Gentechnik in Mais und Co – warum nicht nur Greenpeace warnt

Genetisch veränderte Lebensmittel locken mit wirtschaftlichen Vorteilen und setzen sich daher langsam auf dem Weltmarkt durch. Aber sie bringen auch viele Risiken mit sich. Greenpeace und unabhängige Wissenschaftler bringen immer weitere Beweise auf den Tisch, die zeigen wie schädlich Gentechnik sein kann.

Sie heißen MON810 oder NK603. Von außen betrachtet sehen sie aus wie ganz normale Maiskörner, doch im Inneren gibt es einen gravierenden Unterschied zu dem Mais, der beim Nachbarbauern auf dem Feld wächst: Ihre Gene sind von Menschenhand verändert.

Warum überhaupt Gentechnik?

Die Gründe, die für die Gentechnik sprechen, sind vor allem wirtschaftlicher Natur. So kann man durch die Veränderung von Genmaterial erreichen, dass die Pflanzen beispielsweise resistenter gegen Schädlingsbefall werden. Als Konsequenz muss man weniger Insektenvernichtungsmittel einsetzen. Es ist sogar möglich, die Pflanzen so zu verändern, dass sie eine Art eigenes Insektengift produzieren. Für den Handel ist das ein entscheidender Vorteil. So wurde nicht nur Mais, sondern auch andere Pflanzen wie Soja, Kartoffeln oder Baumwolle genetisch verändert. Durch die neuen, von Menschenhand hergestellten Sorten, konnten die Ertragsquoten gesteigert und aufgrund des niedrigeren Einsatzes von Schädlingsbekämpfungsmitteln sogar die Umwelt geschont werden, so die Verfechter der Gentechnik. Doch allein so positiv sind die Aussichten nicht.

Greenpeace warnt vor Gefahren

Vor allem Greenpeace warnt vor der Gentechnik. Und das aus vielen verschiedenen Gründen. Denn hat sich beispielsweise veränderter Mais einmal ausgebreitet, ist diese Veränderung nicht mehr zurückzunehmen. Denn wie in der Natur vorgesehen, vermischt er sich langsam mit anderen Maissorten und die manipulierten Gene breiten sich aus. So können kleine Änderungen schnell größere Auswirkungen haben. Davor warnt Greenpeace und mahnt an, dass die Folgen nicht abschätzbar sind. Vor allem, weil neue wissenschaftliche Untersuchungen ergeben, dass sich bei Ratten, die eine bestimmte Sorte von genetisch bearbeitetem Mais gefressen haben, die Blutwerte in Leber und Nieren veränderten. Noch ist das keine gravierende Veränderung, aber dieses Beispiel zeigt, welche unberechenbaren Auswirkungen genetisch veränderte Lebensmittel haben können. Und auch die so viel gepriesene Resistenz gegenüber Schädlingsbekämpfungsmittel kann für den Menschen zum Eigentor werden. Was, wenn sich beispielsweise eine Antibiotika-Resistenz entwickelt und auf den Menschen übergeht? Der Eingriff in die perfekte Harmonie der Natur kann also weitaus größere Probleme hervorbringen als nur moralische Bedenken.

Was Greenpeace fordert

Vor den Auswirkungen von genetisch veränderten Lebensmitteln warnt Greenpeace schon lange. Doch erst langsam kommen Forschungsergebnisse an die Öffentlichkeit, die diese Warnungen bestätigen. So wurde beispielsweise der von der US-Firma Monsanto gezüchtete Mais MON810 zunächst in der EU zugelassen. Doch dabei haben sich die europäischen Experten auf Studien der Herstellerfirma verlassen, unabhängige Forschungsergebnisse förderten jetzt die erwähnten veränderten Blutwerte bei den Ratten zutage. Daher fordert Greenpeace jetzt, dass die EU-Richtlinien verschärft werden. Von Deutschland, wo jetzt der Anbau von genmanipulierten Lebensmitteln wie dem Mais MON810 zwar verboten ist, würde Greenpeace gerne einen stärkeren Einsatz auf EU-Ebene sehen. Außerdem soll weiter an genetisch veränderten Lebensmitteln geforscht werden. Ein Ausrutscher wie beim blinden Vertrauen in die Studien der Hersteller soll nicht nur auf Wunsch der Greenpeace nicht mehr vorkommen.

Konsequenzen für den Verbraucher

Die genetisch veränderten Lebensmittel landen zwar nicht direkt auf unseren Tellern, denn ein Eingriff in Lebensmittel wie Gemüse, Obst oder Fleisch ist verboten. Aber immer wieder tauchen auch in normalen Lebensmitteln Spuren von genetisch veränderten Materialien auf. Häufig sind das Importwaren aus den USA oder asiatischen Ländern, aber auch in deutschen Produkten wurde schon gentechnisch verändertes Soja gefunden. Ob aus Zufall oder bewusst vom Hersteller eingesetzt – für eine komplette Abwendung von der Gentechnik ist es zu spät. Was von Greenpeace und anderen Organisationen daher schon lange gefordert und schon umgesetzt wurde, ist es, dem Kunden klar kenntlich zu machen, ob es sich um genetisch veränderte oder naturbelassene Lebensmittel handelt. Dafür wurde im letzten Jahr in Deutschland ein Siegel eingeführt. Ein grünes Label mit der Aufschrift „Ohne Gentechnik“ darf jetzt überall prangen, wo man sich sicher sein kann, dass die Auflagen eingehalten werden. Eine weitere Sicherheit für den Kunden ist die neue EU-Regelung. Neuerdings herrscht Kennzeichnungspflicht, wenn in einem Produkt genetisch veränderte Zutaten enthalten sind. Allerdings sind diese Hinweise oft auf der Verpackung versteckt. Genaues Hinsehen lohnt sich also. Ganz auf der sicheren Seite ist man als Kunde, wenn man sich auf die Experten verlässt. Informieren kann man sich bei Ökotest oder TransGen, einer Webseite, die sich um Transparenz für Gentechnik bei Lebensmitteln kümmert.

Autorin: Julia Heilig, Platinnetz-Redaktion

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