Wie schwer er wird, hängt vom Ausmaß der tatsächlichen Veränderungen ab, die nach der Trennung auf uns zukommen. Eine so  bedeutsame Veränderung im Leben bietet aber auch immer die Chance zur Neuordnung und kann daher auch den Weg zu mehr Zufriedenheit ebnen.

Eine Trennung ist meist die Reaktion auf eine Krise

Auseinandersetzungen mit dem Partner sind normal und in einer Ehe unvermeidbar. Lassen wir uns jedoch emotional auf einen Menschen ein, erwarten wir von der Beziehung, dass es uns in ihr besser geht als ohne den Partner. Ist der Zeitpunkt erreicht, an dem wir uns ohne ihn glücklicher fühlen, ist es höchste Zeit zu handeln. Das muss allerdings noch keine Trennung bedeuten.

Wer den Entschluss fasst, sein Leben zu ändern, reagiert meist auf eine Krise. Dabei kann die Krise plötzlich auftreten oder über Jahre hinweg wachsen. Ist der Höhepunkt des Verdrusses erreicht, steht man an einem Wendepunkt. „Kristallisation der Unzufriedenheit“ nennt der amerikanische Psychologe Roy Baumeister den entscheidenden Moment und hält ihn für sehr sinnvoll. Unser Frust sei der Antrieb, sich zu korrigieren und wieder von vorne anzufangen, erklärt der Forscher. Nur wer massiv unzufrieden ist, kann seinem Leben eine neue Richtung verleihen und sich gewissermaßen neu definieren. Die Trennung vom Partner ist eine mögliche Konsequenz.

Zur Trennung führt unsere Sicht der Dinge

Auch unsere Persönlichkeit entscheidet darüber, wie schnell wir den gewünschten Neuanfang nach der Trennung erreichen. „Es sind nicht die Dinge, die uns beunruhigen, sondern unsere Sicht der Dinge“, behauptet die Psychotherapeutin Dr. Doris Wolf aufgrund ihrer langjährigen praktischen Erfahrung. Jeder von uns könne sein Leben und seine Gefühle ändern, solange er seine Einstellung ändere, so die Expertin. Die Zeit nach der Trennung bzw. Scheidung teilt sie dabei in vier Phasen ein. Die Psychotherapeutin glaubt, dass die Veränderungsprozesse nur dann erfolgreich ablaufen können, wenn man jede dieser Phasen durchlaufen hat.

Die Phase I des „Nicht-Wahrhaben-Wollens“ ist gekennzeichnet durch Verleugnung der endgültigen Trennung. Wir glauben, alles sei nur ein böser Traum, aus dem wir nur aufzuwachen brauchen. In der Phase II der „Aufbrechenden Gefühle“ steigen die unterdrückten Emotionen hoch. Verzweiflung, Wut, Angst, Schuld und Selbstzweifel kommen ans Tageslicht. Daneben treten körperliche Beschwerden wie Schlaf und Appetitstörungen auf. Daraufhin folgt die Phase III der „Neuorientierung“ nach der Trennung. In dieser Zeit nehmen wir unser Leben wieder aktiver in die Hand und sehen neue Zukunftsperspektiven. Zum Schluss steht die Phase IV, in der ein „Neues Lebenskonzept“ entsteht. Haben wir diese Phase erreicht, sind wir am Ziel: Wir empfinden ein inneres Gleichgewicht und haben uns ein neues Lebenskonzept und neues Selbstvertrauen erarbeitet – und die Trennung überwunden.

Wie negativ behaftet die Trennung oder Scheidung auch ist, kann ein Neuanfang auch viel Positives mit sich bringen. In der Krise können wir eine Lebensbilanz ziehen, neue Freunde gewinnen, neue Interessen und neue Lebensziele entwickeln und uns selbst neu entdecken. Ob man einen Neuanfang tatsächlich wagt, muss jedoch jeder für sich selbst abwägen. Zu bedenken bleibt nur noch, dass ein Ende mit Schrecken immer noch besser ist als ein Schrecken ohne Ende.

Autorin: Angelika Berenboim, Platinnetz-Redaktion


Datum: 16. Januar 2009