Sie haben sicher auch schon einmal bemerkt: Wenn man ganz in einer Beschäftigung vertieft ist und von der Welt um sich herum nichts mitbekommt, stellt sich danach eine angenehme Zufriedenheit ein. Es ist eine Art Rausch, in dem man durch höchste Konzentration Befriedigung erlangt und Glück empfindet. Dieser Zustand wird von Glücksforschern "Flow" genannt. Im Forschungsbereich der sogenannten "positiven Psychologie" geht es darum, diese intensiven Momente der Zufriedenheit zu erforschen. Doch wie erreicht man diesen Zustand?

Wer sich Herausforderungen stellt, empfindet mehr Glück

Gezielt planen kann man den Flow leider nicht. Aber man kann sich selbst in Situationen versetzen, die ihn mit hoher Wahrscheinlichkeit herbeiführen. Dieses Gefühl von höchster Zufriedenheit kann entstehen, wenn man bei einer Tätigkeit zwar vor einer schwierigen Aufgabe steht, aber die nötigen Fähigkeiten besitzt, diese Herausforderung zu meistern. Wer im Zustand dieses Gleichgewichtes ist, empfindet Glück. Wenn die Anforderungen die eigenen Fähigkeiten allerdings überschreiten oder man von einer Aufgabe unterfordert und gelangweilt ist, dann kann kein Gefühl von Glück entstehen.

Für jeden ist es also eine ganz persönliche Sache, wie er den Zustand des Flow erreicht. Eine Beschäftigung, bei der schon viele Menschen in einen Flow geraten sind, ist das Skifahren. Wer eine Strecke fährt, die er noch nicht gut kennt, aber gleichzeitig die Technik beherrscht, um diese Schwierigkeitsstufe zu meistern, der empfindet beim Skifahren Glück. Skianfänger können diesen Flow bereits erleben, wenn sie es schaffen, ohne Sturz den Hügel hinab zu fahren. Wer schon jahrelang Ski fährt, der kann Glück auf einer Strecke empfinden, die mit steilen Abhängen und scharfen Kurven eine Herausforderung darstellt.

Ganz nach diesem Prinzip lassen sich in den unterschiedlichsten Bereichen diese Momente der tiefsten Zufriedenheit verspüren. Beim Malen, beim Musizieren oder beim Schach spielen kann man nach dem Flow-Prinzip Glück empfinden. Denn wer in einem Flow ist, der vergisst die Probleme um sich herum, versinkt in seiner eigenen Welt und erlangt schließlich Befriedigung dadurch, dass er eine für ihn angemessen schwierige Aufgabe gemeistert hat. Egal ob man in einem Bereich Experte ist, oder gerade erst damit anfängt und erste Schritte macht, in jedem Stadium kann man einen persönlichen Glückszustand erreichen. Wer schwierige Aufgaben angeht, die dem eigenen Können entsprechen, kann sein Glücksempfinden steigern.

Positive Psychologie – so steigert man das Gefühl von Glück

Der Forschungsbereich der positiven Psychologie hat neben dem Flow-Zustand noch eine weitere Methode entwickelt, mit der man das persönliche Glücksempfinden steigern kann. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass unsere Zufriedenheit im Leben davon gesteuert wird, wie wir etwas bewerten. Das zeigten Tests mit Patienten, die unter Depressionen leiden. Während es den Patienten der ersten Gruppe durch gezielte Förderung von positiven Eigenschaften besser ging, verbesserte sich an den depressiven Zuständen der Patienten aus der anderen Gruppe nichts, die ausgiebig über ihre negativen Gefühle sprachen.

Der Weg zu einem glücklicheren Leben kann also lauten: Grübeln Sie nicht andauernd über Ihre Schwächen nach, sondern freuen Sie sich an Ihren Stärken. Denken Sie nicht immer wieder an die negativen Aspekte Ihres Lebens, sondern machen sie sich positive Gedanken. Positive Psychologie fordert eine ausdrückliche Betonung der Dinge, die das Leben schöner machen. Eine Möglichkeit ist es zum Beispiel, sich am Ende eines Tages bewusst zu erinnern, was man Schönes erlebt hat. Zwar ist immer irgendetwas verbesserungswürdig und negative Erlebnisse sollten nicht unterdrückt oder verdrängt werden. Wer aber ständig an Missstände denkt, schadet sich selbst.  Der positive Effekt des alten Leitsatzes, man soll das Glas lieber als halb voll als halb leer betrachten, ist damit wissenschaftlich bewiesen. Wer auch negativen Ereignissen versucht etwas Positives abzugewinnen, geht mit mehr Zufriedenheit durchs Leben. 

Autorin: Julia Heilig, Platinnetz-Redaktion