Gerade beim Orgasmus unterscheidet sich die männliche und die weibliche Sexualität stark voneinander. Die Erregungskurve der Männer steigt schneller an als die der Frauen und fällt auch nach dem Höhepunkt, im Gegensatz zu der der Frau, rapide ab. Gerade junge Frauen sind sich oft nicht darüber im Klaren, ob sie schon mal einen Orgasmus hatten. Während sie auf ihr Körpergefühl hören müssen, hat der Mann in der Regel triftige Beweise - die Ejakulation.

Die Wege zum Orgasmus

Grundlage für eine erfüllte Sexualität mit dem Partner ist eine gute Kommunikation. Über Bedürfnisse, Wünsche und Vorlieben muss man sprechen, damit sie ohne Scham und Unsicherheiten ausgelebt werden können. Wichtig ist außerdem, sich nicht unter Druck zu setzen, unbedingt zum Orgasmus kommen zu müssen. Deutsche und amerikanische Studien haben gezeigt, dass nur 25 bis 33 Prozent der sexuell aktiven Frauen durch das Eindringen des Partners zum Höhepunkt kommen. 10 bis 26 Prozent erreichen nie einen, der Rest kommt durch Masturbation oder Oralverkehr zum Orgasmus. Und trotz aller Vorurteile: Auch Männer sind keine Maschinen!  Nicht nur bei Frauen kommt es auf die richtige Stimmung an. Ein unter Druck gesetzter, überarbeiteter, gestresster oder sorgenvoller Mann ist auch nicht immer und überall orgasmusfähig. Auch er hat spezielle Bedürfnisse, denn auch für den Mann ist Orgasmus nicht gleich Orgasmus. Eine gemeinsame Laborstudie von Schweizer- und US-Forschern hat gezeigt, dass nicht jeder männliche Höhepunkt die gleiche Intensität hat. So befriedigt zum Beispiel ein Orgasmus mit der Partnerin viel mehr als ein selbst herbeigeführter. Wichtig ist es also, seine individuellen Bedürfnisse zu kennen und auch zu äußern, damit der Partner darauf eingehen kann. Trotzdem gilt: Der Orgasmus ist kein Orgas-Muss! Ein zärtliches und leidenschaftliches Liebesspiel kann auch ohne Höhepunkt ein befriedigendes und wunderschönes Erlebnis sein.

Der Körper während des Orgasmus

Auf dem Weg zum Gipfel der Lust steigt nicht nur die Erregung, sondern auch der Puls. Kurz vor dem Orgasmus sind die Geschlechtsorgane maximal durchblutet. Während des Höhepunktes kommt es zu rhythmischen unwillkürlichen Muskelkontraktionen im Genitalbereich. In diesen "Zuckungen" entlädt sich die sexuelle Spannung. Das Hormon Prolaktin wird im Körper ausgeschüttet, wodurch eine Entspannung des ganzen Körpers eintritt. Das ebenfalls freigesetzte Hormon Oxytocin führt zu einem tieferen Nachtschlaf und allgemein vermehrter Entspannung, was die Regeneration des Körpers erleichtert und deshalb dem Alterungsprozess entgegen wirkt.

Die Ejakulation des Mannes wird nicht nur von einem guten Gefühl begleitet, sondern hat auch positive Auswirkungen auf seine Gesundheit. Häufige Samenergüsse beugen Prostatabeschwerden vor und helfen bei Herz-Kreislauf-Krankheiten. So vermindert sich laut einer walisische Studie beispielsweise das Risiko eines Herzinfarktes bis um die Hälfte.

Im Körper der Frau wird während des Höhepunktes vermehrt Testosteron ausgeschüttet. Dies wirkt sich positiv auf die Kondition aus: Die Testosteronausschüttung erhöht die Fitness der Frau. Außerdem wird durch jeden Orgasmus auch das Immunsystem zu Höchstleistungen getrieben, was Krankheiten vorbeugt und bei ihrer Bekämpfung hilft.

Der Begriff "Orgasmus" kommt aus dem Griechischen und bedeutet "Leidenschaft". Er ist ein komplexes Ereignis und hat nicht nur körperliche Ursachen und Wirkungen. Beim Höhepunkt hängt viel vom Geist ab. Spielt der Kopf nicht mit, kann die Sexualität nicht erfüllt sein. Wenn beide Partner jedoch Spaß an ihrer Leidenschaft haben, ist jeder Orgasmus eine wahre Wohltat für Körper, Geist und Seele.

Autorin: Anne Bartel, Platinnetz-Redaktion