Welche Psychotherapie hilft bei Depressionen?

Wer an seelischen Problemen leidet, kommt irgendwann alleine nicht mehr weiter. Doch wo holt man sich professionelle Hilfe? Geht man zum Therapeuten, zum Psychiater, oder zum Psychologen? Hier finden Sie eine kleine Hilfestellung für die Suche nach der richtigen Therapie.

Wer seine seelischen Probleme nicht mehr allein bewältigen kann, sollte sich dafür ebenso selbstverständlich professionelle Hilfe besorgen, wie bei einer körperlichen Erkrankung. Die Ursachen einer Depression zum Beispiel liegen nicht in jedem Fall gleich auf der Hand. Ein ausgebildeter Therapeut kann sie aufspüren und helfen, sie in den Griff zu bekommen.

Wann zur Psychotherapie?

Eine Phase der Traurigkeit hat jeder einmal. Das ist normal und nicht besorgniserregend. Dauert diese Phase aber über viele Wochen oder Monate an, kann es sich um eine Depression handeln. Die Depression geht viel tiefer als die übliche Traurigkeit. Betroffene sind völlig antriebslos und beschreiben Gefühle der Angst, Hoffnungslosigkeit, der totalen inneren Leere und der Wertlosigkeit. Sie können sich zu alltäglichen Dingen nicht mehr aufraffen, sind ständig müde, haben keinen Appetit und leiden unter Schlafstörungen. Depressive haben kein Interesse mehr an Dingen und Hobbys, denen sie vor der Depression nachgegangen sind und an denen sie Freude hatten. Die gedrückte Stimmung eines Betroffenen ist nicht abhängig von äußeren Umständen und nichts kann sie beeinflussen. Im schwersten Fall kommen Selbstmordgedanken auf, weil das Leben keine Freude und keinen Sinn mehr zu bieten scheint und man sich nicht vorstellen kann, dass sich das jemals wieder ändern wird.

Auch körperliche Symptome wie Magen-Darm-Beschwerden, Übelkeit oder chronische Schmerzen können hinzukommen.

Hat die Krankheit einen fest im Griff, kommt man allein aus ihr nicht mehr heraus. Antriebslosigkeit und das Gefühl, dass alles sinnlos ist, sind ja gerade Symptome der Depression. Professionelle Hilfe ist nötig und meist ist auch ein Freund oder Partner nötig, der den Betroffenen dort hin begleitet. Hat man sich das einmal eingestanden, steht man vor der Herausforderung, die richtige Psychotherapie zu finden. Auf dem Markt tummeln sich Psychologische Psychotherapeuten, Psychologen, Ärztliche Psychotherapeuten, Psychiater und, und, und…

Welche Psychotherapie ist die richtige?

Psychotherapie ist ein Sammelbegriff für alle Behandlungen, die die Seele betreffen. Eine Psychotherapie kann Hilfe bieten bei Problemen des Fühlens, Erlebens und Denkens. Auch bei psychosomatischen Problemen kann sie hilfreich sein. Von psychosomatischen Problemen spricht man, wenn die Seele, also die Psyche, Probleme hat, die sich auf den Körper, also das Soma, auswirken. Dazu zählen zum Beispiel Magen-Darm-Probleme ohne körperlichen Befund.

Für eine erfolgreiche Psychotherapie ist es nötig, dass der Patient selbst in der Lage und willens ist, mit zu arbeiten. Er muss den Willen haben, an seiner Situation etwas zu ändern und er muss anfangs mindestens bereit sein, einmal in der Woche zur Psychotherapie zu gehen und sich dem Therapeuten zu öffnen. Ist so viel Belastbarkeit nicht mehr gegeben, sollte man an eine stationäre Psychotherapie denken.

Bei dem Begriff „professionelle Hilfe“ fällt den meisten sofort der Psychologe ein.

Ein Psychologe hat ein Psychologie-Studium abgeschlossen. Er hat umfangreiches, wissenschaftlich fundiertes Wissen über menschliches Denken, Fühlen und Handeln, das er erklären, vorhersagen und eventuell beeinflussen und verändern kann. Durch eine Zusatzausbildung kann er sich zum Psychotherapeuten weiterbilden. Viele Diplom-Psychologen wählen jedoch ein anderes Arbeitsfeld, zum Beispiel im wirtschaftlichen Bereich in Personalabteilungen großer Unternehmen.

Psychotherapeut ist ein geschützter Begriff. Es gibt den Psychologischen Psychotherapeuten und den Ärztlichen Psychotherapeuten. Der erste ist ein studierter Psychologe, der zweite ein studierter Mediziner. Beide haben zusätzlich zu ihrem Studium eine dreijährige psychotherapeutische Ausbildung abgeschlossen und besitzen die staatliche Anerkennung ihrer Qualifikation durch die Approbation.

