Bram Stokers Roman „Dracula“ erschien 1897. Seitdem ist die Geschichte des unglücklichen Fürsten oft rezipiert und verändert worden. „Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens“ ist die erste, an den Roman angelehnte Verfilmung des Stoffs aus dem Jahr 1922. Max Schreck spielte die Rolle des Grafen Orlok aus den Karpaten, der sich in die schöne Ellen verliebt und aus Schmerz über die unmögliche Liebe Schrecken über die Heimatstadt der Angebeteten bringt. Diesem Stummfilm folgten bis heute diverse Adaptionen der traurigen Geschichte um Liebe, Herzschmerz, Erotik und Tod. Aktuell dreht Bad Pitt mit „Vlad“ einen Vampirfilm, der das Leben von Fürst Vlad III. Tepes Draculea, der angeblichen Vorlage aller Vampirlegenden, zum Inhalt hat.

Vampire faszinieren

Die Legenden, die sich um Vlad Tepes rankten, sollen Vorlage für Bram Stokers Figur des Grafen Dracula gewesen sein. Vlad III. lebte im 15. Jahrhundert in den Karpaten und war Fürst der Walachei. Wegen seiner Vorliebe für die Hinrichtungsart des Pfählens trug er zu Lebzeiten den Beinamen Tepes, der Pfähler. Ein weiterer Beiname war Draculea, Sohn des Drachen, der sich aus der Mitgliedschaft seines Vaters im Drachenorden ableitet. Die erste Ehefrau Vlads nahm sich während einer Belagerung seiner Burg das Leben, als sie die – falsche – Nachricht erhielt, ihr Mann sei getötet worden. Zwar war diese Tat vermutlich eher der Angst vor einem Leben in Gefangenschaft als der Liebe zu ihrem grausamen Mann geschuldet, doch im Roman „Dracula“ ist der Selbstmord der geliebten Ehefrau der Grund für Vlads Abkehr von Gott und allem Guten. Bis heute zieht sich das Thema Liebe und Tod durch alle Vampir-Filme, was einen Teil ihrer Faszination ausmacht. Es ist jedoch die gelungene Mischung aus Liebe, Schmerz, Tod und Leben, die die Menschen in die Kinos lockt. Vampire sind beängstigend und anziehend zugleich. Vampire können sich angeblich in blutsaugende Fledermäuse verwandeln, haben  kein Spiegelbild, fürchten sich vor Knoblauch, Weihwasser und Kruzifixen und zerfallen bei Kontakt mit Tageslicht zu Staub. Vampire ernähren sich ausschließlich vom Blut ihrer Opfer. Durch den Biss in den Hals werden die Opfer selbst zu unsterblichen Vampiren. Vampire sind damit das Bindeglied zwischen Leben und Tod, zwischen Diesseits und Jenseits. Das Trinken des Bluts tötet zwar das Opfer, erschafft aber gleichzeitig ein neues, unsterbliches Wesen. Diese Macht fasziniert und ängstigt zugleich. Außerdem hat der Biss in den Hals des Opfers auch eine deutlich erotische Komponente. Vampire in Romanen und Filmen sind immer stark und attraktiv. Waren sie früher wie Max Schreck und Bela Lugosi eher in elegante Abendgarderobe gekleidet, tragen sie heute oft Ledermäntel und repräsentieren den traurigen, verletzlichen Rebell. Zur Zeit der ersten Vampir-Romane war Dracula stets ein Graf, der ein Schloss bewohnte. Die elegante Kleidung und der scheinbare Reichtum wirkten auf die Damenwelt des 19. und frühen 20. Jahrhunderts attraktiv. Heute ist es eher der tiefsinnige, geheimnisumwitterte, starke Einzelgänger im Ledermantel, der die Herzen der Teenies erobert. Das Verbotene reizt ebenso wie die Vorstellung, durch die Liebe das Böse überwinden zu können. Die scheinbare Unmöglichkeit der Liebe zu einem Vampir und das Überwinden aller Hindernisse kommen dem Hang zu Dramatik und bittersüßer Romantik entgegen, die Mädchen im Teenageralter häufig auszeichnet. Hinzu kommt der wohlige Schauer, der einem im Kino über den Rücken läuft, wenn sich der Vampir unbemerkt seinem schlafenden Opfer nähert. Aber auch männliche Zuschauer und Leser gehen nicht leer aus, denn weibliche Vampire sind, ebenso wie ihre männlichen Pendants, jung und attraktiv und haben eine aggressiv-erotische Ausstrahlung, durch die sie ihre Opfer anlocken.

Vampirfilme und Romane bedienen die Sehnsucht des Menschen nach Romantik und Liebe ebenso wie die faszinierende Vorstellung eines unsterblichen Lebens in ewiger Jugend und Schönheit. Der Kampf zwischen Gut und Böse, zwischen Leben und Tod, der schmale Grat zwischen Liebe und Leid, all das sind Elemente, die schon immer die Phantasie des Menschen beflügelten und es vermutlich immer tun werden.

Woher kommt der Glaube an Vampire?

Den Glauben an Vampire als lebende Tote gibt es schon seit Menschengedenken. Wabernde Nebel, umgestürzte Grabsteine oder knurrende Hunde auf dem Friedhof haben Menschen schon immer einen Schauer über den Rücken gejagt. Möglicherweise waren es auch unerklärliche Symptome der Tollwut nach einem Tier-Biss, die Ängste schürten. Dazu zählen zum Beispiel Lichtempfindlichkeit, Blässe, Abscheu vor Wasser, Schlaflosigkeit und Appetitmangel. Auch außergewöhnliche Eigenschaften wurden durch Vampirismus erklärt. So zum Beispiel, wenn ein Kind mit Haaren, mit der Eihaut oder mit Zähnchen auf die Welt kam. Eine zu frühe Entwöhnung des Babys sollte ebenso Vampirismus auslösen wie die Empfängnis des Kindes an kirchlichen Feiertagen. Generell galt gottloses oder gesetzloses Verhalten in einigen Gegenden als Auslöser von Vampirismus. Dazu zählten zum Beispiel das Versetzen von Grenzsteinen, Mord oder ein generell sündhafter Lebenswandel.

Im Lauf der Jahrhunderte hat sich die Vorstellung von Vampiren stark geändert. Waren Vampire im Volksglauben schlicht Ausgeburten des Bösen, sind sie in heutigen Romanen und Filmen oft sensible, unverstandene Rebellen, die sich nach Liebe und Erlösung sehnen. Unverändert geblieben sind aber die Grundprinzipien Liebe, Leben und Tod.

Autorin: Elke Liermann, Platinnetz-Redaktion