Karneval in Venedig – Kreative Masken und rauschende Bälle

Karneval in Venedig hat mit deutschem Fasching sehr wenig gemeinsam. Straßen und Plätze der Stadt verwandeln sich in Bühnen, während Touristen die prächtigen Masken und Kostüme des venezianischen Karnevals bestaunen. In seiner Jahrhunderte langen Tradition hat er sich kaum verändert.

Die erste schriftliche Erwähnung des Begriffs „Carnevale di Venezia“ stammt aus dem Jahr 1094. Offiziell anerkannt wurde das Fest dann 1296 und seitdem entwickelte der Karneval in Venedig immer prunkvollere und größere Formen. Seine größte Pracht entfaltete er im 18. Jahrhundert, zu Lebzeiten Casanovas. Für einen Frauenfreund wie Casanova war der Karneval mit seinen Masken perfekt geeignet, um in ihrem Schutz seine Leidenschaft auszuleben
1797 wurde die Adelsrepublik Venedig durch Napoleon Bonaparte an Österreich angegliedert und verlor damit ihre Selbständigkeit. Für fast 200 Jahre erlosch auch der Karneval. Erst 1980 erweckte man den Karneval in Venedig wieder zum Leben: Als Attraktion für Touristen. 2010 findet der Karneval vom 6. bis zum 16. Februar statt und trägt das Motto „Sensation: 6 senses for 6 sestieri“ (6 Sinne für 6 Stadtteile).

Karneval in Venedig zu Zeiten Casanovas

Zu Zeiten der Adelsrepublik Venedig begann der Karneval mit Maskenbällen an den Höfen der Monasteri. Die typischen Masken des venezianischen Karnevals erlaubten es den Menschen, in andere Rollen zu schlüpfen, da sie das Gesicht komplett verdeckten. Unter ihnen verbargen sich verarmte Patrizier, die auf den Straßen unerkannt um Almosen bettelten ebenso, wie manch ein Schuldner, der sich ein paar Tage vor seinen Gläubigern versteckte. In den Zeiten der Serenissima, der Republik Venedig, war das Tragen von Masken nicht nur an Karneval erlaubt. Man trug sie auch zu offiziellen Banketten und großen Festen. Nur an kirchlichen Feiertagen war das Tragen der Masken verboten. In Venedig begann der Karneval bereits am 26. Dezember, dem Tag des heiligen Stephanus, und endete erst am Faschingsdienstag. Heute dauert er nur noch 10 Tage, an denen dafür aber nach Herzenslust auf Straßen und Plätzen und bei rauschenden Bällen gefeiert wird. Zwischen 250 und 1000 Euro muss man für eine Eintrittskarte zum Ball bezahlen. Ein Luxus, der für viele zum Karneval dazugehört.
Rund 1,5 Millionen Besucher strömen Jahr für Jahr zum Karneval nach Venedig, um das außergewöhnliche Treiben einmal live zu erleben. Die Tourismus-Branche freut es. 80 Millionen Euro bringen die Besucher den Geschäftsleuten ein. So kostet ein Kaffee im berühmten Café Florian an den Karnevalstagen fast 10 Euro. Jeder, der das Glück hat, dort einen Platz zu ergattern, nimmt diesen Preis gern in Kauf. Sehen und gesehen werden ist das Motto.

An Karneval herrscht in Venedig Ausnahmezustand

Der Karneval beginnt traditionell mit dem so genannten Engelsflug auf dem Markusplatz. Um Punkt 12 Uhr schwebt ein Prominenter im Engelskostüm an Seilen zwischen Konfettiregen und bunten Luftballons vom Markusturm zum Dogenpalast herab. Der Markusplatz bleibt für die nächsten 10 Tage Hauptschauplatz des Karnevals, während die Gassen, Straßen und Plätze sich mit Maskierten füllen, die dort flanieren und ihre prunkvollen Kostüme zur Schau stellen.

Die Hauptattraktion des venezianischen Karnevals aber findet immer am Sonntag statt. Der Karnevalssonntag ist der wichtigste Tag des Karnevals in Venedig, denn dann findet der internationale Kostümwettbewerb statt. Rund 125000 Menschen drängen sich an diesem Tag allein auf dem Markusplatz, um den Wettbewerb zu sehen. Aus 300 Kostümen in der Vorrunde wählt eine Jury aus Prominenten und Designern 80 für das Finale aus. In den letzten drei Jahren in Folge holte eine Deutsche mit ihren phantasievollen Kreationen den ersten Preis. Die 38jährige Tanja Schulz-Hess zieht es seit Jahren zum Karneval nach Venedig und jedes Jahr entwirft sie gleich mehrere Kostüme für den Wettbewerb. Dabei hat sie das Handwerk gar nicht gelernt. Im Spiegel-Interview gesteht sie:„Ich kann bis heute weder Schnitte machen, noch eine gerade Naht nähen. Wenn ich eine Nähmaschine anfasse, gibt es ein Unglück. Letztes Jahr ist mir bei einem Schuhnähkurs in London sogar die Maschine abgebrannt – und ich hatte die Lehrerin gewarnt! Ich arbeite mit einer Heißklebepistole. So habe ich auch mein Brautkleid geklebt.“ Betrachtet man ihre Sieger-Kostüme, ist das kaum zu glauben. 2008 gewann Tanja Schulz-Hess mit ihrer Kreation „La Montgolfiera“, bei der sie einen Heißluftballon im Stil des 19. Jahrhunderts verkörperte. „Der Rock ist die Hälfte unseres Wäschekorbs und der Ballon eine chinesische Laterne mit Haaren aus dem Afro-Shop. Der Kopfschmuck war 1,6 Kilo schwer und fast einen Meter hoch. Man konnte mich auf dem Markusplatz mit der Kopfdeko schon weithin erkennen.“

Trotz des Trubels und der vielen Touristen, die Venedig bevölkern, unterscheidet sich der Karneval dort deutlich vom deutschen "Fasching" oder "Fastelovend". Allein die Kulisse der Stadt mit ihrem maroden Charme, ihren bröckelnden Fassaden und den Palazzi macht für viele das Besondere des venezianischen Karnevals aus. Er hat trotz aller Touristen und Veranstaltungen immer noch eine stille und poetische Seite. Für viele Venezianer ist der Karneval dennoch ein Grund, während der 10 Tage die Flucht zu ergreifen.

Autorin: Elke Liermann, Platinnetz-Redaktion

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