Die meisten Stalker sind zurückgewiesene Partner oder Verehrer. Aber auch der Nachbar, ein völlig Unbekannter, Patienten, Klienten oder Ähnliche können zum Stalker werden. Die meisten von ihnen haben psychologische Probleme oder Störungen, jedoch ist Stalking selbst noch kein anerkanntes Krankheitsbild. Stalking wurde erst in den letzten Jahren der breiten Masse bekannt, etwa durch berühmte Fälle bei denen Prominente von Stalkern verfolgt wurden.

Stalker haben unterschiedliche Motivationen

Als der 19-jährige Robert John Bardo 1989 die Schauspielerin Rebecca Schaeffer an ihrer Wohnungstür in Los Angeles erschoss, begannen Experten erstmalig, das Phänomen Stalking zu erforschen. Gerade in Deutschland, aber auch weltweit wurde das Phänomen Stalking am 30.4.1993 der breiten Masse bekannt, als Günter Parche in einer Spielpause Monica Seles, die vermeintlich härteste Konkurrentin seines Wahnopfers Steffi Graf, niederstach.

Diese zwei Fälle wurden nicht nur populär, weil es sich hierbei um prominente Stalking-Opfer handelte, sondern auch, weil es zu tätlichen Angriffen seitens der Stalker kam. In den meisten Fällen von Stalking handelt es sich jedoch um sogenannte "leichtere Fälle", das bedeutet, dass körperliche Übergriffe in der Regel nicht vorkommen. Erste Studien zeigen, dass 97 Prozent der Stalker nicht tätlich werden, was die Angst und Bedrängnis der Betroffenen jedoch nicht schmälert.

Die Motivation der Stalker kann dabei unterschiedlich begründet sein. Meistens handelt es sich um zurückgewiesene Liebende, die aus einem Gefühl der Demütigung heraus handeln. Durch ihr Nachstellen und Auflauern wollen sie ihr Opfer zurückgewinnen oder bestrafen. Gerade Fans, die Prominente stalken, leiden oft unter einer Art Liebeswahn. Sie verfolgen den anderen Menschen in der Hoffnung auf eine zukünftige Liebesbeziehung. Dabei unterliegen sie einer völligen Fehlwahrnehmung der Gefühlslage dessen, den sie stalken. Hinzu kommt oft eine ungenügende Sozialkompetenz. Viele der Stalker wissen gar nicht, wie sie auf "normale" Art und Weise mit einem anderen Menschen in Kontakt treten können. Sie sind absolut unsicher und ungeübt im Umgang mit Mitmenschen und überschreiten deshalb immer wieder deren persönliche Grenzen. Eine weitere Motivation ist Rachsucht. Der unterliegen in der Regel Stalker, die unter einer gestörten Persönlichkeit leiden. Sie bilden sich fälschlicherweise ein, selbst das Opfer des Menschen zu sein, den sie stalken. Hier kann es sich etwa um Patienten von Ärzten, Klienten von Anwälten oder ähnliche Rollenverteilungen handeln. Diese Stalker ziehen Befriedigung aus ihrer Rache - aus der Angst und Hilflosigkeit ihrer Opfer. Außerdem gibt es auch Stalking-Fälle, die mit Begrifflichkeiten wie sie bereits genannt wurden, nicht zu erklären sind. Dabei werden Menschen zu Stalkern, die unter schweren psychischen Problemen leiden. Diese Art von Stalkern steht meist gar nicht in engen Kontakt mit dem Betroffenen, sondern stammt aus dessen weiterem Umfeld.

Die Betroffenen leiden unter der Verfolgung der Stalker, egal ob diese aus andauernden Anrufen, beharrlichen E-Mails oder tatsächlichem Auflauern besteht.

Was kann man gegen Stalker tun

Die Betroffenen fühlen sich vom Stalker bedrängt und sind oft verängstigt, auch wenn dieser sie nicht körperlich anzugreifen droht. Daraus resultiert oft Vermeidungsverhalten, Abkapselung, Kontrollverhalten und in der Folge Vereinsamung der Betroffenen. Sie versuchen, sich dem Stalker zu entziehen. So wie sich für den Stalker alles nur noch um sein Opfer dreht, fixiert dieses sich durch seine Ängste auch immer mehr auf den Stalker.

Betroffene sollten ihre Ängste nicht für sich behalten, sondern Freunden, Bekannten und Nachbarn davon erzählen, denn die Öffentlichkeit kann einen schützen. Generell sollten Betroffene schnell reagieren, denn Stalking wird zur Gewohnheit und von dem Stalker in der Regel nicht von selbst einfach irgendwann wieder eingestellt. In einem Infoblatt empfiehlt die Polizei Bremerhaven, dem Stalker nur einmal unmissverständlich klar zu machen, dass man jetzt und in Zukunft keinerlei Kontakt zu ihm will. Danach muss man ihn völlig ignorieren, denn etwaige Reaktionen, egal welcher Art, lassen ihn hoffen und sich wieder intensiver um einen bemühen. Sollte der Stalker sein Verhalten daraufhin nicht ändern, ist er sofort anzuzeigen. Seit dem 31. März 2007 ist ein Gesetz in Kraft, das eine sogenannte "Nachstellung" als Strafbestand festlegt und bei einer einfachen Nachstellung eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren vorsieht. Seit dieser Neuerung lassen sich Fälle von Stalking besser handhaben, am besten ist es, die Taten des Stalkers immer zu dokumentieren. Zeugen vereinfachen zudem jegliche eventuelle gerichtliche Auseinandersetzung.

Von einem anderen Menschen dauerhaft verfolgt zu werden, kann für den Betroffenen zu einer traumatischen Erfahrung werden. Wer psychisch unter der Verfolgung und Nachstellung durch einen Stalker leidet, sollte sich psychologische Hilfe suchen. Mittlerweile gibt es viele Ansprechstellen, wie etwa den Weißen Ring, an den man sich wenden kann, wenn man Hilfe bei der Angstbewältigung benötigt.

Autorin: Anne Bartel, Platinnetz-Redaktion