Generationenkonflikte: Alt und jung gemeinsam im Büro

Umfragen haben gezeigt, dass es einige gängige Vorurteile bestimmten Altersgruppen gegenüber gibt, die gerade im Büro immer wieder zutage treten. Da innerhalb der deutschen Bevölkerung die Schere zwischen alt und jung immer weiter auseinander geht, kann es auch in der Arbeitswelt zu Konflikten kommen.
Denn hier prallen unterschiedliche Generationen aufeinander, die bis zu 40 Jahre und jede Menge Vorurteile voneinander trennen. Gerade am Arbeitsplatz spielt das soziale Verhalten von Mitarbeitern, ihre Arbeitsweise und der Umgang mit Autoritäten eine Rolle. Wenn hier alt und jung aufeinandertreffen, dann fällt es beiden oft schwer, die gegenseitigen Vorurteile und unterschiedliche Wertvorstellungen zu überwinden und gemeinsam an einem Strang zu ziehen.
Die beiden Generationen, die man voneinander abgrenzen kann, sind einerseits die sogenannten "Best Ager" und andererseits die Generation der nach 1980 geborenen. Sie unterscheiden sich nicht nur durch ihr Alter voneinander, sondern auch durch ihre Lebens- und Arbeitseinstellung. Laut dem Forschungsinstitut IPSOS zeichnet sich die Generation der 50 bis 60-Jährigen dadurch aus, dass sie am Arbeitsplatz klare Strukturen und Hierarchien bevorzugen. Es sollte ganz klar sein, wer welche Aufgabe und welche Rechte hat. Die Generation der etwa 20 bis 35-Jährigen hingegen sieht die Vorteile von flachen Hierarchien und kann sich auch ein Arbeiten mit häufig wechselnden Aufgaben und Arbeitsplätzen sehr gut vorstellen.

Jung und kreativ vs. alt und erfahren: Verschiedene Generationen am Arbeitsplatz

Zu den Vorurteilen, mit denen die junge Generation der zwischen 1970 und 2000 Geborenen zu kämpfen hat, gehört, dass viele sie für ich-bezogen und ehrgeizig halten. Dieser falsche Eindruck entsteht bei vielen Menschen, die den sozialen Hintergrund dieser Generation nicht kennen und deshalb ihr Verhalten falsch auffassen. Denn diese sogenannte Generation X erlebte eine schlechte Wirtschaftslage, viele Scheidungswellen und sie waren größtenteils Schlüsselkinder, die frühzeitig lernten, sich auf nichts verlassen zu können. Weder auf eine Ehe noch auf einen Arbeitsplatz. So setzte sich hier der Wunsch nach Individualität und Selbstverwirklichung besonders stark durch, was dann häufig als Eigensinn falsch verstanden wird. Sie wechseln häufiger ihre Jobs, was oft negativ als "wechselhaft" bezeichnet wird. Es führt aber in der Praxis dazu, dass gerade diese Generation im Beruf äußerst flexibel und teamfähig ist.
Die ältere Generation dagegen muss immer wieder beweisen, dass sie nicht starr und unflexibel ist. Hier gibt es die Vorurteile, dass sie zu unkommunikativ und verschlossen sei, immer nur nach Anweisungen von oben handele und wenig neue Ideen beisteuere. Zudem läuft bei der Generation der 50 bis 60-Jährigen Kommunikation häufig anders ab als bei den Jüngeren. Es wird im Durchschnitt am Arbeitsplatz weniger offensiv kommuniziert und eher zurückgezogener agiert. Das wird wiederum von den Jüngeren häufig als verschlossen und unfreundlich wahrgenommen. Diese oft falsch interpretierten Eigenschaften lassen sich darauf zurückführen, dass diese Generation anders erzogen wurde und innerhalb der Arbeitswelt mit ganz anderen hierarchischen Strukturen konfrontiert war. Und nicht zuletzt ist sie nicht, wie ein Großteil der jungen Kollegen, mit digitalen Medien aufgewachsen. Häufig haben sie auch eine Zeit in der Arbeitswelt kennengelernt, in der es nicht üblich war, mit seinen Kollegen oder gar Chefs privat ein freundschaftliches Verhältnis zu pflegen.
Zur jungen Generation gehört außerdem auch die sogenannte digitale Generation (etwa 1979-2000), die äußerst medien-affin und kommunikativ ist. Sie liebt flache Hierarchien und legt keinen Wert auf die Art des Büros. Wer heute jung ist, kann und will von überall aus arbeiten und pflegt gerne soziale Kontakte zu Kollegen. Das beisst sich mit den Werten der älteren Generationen. Sie bevorzugen beispielsweise klassische Büros und einen festen Arbeitsplatz ohne viel Ablenkung, mit ebenso klassischen Büro-Arbeitszeiten statt einem Großraumbüro oder Home-Office.

Brücken zwischen jung und alt

Konflikte zwischen jung und alt am Arbeitsplatz sind vorprogrammiert, wenn bestimmte Werte nicht übereinstimmen. Die eher traditionellen Rollenbilder und Strukturen, wie sie die ältere Generation erlebt und auch geprägt hat, haben sich heute weitestgehend verändert. Der Chef ist nicht immer unbedingt älter als seine Mitarbeiter und die Hierarchien werden immer flacher. Nicht jeder kann und möchte diese Entwicklung mitmachen. Wer heute jung ist, wird hingegen häufig von Problemen und Ängsten geplagt, die ältere Generationen vielleicht nicht immer nachvollziehen können. Angst vor Jobverlust und Plan- und Ziellosigkeit aufgrund einer fast schon zu großen Masse an Möglichkeiten prägen ihr Arbeitsverhalten mit.
Die Sichtweisen von jung und alt sind schwer zu vereinen und die Vorurteile sind groß. Doch Vorurteile können nie eine gute Basis für eine Zusammenarbeit sein. Deshalb sollte man sie so früh wie möglich entkräften – und das funktioniert bei Vorurteilen am besten durch Kommunikation. Immer wenn es in zwischenmenschlichen Beziehungen zu Problemen kommt, insbesondere am Arbeitsplatz, hat das mit der Kommunikation untereinander zu tun. Missverständnisse oder ein Gefühl des Unverständnisses führen zu Ärger und Ablehnung bei allen Beteiligten. So werden Vorurteile zwischen jung und alt verstärkt und es findet keinerlei Austausch statt. Dabei ist die Verbindung zwischen jung und alt äußerst fruchtbar, denn beide können durch ihre unterschiedlichen Stärken und Schwächen viel voneinander lernen. Kommunikation ist hier der Schlüssel zu einem verständnisvollen, freundschaftlich-kollegialen Umgang.
Sollte es also im Büro Konflikte geben, ist es wichtig, die Parteien an einen gemeinsamen Tisch zu holen und die Probleme und Vorurteile proaktiv aus dem Weg zu räumen.

Autorin: Nele Zymek, Platinnetz-Redaktion

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