Pilgerwege auch in Deutschland?

Beim Wort Pilgerreise denken vermutlich die meisten an den Jakobsweg und vielleicht auch an Hape Kerkeling. Aber der Weg ins galizische Santiago de Compostela ist nicht die einzige Möglichkeit, sich auf eine spirituelle Reise zu begeben. Pilgern kann man auch in Deutschland.

Hape Kerkelings Buch über seine Pilgerreise hat einen Trend geschaffen, der bis heute andauert: Wurden im Jahr 1970 gerade einmal 68 Pilger gezählt, die ihren Weg nach Santiago de Compostela gingen, waren es im Jahr 2009 fast 146.000. Die Motivation der Menschen, sich auf eine Pilgerreise zu begeben, lässt sich leicht erklären: In einer Zeit, die hauptsächlich durch ihre Beschleunigung lebt, kann pilgern ein entscheidender persönlicher Gewinn sein. Denn bei einer solchen Pilgerreise kommt es nicht auf Leistung an, sondern auf Ruhe und Stetigkeit. Für viele Menschen ist deshalb die Pilgerreise eine persönliche Auszeit, deren philosophischer Gehalt einen Gegensatz zum täglichen Stress bedeutet. Viele Wanderer wählen auch deshalb Pilgerwege als Strecke aus, weil es sich dabei um Routen handelt, die Menschen seit vielen Jahrhunderten gegangen sind. Aber wo ist der Unterschied zwischen wandern und pilgern? Pilgerwege sind immer mit Spiritualität verbunden. Das Ziel ist meist ein heiliger Ort. Neben dem Christentum kennen auch alle anderen Weltreligionen Pilgerwege: So sollte jeder gläubige Moslem einmal in seinem Leben nach Mekka pilgern.

Pilgerwege und ihre Streckenabschnitte

Man muss nicht ins Ausland reisen um zu pilgern. Verglichen mit Frankreich und Spanien halten sich in Deutschland die traditionellen Pilgerwege in Grenzen. Aber viele der traditionellen Pilgerwege führen durch Deutschland. So beispielsweise verlaufen Abschnitte des Jakobswegs durch Deutschland. Man muss dabei bedenken, dass der Jakobsweg keine festgelegte Strecke ist, sondern aus einem Wegenetz und somit aus einer ganzen Reihe möglicher Pilgerwege besteht. Ein Beispiel für einen deutschen Abschnitt ist der bayrisch-schwäbische Jakobusweg, der von Oettingen ausgeht und über Augsburg nach Lindau führt. Dabei sollte immer bedacht werden, dass es beim Pilgern nicht darauf ankommt, Strecken in ihrer gesamten Länge zurückzulegen. Der Frankenweg etwa führt von Canterbury nach Rom und misst eine Strecke von insgesamt 1600 Kilometern. Für diese unglaubliche Distanz müsste ein durchschnittlich schneller Wanderer für seine Pilgerreise etwa 80 Tage einplanen. Das ist für die meisten Menschen natürlich unmöglich. So reicht es völlig, auf bestimmten Abschnitten zu pilgern, um einen bleibenden Eindruck zu gewinnen. Denn eines sollte nicht vergessen werden: Der Weg ist das Ziel!

Autor: Edgar Naporra, Platinnetz-Redaktion

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