Wer den Wolf kennt, versteht den Hund besser

Der Hund ist ein vom Menschen domestizierter Wolf. Kein Wunder also, dass man aus dem Verhalten der Wölfe viel für den richtigen Umgang mit Hunden ableiten kann. Das Leben des Wolfs im Rudel lässt sich etwa auf das Zusammenleben von Mensch und Hund beziehen.

Der Wolf ist böse, im Märchen lauert er als Lebensgefahr im Wald. Der Hund dagegen ist der treueste Begleiter des Menschen, er beschützt Haus und Hof, führt Blinde und rettet Verschüttete. Doch Hund und Wolf sind gar nicht so weit voneinander entfernt. Wer Gemeinsamkeiten und Unterschiede kennt, versteht das Verhalten seines Hundes besser.

Der Hund ist ein domestizierter Wolf

Vor ungefähr 100.000 Jahren beginnt die Geschichte des Hundes. Frühestens hier vermuten Wissenschaftler, dass sich zutrauliche Wölfe zum ersten Mal zum Menschen gesellten. Über die Jahrtausende entstand eine Symbiose zwischen Wolf und Mensch, sie wurden zu einer Jagdgemeinschaft mit gemeinsamen Zielen. Der Vorfahr des Hundes erkannte, dass er zusammen mit dem intelligenten Menschen mehr erreichen kann. Für den Menschen war der Wolf dagegen der Beschützer, der der Hund auch heute noch ist. Seine wölfischen Verhaltensweisen von damals trägt der Hund auch heute immer noch in sich. Das Markieren oder Scharren im Boden stammt beispielsweise von den Wölfen, die in freier Wildbahn das Revier abgrenzten, in denen sich alle Mitglieder des Rudels gefahrlos bewegen konnten. Im Verhalten des Hundes ist dies erhalten geblieben, auch wenn es seine eigentliche Bedeutung verloren hat. Auch der Jagdtrieb nützt dem Hund heute nichts mehr, schließlich wird er zuverlässig vom Menschen gefüttert. Aber im Hund steckt einfach auch noch das Wildtier Wolf.

Mit dem Hund kommunizieren

Eine weitere Gemeinsamkeit von Hund und Wolf ist die Art, wie die Tiere kommunizieren. Der Wolf drückt sich vor allem über den Körper aus, Laute sind bei ihm eine Seltenheit. Gerüche, Fletschen der Zähne, Kräuseln der Nase, aufgestellte Ohren – all diese Gestiken haben eine immense Bedeutung im Zusammenleben der Wölfe. Auch der Hund kommuniziert so, aber der Mensch bekommt davon vor allem die Lautäußerungen mit. Denn bellen, winseln, jaulen, knurren, all das kann vom Menschen viel besser verstanden werden als etwa die Geruchsmarkierung oder das Sträuben der Nackenhaare. Deshalb haben sich Hunde im Laufe der Jahrtausende eine ausführliche Kommunikation über Laute angewöhnt. Der Hund kommuniziert aber trotzdem auch noch weiter in der Hundesprache, also so wie der Wolf durch den Körper. Daher muss man als Hundehalter lernen, diese Hundesprache zu verstehen. Jeder Blick, jede Geste hat eine Bedeutung, die man kennen sollte. Auch wenn man dem Hund etwas beibringen will, sollte man sich in für den Hund leicht verständlichen Gesten ausdrücken. Denn allein das Wort „Sitz“ versteht der Hund nicht. Es sind vielmehr Tonlage und eindeutige Gesten, mit denen man den Befehl ausspricht, die dem Hund zeigen, was man von ihm will. Klare Zeichen, wie beispielsweise selbst in die zu Hocke gehen, und eine eindeutige Körpersprache sind hier das A und O. Man sollte dem Hund auch nicht beiläufig Befehle zurufen, sondern immer zuerst seine Aufmerksamkeit erregen und – etwa mit erhobenem Zeigefinger – ankündigen, dass jetzt ein Befehl folgt. Denn genauso wie ein Wolf versteht auch ein Hund die Körpersprache am allerbesten.

Der Wolf und seine Ordnung im Rudel

Für einen Wolf ist es absolut überlebenswichtig, dass er sich innerhalb seines Rudels sicher fühlen kann. Denn Befehlen des Rudelführers zu folgen, kann in der freien Wildbahn über Leben und Tod entscheiden. Auch der Hund trägt noch das Leben im Rudel in sich, auch wenn er längst in sicherer Umgebung beim Menschen lebt. Das sollte man bei der Hundeerziehung unbedingt beachten. Denn in so einem Rudel gibt es immer eine Hierarchie, die von den Wölfen im täglichen Umgang eingehalten wird. Hält man sich einen Hund und möchte sich mit ihm im Alltag bewähren, muss man ihm deshalb erst einmal klar machen, dass das Tier in der Beziehung der Untergebene ist. Der Mensch muss sich dagegen wie ein Rudelführer verhalten, denn sonst kommt der Hund vielleicht auf die Idee, selbst in diese Rolle zu schlüpfen und tanzt dem Herrchen schnell auf der Nase herum. Den Hund sollte man aber nicht dominieren und unterdrücken, sondern ihn bestimmt und sicher anleiten. Verhätscheln sollte man den Hund auf gar keinen Fall. Jederzeit ein Leckerli und vielleicht auch noch die ganze Zeit getragen zu werden, signalisiert dem Hund, dass er auf derselben Stufe wie das Herrchen steht. Dann kommt die Rangordnung innerhalb der Beziehung außer Kontrolle und das verwirrt den Hund wiederum.

Disziplin gilt daher nicht nur für den Hund, sondern auch für den Hundehalter. Erst durch eine gute Erziehung wird der Hund tatsächlich der treue Begleiter, den sich der Mensch wünscht. Aber genauso, wie der Hund lernen muss, sich in der Welt des Menschen zu benehmen, muss der Mensch lernen, seinen treuen Begleiter zu verstehen und ihn in der richtigen Sprache anzusprechen.

Autorin: Julia Heilig, Platinnetz-Redaktion

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