Brigitte verzichtet auf Magermodels – Revolution oder PR-Kampagne?

In den letzten Tagen geistert die Meldung durch die Presse und die Öffentlichkeit: Brigitte verzichtet auf Fotostrecken mit professionellen Models und wird Fotos mit ganz "normalen" Frauen produzieren und veröffentlichen. Hintergrund ist, dass professionelle Models seit einigen Jahren immer dünner werden.

Damit haben sie immer weniger mit den Frauen des Alltags zu tun. Auf den Laufstegen von Mailand und Paris lautet die angesagte Konfektionsgröße "Null". Das entspricht der Größe 32.

Zahlen und Fakten

Welche Realität steckt hinter der Aktion von Brigitte? Zunächst zeigen Studien, dass die Bevölkerung durchschnittlich immer dicker wird. Während diese These noch allgemein anerkannt wird, stimmen nicht alle Ernährungsexperten der Aussage zu, dass schon fast die Hälfte der deutschen Bevölkerung zu dick sei. Alleine die Frage, ab wann ein Übergewicht beginnt, wird unterschiedlich beantwortet. Unbestritten ist dagegen die Tatsache, dass Models heute über zwanzig Prozent weniger wiegen als "normale" Frauen. Diese Zahl lag vor dreißig Jahren noch bei acht Prozent.

Das Idealbild eines Models unterliegt schon immer Veränderungen: In den sechziger Jahren gibt es einen Aufschrei in der Öffentlichkeit als plötzlich Twiggy populär wird, die im Vergleich zu anderen Models dieser Zeit außergewöhnlich groß und schlank ist. Sie wird oft mit dem Begriff Kindfrau beschrieben. In den folgenden Jahrzehnten gibt es abwechselnd Zeiten, in denen Models sehr dünn sind, aber auch dann wieder mehr Rundungen haben dürfen. Im Moment scheint nun der Trend nur noch eine Richtung zu kennen: Models werden immer dünner. Das heißt, es gibt eine gegenteilige Entwicklung: Die Bevölkerung nimmt zu und die Models immer mehr ab. Wie soll sich also eine "normale" Frau mit der Mode und den Models identifizieren, wenn beide Maße soweit voneinander abweichen?

Brigitte "streikt"

Die Zeitschrift Brigitte hat daraus den Schluss gezogen, zukünftig komplett auf die "Magermodels" zu verzichten. Während ein Großteil der Frauen die Aktion begrüßt, gibt es auch kritische Stimmen, die nicht ganz von der Hand zu weisen sind. Die Frage, die vor allem Vertreter der Modebranche stellen: Sollen Modepräsentationen wirklich realitätsnah sein oder eine "Illusion" darstellen, wie in einem Zitat von Karl Lagerfeld zu lesen ist. Kleidung von großen Modeschöpfern ähnelt oft eher einem Kunstwerk und existiert nur in einzelnen Stücken, sie hat somit keinen Bezug zur alltäglichen Welt. Andererseits häufen sich auch die Einwände, dass die mageren Models für viele Menschen gar nicht mehr ästhetisch aussehen.

So mancher sieht in der Meldung, dass Brigitte zukünftig nur noch mit Laien-Models arbeiten wird, sogar eine Revolution der gesamten Modebranche. Dies ist jedoch fraglich, denn bei genauerem Hinsehen fällt auf, dass es selbst bei Brigitte Ausnahmen geben wird: Zwar werden keine eigenen Fotostrecken mit Models mehr produziert, aber Brigitte behält sich durchaus vor, weiterhin Fotos von Modeshows zu zeigen und auch Artikel mit Fotos von Agenturen zu bebildern auf denen Models zu sehen sind. Es handelt sich also wenn überhaupt nur um ein "Revolutiönchen" und das beschränkt sich vorerst allein auf Brigitte und wird wohl kaum Einfluss auf Trendsetter wie die Vogue oder die Laufsteg-Schauen haben. Doch vielleicht treten wirklich zukünftig Frauen mit dem einen oder anderen zusätzlichen Kilogramm selbstbewusster auf, in dem Wissen: Geschmäcker sind doch verschieden, Hauptsache Frau fühlt sich wohl in ihrer Haut…

Autorin: Dorothee Ragg, Platinnetz-Redaktion
Datum: 13. Oktober 2009

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