt der Partner am besten, in dem man seine eigene Selbstständigkeit erhält. Zum Beispiel dadurch, dass man Freunde alleine trifft und mit ihnen ausgeht.

Wer beziehungsunfähig ist, hat ein Problem

Ist jemand beziehungsunfähig, liegt dies oft schon in seiner Erziehung begründet. Denn besonders häufig sind es egoistische Menschen, die beziehungsunfähig sind. Sie sind zu keinem Kompromiss bereit und können einen anderen Menschen meist gar nicht wirklich lieben. Oft ist dieses Problem in der Kindheit und der Beziehung zu den Eltern begründet. Denn wenn ein Kind zu wenig elterliche Fürsorge erlebt, lernt es nicht zu lieben. Beziehungsunfähige Menschen suchen zwar nach Liebe, doch werden sie von den Partnern immer enttäuscht, weil ihre Vorstellung von Liebe so groß und unerfüllbar ist, dass sie die Partner auf der Suche nach mehr Liebe ständig wechseln. Deshalb ist ein erstes Anzeichen dafür, dass jemand beziehungsunfähig ist auch, dass er oft wechselnde Sexualpartner hat. Ein Mensch, der beziehungsunfähig ist, hat das Problem, dass er immer auf der Suche nach Liebe und Glück ist, beides aber nirgendwo findet.

Gilt man als beziehungsunfähig, ist es so gut wie unmöglich, sich zu ändern. Denn die Liebe der Eltern lässt sich nicht nachholen oder ersetzen - egal bei wie vielen Partnern man danach sucht. Für einen normalen Menschen ist es daher sehr schwierig, jemanden der beziehungsunfähig ist, heilen zu wollen. Viele verzweifeln schließlich bei dem vergeblichen Versuch, der sehr viel Kraft und Verständnis fordert und häufig mit Verletzung und Enttäuschung endet.

Autor: Marcel Exner, Platinnetz-Redaktion