Ohne Zweifel: Es ist schwer eine Schlappe hinzunehmen. Das musste auch Wolfgang (65) kürzlich erfahren. Vor drei Monaten hatte er Marianne (62) in einem Internetportal kennen gelernt. Nach vielen, intensiven Mails und einigen Telefonaten beschlossen beide sich zu treffen. Auch wenn Wolfgang sich in letzter Zeit immer mal wieder mit Frauen verabredet hatte – dieses Treffen bedeutete ihm besonders viel. Marianne hatte es ihm angetan; er teilte ihre Ansichten über die Welt, mochte ihren Humor, ihre Stimme und auch das Foto, das sie ihm gemailt hatte. Er wollte alles richtig machen und bereitete sich gut auf ihre Verabredung vor. Er ging zum Friseur, sorgfältig wählte er seine Garderobe aus, nicht zu leger, nicht zu elegant. Marianne war zwar eine sportliche Frau, aber wer weiß, wie sie sich zu einer abendlichen Verabredung kleidete. Er wollte nichts dem Zufall überlassen. Aufmerksam las er die Zeitung und machte sich Notizen, welche Themen sich als Gesprächsinhalte anbieten würden. Marianne ist schließlich eine gebildete Frau, und er wollte bloß keine peinliche Stille aufkommen lassen.

Der Abend verlief eigentlich auch ganz nett, wie Wolfgang fand. Dennoch blieb es bei diesem einen Treffen – trotz aller Vorbereitungen. Auf seine Frage, wann sie sich wieder sehen würden, antwortete Marianne erst ausweichend. Als er hartnäckig blieb, rückte sie schließlich mit der Sprache heraus: Er solle es nicht persönlich nehmen, aber sie wolle ihn nicht noch einmal treffen. Ihre Worte ließen Wolfgang enttäuscht zurück. Seit Tagen hatte er diesem Date entgegen gefiebert. Auch wenn er sich selbst immer wieder ermahnte, seine Hoffnungen zu bremsen: Er musste sich eingestehen, dass sein Traum von der Beziehung wieder einmal wie ein Seifenblase zerplatzt war.

Fehlendes Feedback verstärkt die Verunsicherung

Enttäuschungen zu erleben bleibt leider niemandem erspart. Das macht sie nicht weniger schmerzhaft. Je höher die Erwartungen, desto tiefer ist der anschließende Fall in Tiefe. Das, was sich im Berufsleben mittlerweile etabliert hat, würde auch vielen Menschen im Privatbereich weiterhelfen: Ein ehrliches Feedbackgespräch. Doch zwischen wenig vertrauten Personen ist ein offenes Wort nicht üblich. Zu groß ist die Unsicherheit, ob der andere die Wahrheit auch hören möchte oder die Angst, ihn zu verletzen. Auch wenn diese Gründe nachvollziehbar sind: Sie hinterlassen das Gegenüber ratlos. Und innere Unsicherheit öffnet die Türen für wilde Spekulationen, Selbstzweifel und Selbstvorwürfe.

Gehen Sie nach Enttäuschungen nicht zu hart mit sich ins Gericht

Sich und sein Verhalten zu reflektieren ist sinnvoll und hilft begangene Fehler in Zukunft zu vermeiden. Dennoch sollten sie nicht zu hart über sich selbst richten, denn das schafft unnötigen Druck. Statt sich mit Selbstvorwürfen und Selbstzweifel zu quälen, sollten Sie nachsichtig mit sich sein. Eine Verabredung ist immer eine stressige Situation, in der Fehler passieren können – und zwar von beiden Seiten. Und machen Sie sich bewusst: Nicht alle Entscheidungen haben unmittelbar mit Ihrer Person zu tun und sollten als Kritik gedeutet werden. Vielleicht hatten Sie auch einfach nur das Pech, dass Sie dem verflossenen Ex-Partner ähnlich sehen, unwillentlich eine negative Assoziation ausgelöst haben oder die Chemie einfach nicht stimmte. Ablehnung durch eine andere Person sagt nichts über Ihren Wert als Mensch, sondern viel mehr etwas über den anderen aus: Er hatte Erwartungen, die nicht erfüllt wurden. Wichtig ist, dass Sie nach der Enttäuschung wieder zu sich selbst finden – und zu Ihren Stärken!

Lassen Sie sich von Enttäuschungen nicht entmutigen

Sich nach einem Sturz wieder aufzurappeln und weiterzumachen, ist die große Herausforderung. Wer sich jetzt in sein Schneckenhaus zurückzieht, wird seinem Traum von einer Partnerschaft kein Stückchen näher kommen. Reden Sie sich bloß nicht ein, Sie seien nicht liebenswert oder Ihnen fehle das gewisse Etwas! Denn sobald Sie dieses Selbstbild verinnerlicht haben, werden Sie das auch ausstrahlen. Drosseln Sie allzu große Hoffnungen vor der nächsten Verabredung ruhig ein wenig, aber hüten Sie sich davor, sich einzureden, dass das Date sowieso ein Fiasko wird. Es gibt keine Verlierer-Typen, es sei denn, man redet es sich so lange ein, bis sich die eigene Prophezeiung selbst erfüllt.

Autorin: Kerstin Brenig, Platinnetz-Redaktion