Psychotherapeuten, ob nun von Haus aus Psychologen oder Mediziner, sind in jedem Fall seriös und vertrauenswürdig. Sie wissen genau, welche Therapie zur Behandlung einer Depression die richtige ist. Sie haben gelernt, ihre Patienten dabei zu unterstützen, die individuellen Ursachen ihrer Probleme zu finden und können helfen, alte Denk- und Verhaltensmuster aufzubrechen und den Geist für eine neue Denkweise zu öffnen. Medikamente werden dabei nicht eingesetzt. Einem Psychotherapeuten kann man sich grundsätzlich bedenkenlos anvertrauen. Trotzdem sollte man auch während der Psychotherapie immer in sich hinein hören, ob man sich mit der gewählten Therapieform wohl fühlt.

Einen anderen Ansatz hat der Psychiater. Er ist ein Mediziner, ein Facharzt, der von der körperlichen Seite an die seelischen Probleme herangeht. Ein Psychiater hat nach seinem Medizinstudium eine mehrjährige Facharzt-Ausbildung absolviert. Er hat Kenntnisse im Bereich der körperlichen Entstehung von Krankheiten und bekämpft seelische Probleme in erster Linie mit Medikamenten, den Psychopharmaka. Einige Depressionen zum Beispiel werden unter anderem durch eine Veränderung der Aktivität der Neurotransmitter Serotonin und Noradrenalin ausgelöst. Das kann man durch Medikamente in den Griff bekommen. Psychiater führen den Titel „Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie“ oder „Facharzt für Psychotherapeutische Medizin“. Der Zusatz „Psychotherapie“ setzt allerdings die dreijährige Zusatzausbildung zum Therapeuten voraus. Einen Psychiater sollte man dann aufsuchen, wenn ausschließlich eine körperliche Ursache für die Depression vorliegt. In allen anderen Fällen ist ein Psychotherapeut die richtige Wahl.

Vorsicht ist geboten bei Heilpraktikern, die therapeutische Dienste anbieten. Heilpraktiker sind dann berechtigt, eine Psychotherapie durchzuführen, wenn sie über eine Erlaubnis nach dem Heilpraktikergesetz verfügen. Dazu muss eine entsprechende Prüfung beim Gesundheitsamt abgelegt werden. Diese Prüfung erfordert kein Studium und kann im Grunde von jedem absolviert werden. Eine Ausbildung zum Psychotherapeuten ist keine Voraussetzung für die Prüfung, so dass es unter Heilpraktikern große qualitative Unterschiede gibt. Bei der Wahl seines Therapeuten sollte man daher darauf achten, dass zusätzlich zur Prüfung eine seriöse Aus- oder Weiterbildung absolviert wurde.

Die Wahl der richtigen Psychotherapie

Die Liste der verschiedenen Therapieformen ist umfangreich. Jeder Mensch hat ein individuelles Problem, das eine individuelle Therapie erfordert. Die meisten Therapeuten kombinieren daher verschiedene Formen wie zum Beispiel die Gesprächs- und Verhaltenstherapie miteinander. Welche Form die richtige ist, muss der Therapeut im Einzelfall entscheiden. Er sollte seinen Patienten aber vorher über die gewählte Therapie informieren und ihm nichts aufzwingen. Es ist für den Erfolg der Psychotherapie ganz entscheidend, dass der Patient sich gut aufgehoben fühlt und Vertrauen zum Therapeuten hat. Fühlt man sich schon beim ersten Gespräch unwohl, sollte man eine andere Praxis aufsuchen. Adressen bekommt man zum Beispiel bei den örtlichen Krankenkassen und dem Psychotherapie-Informations-Dienst (PID). Dort kann man auch erfahren, wer die kassenärztliche Zulassung hat.

Die Krankenkassen übernehmen die Kosten nicht bei jeder Therapie. Bei einer Depression übernehmen sie die Kosten jedoch im Regelfall, da eine Depression einen „Krankheitswert“ darstellt. Eine Überweisung ist nicht nötig, man kann den Therapeuten direkt aufsuchen. Die Abrechnung erfolgt über die Versichertenkarte direkt durch den Therapeuten mit der Krankenkasse.

Im Fall einer Depression ist eine Psychotherapie unbedingt nötig. Qualifizierte Therapeuten können helfen, in kleinen Schritten die Freude am Leben zurück zu erlangen. Man sollte sich daher nicht scheuen, Hilfe anzunehmen.

Autorin: Elke Liermann, Platinnetz-Redaktion

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