Die Kommunikation bei Kontaktbörsen oder Netzwerken ist nicht immer einfach. Man trifft auf fremde Menschen, die man persönlich zwar nicht kennt, trotzdem weiß, welches Hobby sie haben, in welcher Stadt sie wohnen oder was ihr Lieblingssport ist. Eventuell sieht man ein Foto auf dem jeweiligen Profil, weiß jedoch nichts darüber wie aktuell es ist oder ob es tatsächlich die jeweilige Person zeigt. Ob man ein Mitglied interessant findet, liegt daran, ob einem die angegebenen Informationen zusagen. Hat man jemanden gefunden, bei dem das der Fall ist, muss man es irgendwie schaffen, Kontakt aufzunehmen, wenn man die Person hinter dem Profil kennenlernen möchte.

Das erste Kennenlernen bei Kontaktbörsen

Ein Grund, warum die Partnersuche über Kontaktbörsen so beliebt ist, ist der Faktor der Anonymität. Man kann selbst entscheiden wie viel man den anderen von sich preis geben möchte. Es besteht durchaus die Möglichkeit, zunächst anonym zu bleiben und erst einmal auszutesten, wer einem wirklich gefällt, bevor man telefoniert oder sich sogar verabredet. Dieser erste Kontakt läuft in der Regel über Nachrichten, die man sich über die Plattform der Kontaktbörsen hin und her schicken kann. Oft gibt es zudem noch andere Möglichkeiten, wie Grußkarten oder Geschenke, um dem anderen ein paar Zeilen zu schreiben. So gibt man dem anderen die Möglichkeit, sich nach dem ersten Gruß von einem Unbekannten, erst einmal das Profil des Grüßenden anzuschauen. So kann man herausfinden, ob man den anderen auch sympathisch findet oder nicht. Wenn ja, kann man ihm antworten, wenn nicht, dann ignoriert man den Gruß einfach. So gerät niemand in eine peinliche Situation oder einen Erklärungsnotstand. Kontaktbörsen bieten in diesem Sinne etwas Ähnliches wie die früher üblichen Kontaktanzeigen in der Zeitung, bei der in der Regel eine Chiffre Nummer angegeben war, so dass man als Suchender anonym bleiben konnte. Man wartete die Antworten per Post ab und konnte nur die kontaktieren, die man interessant findet. Der unschlagbare Vorteil der Kontaktbörsen im Internet gegenüber den Zeitungs-Anzeigen sind natürlich die verkürzten Kommunikationswege. Online sind Antworten viel schneller hin und her geschickt als per Post. Und diese Möglichkeit der mehr oder weniger anonymen Kommunikation nutzen die Mitglieder auch, um sich zunächst erst mal ein bisschen "beschnuppern" zu können. Dr. Jeff Gavin vom Psychologischen Institut der Universität Bath in England hat in einer Umfrage herausgefunden, dass 78 Prozent der Partnersuchenden auf Kontaktbörsen zwischen einer Woche und einem Monat miteinander kommunizieren, bevor sie sich zum ersten Mal persönlich treffen. Lediglich sieben Prozent sehen sich innerhalb der ersten Woche, 15 Prozent warten länger als einen Monat bis zum ersten Treffen. In der Regel hat ein suchender Single also eine Woche bis einen Monat Zeit, um ein anderes Mitglied, das er sympathisch findet, von sich zu überzeugen. Doch welche Art der Kommunikation eignet sich da am besten?

Kommunikationswege bei Kontaktbörsen

Die Umfrage von Gavin ergab, dass 99 Prozent aller Befragten den ersten Kontakt über E-Mails oder private Nachrichten herstellen. 90 Prozent führten den Kontakt später mit SMS fort, 75 Prozent über den Online-Chat. Wichtig ist auch der schnelle Austausch von Fotos, hat man das Gegenüber erst einmal für potentiell interessant befunden - bei 73 Prozent fand ein reger Foto-Austausch statt. Neben der Kommunikation per E-Mail stuften 59 Prozent auch das Kennenlernen per Telefon als sehr wichtig ein. Denn die Stimme und die Art des Sprechens zu hören, liefert schon wesentlich mehr Informationen über den anderen als der bloße Schreib-Kontakt über die Kontaktbörsen.

Deutlich wurde vor allen Dingen, das ein schnell hergestellter Bezug zur "realen Welt" für eine Intensivierung des Kontakts sorgt. Schreibt man sich etwa Postkarten oder telefoniert miteinander, verrät man sich gegenseitig die privaten Adressen und Telefonnummern. Das schafft ein größeres Vertrauen und Nähe als wenn man lediglich über die Anonymität bietenden Kontaktbörsen kommuniziert. Und ein sich aufbauendes und stärker werdendes Vertrauen ist der beste Garant dafür, dass man es bis zum persönlichen Treffen schafft. Denn nur wenn jeder der beiden sich wohl und sicher im Kontakt mit dem anderen fühlt, wird er den letzten Schritt aus der Anonymität wagen und sich dem anderen präsentieren.

Wer auf Kontaktbörsen unterwegs ist, braucht also eine gesunde Mischung zwischen Skepsis und Mut. Denn nicht alle Angaben auf einem Profil sollte man vorbehaltlos Glauben schenken. Aber die Chance, auf einen interessanten Menschen zu treffen, der ehrliches Interesse hat, ist sehr groß. Und deshalb darf man im entscheidenden Moment nicht zu schüchtern sein, sondern muss sich auch mal trauen, den ersten Schritt zu wagen.

Autorin: Anne Bartel, Platinnetz-Redaktion