Mit Maske und Kostüm in den rheinischen Karneval

„Jedes Johr em Winter, wenn et widder schneit, kütt d´r Fastelovend un mir sin all bereit.“ Diese Liedzeile dürfte zumindest in Köln jeder Jeck kennen und spätestens im Refrain singen alle: „Kölle Alaaf Alaaf, Kölle Alaaf!“ Sobald die Karnevalsmusik ertönt, haben die „tollen Tage“ begonnen – und im Rheinland herrscht der Ausnahmezustand!

Die „tollen Tage“ beginnen Donnerstags mit Weiberfastnacht (Wieverfastelovend, Weiberfasching, Altweiberfasching, Altweiberfastnacht, Altweiber) und enden am Mittwoch danach mit dem Aschermittwoch. Die fünfte Jahreszeit ist gerade im Rheinland eine feste Institution und sorgt dafür, dass Jecken die Straßen übernehmen und die öffentliche Ordnung teilweise vollkommen außer Kraft setzen! Ob mit Maske, Schminke oder selbst gebasteltem Kostüm – an Karneval fällt man in Köln, Mainz oder Düsseldorf ohne Verkleidung mehr auf als mit.

Mit Maske im Büro: Weiberfastnacht im Rheinland

Wer in einer Karneval freien Zone Deutschlands lebt, dem wird es vielleicht schon einmal passiert sein, dass er nichts ahnend donnerstags in einem Kölner Büro anruft und sich, falls überhaupt jemand an das Telefon geht, wundert, dass im Hintergrund laute Musik zu hören ist und der Angerufene mittags schon einen leichten Schwipps zu haben scheint. Völlig normal, falls man ausgerechnet Weiberfastnacht erwischt hat. Spätestens ab 11 Uhr 11 sind die Jecken im Rheinland nicht mehr zu halten, setzen Maske und Perücke auf und geben sich vollkommen dem Karneval hin. Los geht es in der Regel mit dem Straßenkarneval. In Bonn-Beuel, dem geschichtlichen Ursprung der Weiberfastnacht, bildet ein Karnevalszug den Auftakt der „tollen Tage“. Während dort im Anschluss an den Zug das Damenkomitee das Beuler-Rathaus stürmt, findet in Köln die berühmte Freiluftsitzung auf dem Heumarkt statt. Krawattenträger sollten sich im ganzen Rheinland in Acht nehmen, denn die Frauen sind rigoros und schneiden an Weiberfastnacht selbst die teuersten Stücke ohne mit der Wimper zu zucken ab – so erging es selbst dem Bundeskanzler, als der seinen Sitz noch in Bonn hatte.
Anders als im Köln-Bonner-Raum lautet der Schlachtruf in Düsseldorf und Mainz nicht „Alaaf“, sondern „Helau“ – ein Unterschied, den man beim Feiern in den verschiedenen Städten auf jeden Fall beachten sollte! Auch trotz kleiner, aber feiner Unterschiede: In Maske und Kostüm schmeißt man sich ab Weiberfastnacht selbstverständlich auch in den Karnevalshochburgen Mainz und Düsseldorf. In Mainz versammelt sich die feiernde Menge am Fastnachtsbrunnen in der Innenstadt und beginnt mit dem sechstägigen Feier-Marathon. In Düsseldorf wird der Karneval an Weiberfastnacht nicht offiziell von der Stadt organisiert, doch auch hier stürmen die Damen das Rathaus.

Ob Maske, Mantel oder Minirock: Rosenmontag geht es raus!

Der Höhepunkt der meisten Karnevalsregionen ist der Rosenmontag mit seinen großen Umzügen. Egal bei welchen Temperaturen oder welcher Witterung: Die Jecken strömen zum Straßenkarneval und genießen die Festumzüge. In den Hochburgen wie Köln, Düsseldorf oder Mainz wird man am Rosenmontag im Büro niemanden antreffen. Die meisten Arbeitgeber geben ihren Mitarbeitern an diesem Tag frei, obwohl der Rosenmontag nicht zu den gesetzlichen Feiertagen zählt.
Den größten aller Rosenmontagszüge findet man in Köln. Genutzt wird dieser Umzug mit seinen farbenfrohen Festwagen hauptsächlich zur politischen Satire. Dieser Zug zieht jedes Jahr Jecken von nah und fern in die Domstadt, denn er ist ein echtes Ereignis und wahrhaft sehenswert. Wie auch in Mainz (zweitgrößter Umzug) sind hier die Kostüme eher vom Militär inspiriert – nicht wie bei der schwäbisch-allemannischen Fastnacht, wo eher traditionelle Tiermasken oder Dämonen-, Hexen- und Narrenfiguren mit ihrer jeweiligen Maske im Vordergrund stehen.
Wer den Karneval noch nie live miterlebt hat, sollte gerade dem Straßenkarneval in den Hochburgen mal einen Besuch abstatten. Wichtigste Regeln sind an solchen Tagen: Auto stehen lassen und mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen, Kostüm oder Maske nicht vergessen und vor allem sich einfach treiben lassen. Die Jecken, die an den „tollen Tagen“ losgelassen sind, sind sehr feierfreudig und machen bei der Polonaise und beim Schunkeln auch vor Fremden nicht halt. Selbst der Unbekannte, der sich hinter seiner Maske versteckt, wird an den Karnevalstagen zum besten Freund und Feierkumpan – also: Nur keine Berührungsängste haben!

Autorin: Anne Bartel, Platinnetz-Redaktion

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