Beste Freundinnen für immer. Diesen Satz spricht man spätestens in der Pubertät aus. In dieser Zeit wird die beste Freundin zum ersten Mal wichtiger als alle anderen. Sie hat den gleichen Humor, trägt die gleichen Klamotten, hat die gleiche Handschrift und hört die gleiche Musik. Mit ihr kann man über Jungs lästern oder für den Einen schwärmen. Ihr kann man alles erzählen, teilt mit ihr jede Freude, jeden Kummer, jeden Ärger. Kichert ständig über alles. Telefoniert stundenlang obwohl man sich in der Schule ja auch schon stundenlang gesehen hat. „Du bist wie ich, nur anders“ resümieren Barbara Werner und Stefanie Dracker in ihrem gleichnamigen Buch über Mädchen- und Frauenfreundschaften und treffen damit den Kern der Sache. Mit der besten Freundin kann man das ganze Leben teilen, ohne dass es anstrengend wäre. Zwar verändern sich die Dinge, die man gemeinsam tut, im Lauf der Jahre. Die enge Verbindung der Seelen bleibt jedoch bestehen und wächst mit jeder gemeinsam durchlittenen Krise und jeder geteilten Freude.

Die beste Freundin – wichtiger als der Partner

Eine repräsentative Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung e.V. ergab, dass 92 Prozent der befragten 1000 Frauen nicht auf ihre beste Freundin verzichten können. Ein Leben ohne Sex können sich dagegen 84 Prozent vorstellen. Auf den Lebenspartner wollen 91 Prozent der Befragten nicht verzichten. Er rangiert damit gleich hinter der besten Freundin. Aber eben hinter ihr. Das klingt im ersten Moment unglaublich. Was macht diese Beziehung so besonders? Und kann man wirklich in unserer schnelllebigen Zeit eine beste Freundin für immer haben? Worauf kommt es dabei an? Kurz gesagt darauf, regelmäßigen Kontakt zu halten und gemeinsame Erlebnisse zu sammeln. Negative Gefühle zu thematisieren, wenn sie aufkommen und der Freundin ein Stück Freiraum zu lassen.

Auch die beste Freundschaft erhält sich nicht von selbst. Genau wie in einer Paar-Beziehung muss man auch mit der besten Freundin an der Freundschaft arbeiten und immer wieder gemeinsame Momente schaffen. Viele Freundschaften zerbrechen spätestens in der Zeit der Familiengründung und erst wenn die Kinder aus dem Haus sind, besinnt man sich wieder neu auf seine alten Freunde.

In der Zeit der Familiengründung entwickeln sich Alltag von Mutter und Single-Freundin in ganz unterschiedliche Richtungen. Ist ein Baby da, fehlt plötzlich die Zeit, die mit der Freundin verbracht werden kann. Der Alltag mit Kindern muss geregelt werden und dann ist da ja auch noch der Ehemann, der hin und wieder etwas Zeit mit seiner Frau verbringen möchte. Vielleicht kommt sogar noch ein Teilzeit-Job dazu. Stundenlange Telefongespräche mit der besten Freundin sind da zeitlich einfach nicht mehr machbar. Kaffeeklatsch wird zur Ausnahme und an den letzten gemeinsamen Kneipenabend kann man sich schon gar nicht mehr erinnern. Fehlen aber diese gemeinsamen Erlebnisse, entfremdet man sich voneinander. Man weiß nicht mehr automatisch, was die andere gerade denkt und fühlt. Die Freundschaft bekommt eine andere Qualität oder tröpfelt langsam aus. Kommen gar Neidgefühle hinzu, weil eine die Familie hat, die sich die andere vergeblich wünscht, oder eine erfolgreich ist und die andere nicht, wird es schwierig. Sind die Kinder dann erwachsen, bekommt die Freundschaft eine neue Chance, denn die Lebensweisen der Freundinnen gleichen sich wieder an. Jetzt ist wieder mehr Zeit für gemeinsame Erlebnisse und Telefonate. Vielleicht wird mit den Jahren aus dem Cocktail- und Kneipenabend ein gemütliches Treffen Zuhause bei einem guten Glas Wein. Entscheidend ist aber, dass man sich wieder trifft und die Muße für lange Gespräche hat. Möglich, dass man etwas aus der Übung ist, aber das kommt sicher schnell wieder. Es gibt doch so viel zu erzählen, wenn man die beste Freundin lange nicht gesehen hat! Im Gegensatz zu Männerfreundschaften leben Frauenfreundschaften von der Kommunikation. Zu wenig davon - aus welchen Gründen auch immer - bedeutet oft das Aus der Freundschaft. Sei es, weil die Familie keine Zeit lässt oder weil Ärger über die Freundin nicht ausgesprochen wird und sich  so lange anhäuft, bis es nicht mehr geht.

Die beste Freundin für immer behalten

Es fällt Frauen oft schwer, mit ihrer Freundin über Dinge zu reden, die sie verletzen, nerven oder ärgern. Während man kein Problem hat, sich täglich mit seinem Partner zu streiten, erscheint es fast unmöglich, der besten Freundin gegenüber ehrlich die Meinung zu sagen oder Dinge anzusprechen, die nicht in Ordnung sind. Während man darauf gefasst ist, sich mit seinem Partner zu streiten, erwarten Frauen von ihren Freundinnen totale Harmonie. Will man eine bedrohte Freundschaft retten, ist es aber unausweichlich nötig, sich mit den Punkten auseinander zu setzen, in denen die Harmonie gerade fehlt. Es ist wichtig, der Freundin einzugestehen, dass man sich zurückgesetzt fühlt, dass das scheinbare Desinteresse schmerzt und dass man die Freundin vermisst. Das ist echte Beziehungsarbeit und ebenso anstrengend wie in einer Liebesbeziehung. Aber nur wenn Probleme ausgesprochen werden, hat man eine Chance, sie gemeinsam zu lösen. Das gilt für alle Freundinnen in jedem Alter, egal, ob die Freundschaft seit 30 oder erst seit drei Jahren besteht. Einfach ist es nicht, schließlich will man die Freundin nicht verletzen. Aber es lohnt sich auf jeden Fall. Die Beziehung zur besten Freundin ist etwas ganz Besonderes. Sie ist durch Nähe, Achtung und Wärme geprägt und verträgt Stärken ebenso wie Schwächen. Die beste Freundin ist immer loyal und zuverlässig und da, wenn man sie braucht. Und selbst wenn man sich im Lauf des Lebens mal aus den Augen verliert, findet man sich meistens irgendwann wieder. So ist sie eben, die Freundschaft mit der einen, allerbesten Freundin.

Autorin: Elke Liermann, Platinnetz-Redaktion