Im Laufe ihres Lebens findet aber eine gewisse Abnabelung von zu Hause und gleichzeitig auch ihrem Glauben statt. Schließlich tritt sie mit Anfang dreißig aus der katholischen Kirche aus und lehnt erst einmal jeglichen Einfluss einer Religion ab. Doch sie stellt fest, dass ihr etwas fehlt: "Vorher war Gott für mich ein fester Bestandteil meines Lebens. Ich fühlte mich irgendwie geborgen, auch wenn ich oft meine Schwierigkeiten mit der Kirche hatte. Mit dem Austritt habe ich zwar nicht aufgehört, an die Existenz einer höheren Macht zu glauben, aber ich gehörte ja nirgendwo mehr richtig dazu. Schließlich habe ich mich mit verschiedenen Religionen beschäftigt, eine Freundin hat mich zum Beispiel einmal zu einer so genannten Erlösersekte mitgenommen. Aber das war mir alles zu seltsam und passte nicht zu mir. Über das Internet habe ich dann angefangen, mich mit dem Buddhismus auseinanderzusetzen. Ich würde mich nicht als Buddhistin bezeichnen, aber es gibt Elemente, die mir auf jeden Fall gefallen und auch gut tun. Trotzdem habe ich wieder angefangen ab und zu in die Kirche zu gehen, weil mir das total gefehlt hat. Ich weiß noch nicht, wie es weitergehen wird, aber die Suche nach dem Sinn in meinem Leben, wird immer bedeutend für mich sein."

Merkmale des Buddhismus

Nicht nur Rosi auch viele Prominente wenden sich weltweit dem Buddhismus zu. In Deutschland geht man von circa 250.000 Anhängern des Buddhismus aus. So mancher sieht allerdings in der zunehmenden Beliebtheit des Buddhismus eine Modeerscheinung. Menschen des öffentlichen Lebens, wie etwa Sharon Stone, Madonna und Richard Gere, die sich dem Buddhismus zuwenden, tragen sicher zu einer gestiegenen Salonfähigkeit des Buddhismus bei. Wer sich bisher noch nicht eingehender damit beschäftigt hat, wird sich wahrscheinlich fragen, wo der Buddhismus seinen Ursprung hat und welche besonderen Merkmale ihn kennzeichnen.

Vor ungefähr 2500 Jahren entsteht in Indien der Buddhismus aus dem Hinduismus. Traditionell ist der Glaube vor allem in Tibet, Thailand, Korea, China und Japan verbreitet. Als Gründer des Buddhismus gilt der indische Prinz Siddharta Gautama, der im sechsten Jahrhundert vor Christus lebt. Ihm ergeht es ähnlich wie vielen der heutigen Sinnsucher der westlichen Welt: Eigentlich wächst er privilegiert auf und kennt keinen materiellen Mangel, doch trotzdem fehlt ihm etwas im Leben. Mit 29 Jahren verlässt er sein gewohntes Umfeld und geht auf Reisen. Zum ersten Mal wird er mit Armut, Krankheit und Leid der Menschen konfrontiert und wird schließlich Mönch, um in Ruhe herausfinden zu können, wo das Leid seinen Ursprung hat. Als Erkenntnis formuliert er schließlich die "Vier edlen Wahrheiten" und verbreitet sie auf weiteren Wanderungen. Die Menschen nennen ihn von nun Buddha (den Erleuchteten) und folgen seinen Ideen. Im Unterschied zum Christentum gibt es im Buddhismus keinen Gott, sondern der Mensch ist dazu aufgefordert, sich selbst zu erlösen, indem er den Weisheiten Siddhartas folgt. Große Bedeutung wird dabei den von Siddharta formulierten vier Wahrheiten beigemessen:

Die Wahrheit vom Leiden

Zu Leben bedeutet zu leiden und das Glück ist vergänglich.

Die Wahrheit von der Entstehung des Leidens:

Die Menschen möchten mehr besitzen, als sie haben.

Die Wahrheit von der Aufhebung des Leidens:

Das Leiden hört auf, wenn es keine Gier mehr gibt.

Die Wahrheit vom Weg, der zur Aufhebung des Leidens führt:

Das Mittel zur Befreiung vom Leiden ist der achtfache Pfad.

Wenn ein Mensch sich zeitlebens nicht von allen Wünschen lösen kann, wird er nach buddhistischer Auffassung wiedergeboren, da die Seele nicht zur Ruhe gekommen ist. Nur wer ganz wunschlos ist, findet das Glück, ist frei für ein empathisches Empfinden und imstande das Nirwana zu erreichen. Wer das Nirwana erreicht hat, ist aus dem Kreislauf der Wiedergeburt befreit und hat damit das höchste Ziel erreicht.

Die Suche nach dem Sinn

Auffällig viele Menschen machen sich in unserer heutigen Gesellschaft auf die Suche nach dem Sinn des Lebens. Eine der Ursachen ist sicherlich die abnehmende Bedeutung der Religion im Alltag. Viele wachsen heute ohne den Bezug zu irgendeiner Religion auf. Die Suche nach dem Sinn des Lebens füllt dann bei einigen eine Lücke, die früher aufgrund der Zugehörigkeit zu einer Religion nicht vorhanden war. Hinzu kommt ein stetig wachsender Anspruch an das Leben und das Bedürfnis glücklich zu sein, das für immer mehr Menschen im Mittelpunkt steht. Die Suche nach dem Glück beinhaltet bei vielen Menschen auch die Suche nach einer tiefergehenden Wahrheit. Letztendlich ist die Entscheidung, ob und wenn ja welcher Religion man zugehörig sein möchte, eine äußerst private und individuelle. Niemand kann einem raten oder bei der Suche wirklich helfen und das Urteilen oder sogar Verurteilen einer getroffenen Entscheidung steht auch keinem zu. Menschen, die ihren Weg gefunden haben, können insofern ein Vorbild für die Suchenden sein, dass es möglich ist, einen individuellen Weg der Erkenntnis zu finden.

Autorin: Dorothee Ragg, Platinnetz-Redaktion