Tinnitus – das ständige Ohrensausen

Der Tinnitus ist ein andauerndes Geräusch, das nur der Betroffene selbst hören kann. Summen, klopfen, pfeifen oder klingeln – die Wahrnehmungen sind verschieden. Wird Tinnitus rasch behandelt, kann ein ständiges Ohrengeräusch verhindert werden. Doch auch bei chronischem Tinnitus kann man etwas tun.

Tinnitus ist keine eigenständige Krankheit, sondern vielmehr ein Symptom, das bei verschiedenen Krankheitsbildern auftreten kann. Ähnlich wie Schmerzen ist Tinnitus ein Warnsignal für körperliche oder seelische Überlastung.

Tinnitus ist keine Krankheit

Der Tinnitus kann fast schon als Volksleiden bezeichnet werden. Ungefähr jeder Vierte hat schon einmal unter kurzfristigen Ohrgeräuschen gelitten. Während aber nach einem lauten Konzert schon mal für eine kurze Zeit die Ohren klingeln, leiden rund 10 Prozent der Deutschen unter einem ständigen Geräusch in den Ohren, dem Tinnitus, einer Störung der Hörfunktion. Die Art der Geräusche ist vielseitig und klingt bei jedem anders. Während es sich für die einen wie ein ständiger hoher Fiepton anhört, ist es für die anderen ein Rauschen, vergleichbar mit einem vorbeifahrenden Zug. Die Lautstärke, mit der diese Geräusche wahrgenommen werden, ist dabei unterschiedlich und kann von ganz leisem Hintergrundrauschen bis zu einem permanent laut wahrgenommenem Summen reichen. Auch für jemanden, der nicht unter Tinnitus leidet, wird es so nachvollziehbar, wieso Tinnitus belastend sein kann.

Wird Tinnitus von Stress ausgelöst?

Da Tinnitus an sich keine Krankheit, sondern häufig ein Warnsignal für ein anderes Krankheitsbild ist, muss man sich bei der Ursachenforschung auf viele verschiedene Richtungen konzentrieren. Ausgelöst wird er beispielsweise, wenn man am Arbeitsplatz permanent großer Lautstärke ausgesetzt ist. Auch bei einer Ohrenentzündung, nach Tauchunfällen oder sogar bei Problemen mit der Halswirbelsäule kann Tinnitus entstehen. Tinnitus kann außerdem ein Hinweis auf einen bevorstehenden Hörsturz oder auf die Krankheit Morbus Menière sein, bei der zum Tinnitus noch plötzliche Schwindelanfälle dazukommen. Doch neben diesen medizinisch klar nachvollziehbaren Krankheiten wird Tinnitus auch bei über der Hälfte der Betroffenen als ein von Stress ausgelöstes Syndrom vermutet. Zumindest kann Stress den Tinnitus verstärken, darüber ist sich die Fachwelt einig. Wichtig bei diesen unterschiedlichen möglichen Ursachen ist also eine genaue Untersuchung vom Arzt. Denn erst wenn man weiß, wovon Tinnitus ausgelöst wurde, kann man ihn richtig behandeln.

Tinnitus rechtzeitig behandeln

Ob Tinnitus chronisch wird oder nur vorübergehend wahrgenommen wird, hängt davon ab, wie schnell der Betroffene behandelt wird. Bei plötzlichem Auftreten von Ohrgeräuschen rät die Deutsche Tinnitus-Liga trotzdem, erst einmal Ruhe zu bewahren und sich so richtig auszuschlafen. Optimal ist es in der akuten Zeit einen Gehörschutz bei Tinnitus zu tragen. Manchmal verschwindet der Tinnitus dann von selbst wieder, Entspannung kann hier Wunder bewirken. Sind die Ohrgeräusche auch am nächsten Morgen noch da, sollte man allerdings dringend den HNO-Arzt aufsuchen. Denn beim Tinnitus gilt: Je früher man sich behandeln lässt, desto besser. In 70 Prozent der Fälle von akutem Tinnitus können die Ohrgeräusche bei rascher Behandlung wieder völlig verschwinden. Je nach Ursache helfen verschiedene Methoden, beispielsweise durchblutungsfördernde Medikamente. Da auch Stress eine große Rolle spielt, werden zudem Entspannungsmethoden empfohlen. Ist der Tinnitus stark, kann auch ein Klinikaufenthalt oder eine längere Krankschreibung helfen, um sich von den Belastungen Zuhause oder im Büro zu erholen. Dauert der Tinnitus allerdings mehrere Monate an, sinken die Heilungschancen und man wird die Ohrgeräusche unter Umständen gar nicht mehr los.

Mit dem Tinnitus leben

Wer unter Tinnitus leidet, hat häufig mit Problemen wie Konzentrationsschwierigkeiten, Schlafstörungen oder depressive Stimmungen zu kämpfen. Die seelische Belastung nimmt durch diese Folgen weiter zu. Aber auch wer Tinnitus nicht mehr los wird, hat vielerlei Möglichkeiten, um mit dem ständigen Ohrgeräusch zurechtzukommen. Auf der einen Seite gibt es Methoden, um das Geräusch zu überdecken. Sanfte Klänge helfen beim Einschlafen, eine speziell auf das Summen im Ohr abgestimmte Musiktherapie kann den Tinnitus langfristig mindern. Außerdem können Psychologen dabei helfen, das Geräusch ganz bewusst zu ignorieren oder zumindest nicht so wichtig zu nehmen. „Machen Sie den Tinnitus nicht zu Ihrem Lebensmittelpunkt“ rät auch die Deutsche Tinnitus-Liga. Oft wird das Ohrgeräusch für den Patienten dann angenehmer. Aber auch bewusst mit dem Tinnitus zu leben und ihn in den Alltag hineinzunehmen, kann helfen. So wird gerade bei Tinnitus geraten, sich in Selbsthilfegruppen auszutauschen. Denn viele Tinnitus-Patienten fühlen sich isoliert, da ja schließlich nur sie die Geräusche hören können. Daher kann es den Betroffenen sehr helfen, sich mit anderen Erkrankten auszutauschen, die wissen, wie man mit dem ständigen Ohrensausen am besten umgeht.

Autorin: Julia Heilig, Platinnetz-Redaktion

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