So werden Frauen im Gegensatz zu Männern früher als unattraktiv, alt und asexuell wahrgenommen. Hinzu kommen hormonelle Umstellungen, Erkrankungen, geminderte Leistungsfähigkeit und Verlust des jugendlichen Aussehens. Es gibt zwar einige Studien, die sich diesem sensiblen Thema widmen und Versuche darstellen, die Sexualität im Alter zu erfassen. Wie oft und auf welche Weise Sex im Alter jedoch tatsächlich praktiziert wird, bleibt ein gut gehütetes Geheimnis.

Der Wunsch nach sexuellen Kontakten ist größer, als der tatsächlich gelebte Sex im Alter

Sexualität ist ein angeborener, ureigener Trieb der Menschen, sie ist in jedem enthalten. Der Umgang mit Sexualität wurde immer von gesellschaftlichen, moralischen und religiösen Einflüssen bestimmt. Dennoch war und ist Sexualität ein Bestandteil des menschlichen Daseins, unabhängig von Alter, Hautfarbe oder Geschlecht. Doch wie sieht Sexualität im Alter in unserer Gesellschaft voller öffentlicher Intimität aus? Wie wandelt sich die sexuelle Aktivität bezogen auf die veränderten Lebensumstände mit den zunehmenden Jahren?

Dass Sex kein Privileg der Jungen und Schönen ist, dürfte spätestens nach der sexuellen Revolution der 1960er Jahre allen bewusst sein. Eine repräsentative anonyme Befragung von 521 Frauen im Alter zwischen 50 und 70 Jahren ergab, dass Frauen im Alter sexuell ähnlich aktiv sind wie in jüngeren Jahren. Das Spektrum der sexuellen Bedürfnisse ist individuell sehr unterschiedlich und reicht dabei vom täglichen Wunsch nach einem sexuellen Kontakt bis zur völligen Ablehnung. Auch weitere Studien bezeugen, dass sexuelle Interessen im Alter erhalten bleiben und Frauen bis ins hohe Alter sexuell genuss- und orgasmusfähig bleiben. Allerdings stellen Untersuchungen deutlich fest, dass der Wunsch nach sexuellen Kontakten größer ist als die tatsächlich gelebte Sexualität. Einen Versuch, das Thema zu enttabuisieren, zeigt der Film „Wolke9“.

Sex im Alter - „Wenn man älter wird, lässt das Feuer nach. Es wärmt einen, aber es verbrennt einen nicht mehr.“

Aber nicht nur die Quantität der Sexualität steht im Wandel der Zeit. Auch die Qualität scheint sich zu ändern und hängt dabei stark von der Qualität der Partnerschaft ab. Die Zärtlichkeit und das Gefühl der Geborgenheit erlangen immer höheren Stellenwert. „Wenn man älter wird, lässt das Feuer nach. Es wärmt einen, aber es verbrennt einen nicht mehr“, beschrieb die Schriftstellerin Vicki Baum das Sexualleben im Alter. Zahlreiche Gründe sprechen dafür, dass die Sexualität im Alter keine Bürde sein muss. Viele Frauen fühlen sich entlastet durch den Wegfall der monatlichen Regelblutung. Entspannend wirkt auch die Tatsache, dass man nicht mehr zu verhüten braucht, die Angst vor ungewollten Schwangerschaften weicht. Viele Frauen genießen die Spontaneität der Sexualität, nachdem die Kinder aus dem Haus sind. Vor allem Frauen, die eine positive Einstellung zu ihrem Körper haben, erleben sexuelle Freuden im Alter.

So unterschiedlich wir alle sind, so individuell sind auch unsere sexuellen Entwicklungen. Die Untersuchungen belegen, dass das Alter allein nichts über unsere Wünsche und Bedürfnisse aussagt. Wie wir die Sexualität erleben, hängt immer noch von uns ab, und das ist auch gut so. Fest steht, dass der Wunsch nach sexuellen Kontakten auch im Alter besteht. Demnach ist Sexualität in allen Altersstufen ein Teil von uns, für den man sich nicht zu schämen braucht. Zärtlichkeit und Sexualität haben keine Altersbeschränkung.

Autor: Angelika Berenboim, Platinnetz-Redaktion