Die Angst vor Schweinegrippe

2009 sorgte eine Pandemie weltweit für Aufregung und Angst in der Bevölkerung: Die Schweinegrippe oder auch Pandemie H1N1 2009/10 genannt. Im Januar 2010 wurde die von der Schweinegrippe verursachten Todesfälle auf mindestens 15.174 Tote geschätzt.

Inzwischen wurde die Schweinegrippe in 209 Ländern nachgewiesen, wo das klinische Bild weitgehend ähnlich zu sein scheint: Die meisten von der Schweinegrippe betroffenen Patienten erkranken nur leicht, es gibt jedoch eine geringe Zahl von sehr schweren, teilweise tödlichen Verläufen. Auffällig ist die hohe Zahl von jüngeren Todesopfern, während die älteren, etwa ab 60 Jahren, weniger oft versterben. In diesem Zusammenhang wurde festgestellt, dass die ältere Bevölkerung Antikörper besitzt, die gegen die Schweinegrippe wirksam sind und die mit einem – der Schweinegrippe ähnlichen – Virus Mitte des 20. Jahrhunderts zu tun haben müssen. Die an der Schweinegrippe verstorbenen waren durchschnittlich 53 Jahre alt.

Warum sagt man Schweinegrippe?

Der Name Schweinegrippe rührt daher, dass die H1N1-Influenza-Variante eine Mischform aus zwei Influenzaviren ist, die zuvor bereits in Schweinepopulationen zirkulierten. Das H1N1-Influenza-Virus wurde selbst aber nie aus Schweinen isoliert. Die zwei Influenza-Varianten sind also nicht die direkten Erreger der menschlichen Schweinegrippe. Aus diesem Grund ist die Schweinegrippe strikt von der Vogelgrippe zu unterscheiden, da die Verbreitung nachweislich bisher nur von Mensch zu Mensch übertragen wurde und es sich daher nicht um eine sogenannte Tierseuche handelt. Weil der Bezug auf die Vogelgrippe jedoch aufgrund der Bezeichnung "Schweinegrippe" entstehen kann, wurde der vor allem von den Medien gebrauchte Name vielfach kritisiert. Alternative Bezeichnungen für die Schweinegrippe sind "Mexikanische Grippe", "Nordamerikanische Grippe" oder "Neue Grippe".

Wie wurde die Schweinegrippe zur Pandemie?

Ein Subtyp des Schweinegrippe-Virus wurde im April 2009 bei zwei Patienten in den USA entdeckt, die zuvor unabhängig voneinander erkrankt waren. In Mexiko zeigte sich kurz darauf eine Häufung solcher Krankheitsfälle. Die Gesundheitsbehörden waren dort auf den Beginn der Epidemie aufmerksam geworden, weil sich bei jüngeren Personen die Erkrankungen an Lungenentzündung häuften. Genauere Untersuchungen zeigten Hinweise auf eine Verschleppung der Viren über die Landesgrenzen. Bereits Ende April warnte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) vor einer globalen Verbreitung des Virus, also einer Pandemie. Ab sofort war weltweit von der Schweinegrippe die Rede und Anfang Juni 2009 rief die WHO die höchste Alarmstufe aus. Vor allem wurde die Schweinegrippe mit einer solchen Besorgnis betrachtet, weil man die Wiederholung einer Influenza-Pandemie wie die der Spanischen  Grippe befürchtete, die zwischen 1919 und 1920 50 Millionen Todesopfer forderte.
Nach den ersten Erkrankungen in Mexiko zeigte sich, dass bei der Schweinegrippe betroffene Personen häufiger von schweren Krankheitsverläufen betroffen waren als bei der normalen saisonalen Grippe. Erste Berechnungen zeigten, dass der Virus ansteckender und die von ihm ausgelöste Erkrankung tödlicher war. Das bedeutet, dass die Anzahl der Todesfälle im Verhältnis zur Anzahl der Erkrankten höher war als bei der saisonalen Grippe.
Als man erkannte, dass die Ausbreitung der Schweinegrippe nicht mehr gestoppt werden konnte, wurde beschlossen, einen Impfstoff zu produzieren. Obwohl der Impfstoff nach Untersuchungen als nicht oder nur unzureichend wirksam eingestuft wurde, hatte man sich darauf geeinigt, da im Frühsommer 2009 noch nicht abzusehen war, ob die Schweinegrippe bis zur Grippesaison über die saisonale Grippe dominieren würde. Die in Deutschland zu Anfang nur schleppend verlaufene Impfaktion begann am 26. Oktober 2009, bevor die Nachfrage dann Anfang November anstieg.
Seit Dezember 2009 ist die Zahl der Neuerkrankungen rückläufig. Bis Ende Februar 2010 gab es insgesamt 225.000 bestätigte Fälle von Schweinegrippe. Darunter gab es 235 Todesfälle, die meisten im November. Auch nach Angaben der WHO waren die Neuinfektionen – obwohl noch weit verbreitet – seit Dezember 2009 auf der Nordhalbkugel rückläufig. Die Verbreitung der Schweinegrippe wurde im Januar 2010 sowohl für Mittel- und Westeuropa als auch für Nord- und Südamerika als niedrig eingestuft. In Osteuropa, wo die Bevölkerung schwerer betroffen war, sei die Tendenz laut WHO fallend gewesen. Während die Epidemie bis dato mindestens 14.142 Todesopfer forderte, seien Anfang 2010 weltweit weniger als 600 Todesfälle aufgetreten.

Autor: Marcel Exner, Platinnetz-Redaktion

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