Alleine um die Welt segeln – die Sehnsucht nach Abenteuer

Den Drang nach Freiheit, die Lust auf ein großes Abenteuer und eine gehörige Portion Mut braucht man, wenn man ganz alleine um die Welt segeln will. Diese Eigenschaften bewiesen 2009 gleich mehrere Jugendliche, die sich aufmachten, die Weltmeere zu durchfahren. Doch was treibt diese Jugendlichen an?
Die Welt zu umsegeln ist für viele Menschen ein lang gehegter Traum. Ganz auf sich alleine gestellt zu sein, die Stille der Ozeane zu erleben und im Kampf mit den Naturmächten die Oberhand zu behalten – eine Erfahrung, die das Leben verändern kann. Die Zeit, den Enthusiasmus und die Kraft dafür scheinen derzeit vor allem ganz junge Menschen zu haben.

Segeln für den Rekord

Gleich drei Jugendliche konkurrierten in diesem Jahr um den Rekord als jüngste Weltumsegler. Im Alter von 16 Jahren war der Amerikaner Zac Sunderland im Sommer 2008 in See gestochen und stellte den Rekord als jüngster Weltumsegler auf. Nur einen Monat später legte auch der Brite Mike Perham wieder in seinem Heimathafen an und unterbot die Bestzeit, denn er war nur knapp 10 Monate unterwegs und bei seiner Ankunft gerade einmal 17 Jahre alt. Derzeit segelt die 16-jährige Australierin Jessica Watson über die Weltmeere, um den Rekord erneut zu unterbieten. Ihr Projekt war allerdings in Gefahr, als sie bei einer Probefahrt mitten in der Nacht von einem 63.000 Tonnen Frachter gerammt worden war – ihr Segelboot wäre beinahe gesunken. Dennoch startete sie im Oktober ihre Weltumsegelung und wenn alles klappt, wird Jessica acht Monate nach ihrem Start wieder sicher im Hafen von Sydney einlaufen.

Der Jüngsten wurde das Segeln verboten

Doch nicht immer dürfen die Jugendlichen ihrem Freiheitsdrang nachgeben. Aufsehen hat kürzlich eine ganz junge Seglerin aus den Niederlanden erregt: Laura Dekker, bei ihrem ersten Versuch gerade einmal 13 Jahre alt, hatte sich vorgenommen, alle Rekorde zu brechen und als jüngster Mensch alleine um die Welt zu segeln. Doch kurz vor der Abreise wurde es ihr von höchster Stelle verboten, das Familiengericht hatte entschieden, dass das Mädchen nicht alleine segeln darf. Das Sorgerecht der Eltern wurde bezüglich der Weltumsegelung gar ausgesetzt. Doch dabei ging es nicht darum, die heute 14-jährige vor Gefahren zu schützen. Psychologen hatten sich mit dem Mädchen auseinandergesetzt und stellten bei ihr lediglich einen besonders außergewöhnlichen Drang nach Freiheit und unabhängigem Handeln fest. Da Problem sahen die Gerichte vielmehr in der Schulpflicht der Niederländerin. Doch wenn sie bis zum Sommer 2010 ihr Schuljahr gut abschließt und geeignete Methoden nachweist, mit denen sie auch auf hoher See den Lernstoff bewältigen kann, hat auch Laura Derkker gute Chancen, nach einer erneuten psychologischen Untersuchung um die Welt segeln zu dürfen.

Gefahren und Sicherheit beim Segeln

Für den Rest der Welt ist es unverständlich, wie die Eltern ihre Kinder alleine über die Weltmeere segeln lassen können. Allein die große Distanz zum eigenen Kind jagt jedem, der selbst Kinder hat, eine Gänsehaut über den Rücken. Das Wetter auf dem Meer ist unbeständig, niemand ist da um bei Verletzungen oder Krankheiten für das Kind zu sorgen und was, wenn am Boot etwas kaputt geht? Der 17-jährige Amerikaner Zac Sunderland wurde gar kurzzeitig von Piraten verfolgt, ehe ihm die australischen Behörden aus der Patsche helfen konnten. Doch dies ist die Ausnahme, denn Jugendliche, die sich auf die große Weltumsegelung begeben, sind meistens viel weiter entwickelt und besser auf die Reise vorbereitet, als man glaubt. Der Engländer Mike Perham hat beispielsweise schon mit dem siebten Lebensjahr angefangen zu segeln und ist als 14-jähriger bereits alleine über den Atlantik gesegelt. Bei seinem Segeltörn um die ganze Welt hat ihn zudem ein Team von Unterstützern begleitet. Mit Funktelefonen und GPS-Sendern ausgestattet, sind die Jugendlichen ständig erreichbar oder steuern unterwegs Häfen an, um Vorräte aufzustocken, kleinere Probleme am Boot zu beheben und um die Familie zu treffen. Zwischen 16 und 18 Jahren sind die jungen Menschen oft schon sehr wohl eigenverantwortlich, was man als Außenstehender leicht unterschätzt. Lediglich bei der gerade 14 Jahre alt gewordenen Laura Dekker bleiben Zweifel bestehen, ob sie bei ihrem Entwicklungsstand schon bereit dafür ist, mehrere Monate auf sich alleine gestellt zu sein.

Die Freiheit genießen

Es bleibt die Frage, wieso die Eltern es erlauben, dass ihre Kinder sich diesem Risiko aussetzen. Überraschenderweise sehen die Eltern die Weltumsegelung ihrer Kinder meistens gelassen, auch wenn sie zugeben, von vielen Ängsten geplagt zu werden. Sie geben an, in die Fähigkeiten ihrer Kinder zu vertrauen und stolz auf ihren selbstständigen Nachwuchs zu sein, den sie meistens seit vielen Jahren selbst im Segeln ausgebildet haben. Ob Selbstsucht oder andere falsche Gründe bei den Eltern eine Rolle spielen, kann man als Außenstehender nur unterstellen. Eines ist dagegen sicher: Für die jungen Weltumsegler wird das Abenteuer ihr Leben prägen. Sie lernen schon früh, für sich selbst zu sorgen und können so ein gesundes Selbstbewusstsein entwickeln. „Ich kann Essen was ich will und niemand schickt mich ins Bett“, jubelte die 16-jährige Jessica Watson etwa auf ihrem Blog, den sie von unterwegs schreibt. Wie Jessica genießen die jungen Weltumsegler ihre Freiheit und gaben alle an, dass es ihnen großen Spaß macht, ganz alleine und fernab von den Eltern die Verantwortung für ihr Leben selbst zu tragen. Eigentlich ein Bedürfnis eines ganz normalen Jugendlichen, nur mit dem Unterschied, dass die Weltumsegler ihren Freiheitsdrang auf eine weitaus konsequentere Weise umsetzen als normale jungen Menschen, die mit 15 zum ersten Mal mit Freunden alleine ans Meer fahren. 

Autorin: Julia Heilig, Platinnetz-Redaktion

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