Vertrauensmissbrauch – Wege aus der Enttäuschung

Wessen Vertrauen schon einmal ausgenutzt wurde, der kennt das schmerzhafte Gefühl tiefer Enttäuschung, das danach zurückbleibt. Ob vom Partner, von einem guten Freund oder einem Familienmitglied – ein Vertrauensmissbrauch kommt einem Betrug gleich und zerstört die Basis der Beziehung. Wie kann man damit fertig werden?

Unser Vertrauen in andere Menschen hält nicht nur Partnerschaften, sondern die gesamte Gesellschaft im Inneren zusammen. Würden Sie nicht zu der Annahme fähig sein, dass Ihnen Ihr Gegenüber grundsätzlich wohlgesonnen ist, wäre für Sie die Liebe genauso unmöglich wie jegliche andere zwischenmenschliche Beziehung. Auch die Mechanismen in Politik und Wirtschaft beruhen zu einem großen Teil auf Vertrauen. Und ebenso wie im Privatleben, kann es auch hier bitter enttäuscht werden.

Privater Vertrauensmissbrauch

Privater Vertrauensmissbrauch verletzt weit mehr als ein gesellschaftlicher. So wird der Betrug des Partners schmerzhafter empfunden als zum Beispiel ein nicht eingehaltenes Wahlversprechen eines Politikers. Einer der größten Vertrauensmissbräuche innerhalb einer Beziehung ist ein Seitensprung. Eine Studie hat gezeigt, dass die Folgen eines Betruges beim betrogenen Partner ähnliche Ausmaße annehmen können wie eine posttraumatische Belastungsstörung, an der Menschen zum Beispiel nach einem Überfall, einer Vergewaltigung oder einem Kriegseinsatz leiden können. Übrig bleiben nicht nur Wut und Enttäuschung, sondern auch Selbstzweifel und ein generell zerstörtes Vertrauen. Das problematischste hierbei ist, dass einige Menschen noch sehr lange, vielleicht sogar für den Rest ihres Lebens unter diesem Vertrauensbruch leiden. Sie können nicht nur dem untreuen Partner nicht mehr vertrauen, sondern auch zukünftigen Partnern keinen uneingeschränkten Glauben mehr entgegenbringen.

Der Weg aus der Enttäuschung

Um über einen erlittenen Vertrauensmissbrauch hinweg zu kommen, braucht jeder Mensch unterschiedlich lange. Dem einen hilft es, sofort wieder unter Leute zu gehen, ein anderer braucht vielleicht eine gewisse Zeit der Isolation. Es gibt kein Patentrezept, um den Schmerz möglichst schnell zu überwinden. Selbstreflexion ist dabei zwar gesund und wichtig, kann aber auch übertrieben werden. Betrachten Sie sich und Ihr Verhalten kritisch, aber quälen Sie sich nicht mit übertriebenen Selbstvorwürfen. Geben Sie nicht nur sich die Schuld an allem, was schief gegangen ist – zu einem Konflikt gehören immer zwei Menschen. Bestrafen Sie sich nicht mit Einsamkeit, sondern werden Sie aktiv – engagieren Sie sich zum Beispiel ehrenamtlich oder verreisen Sie. Seien Sie ruhig vorsichtig, bevor Sie jemanden erneut Ihr Vertrauen schenken, aber geben Sie einem Menschen, der Sie mag, eine faire Chance. Vergleichen Sie ihn nicht mit demjenigen, der Ihr Vertrauen missbraucht hat.

Ein Vertrauensmissbrauch ist nicht nur reine Kopfsache

Forscher haben herausgefunden, dass das körpereigene Hormon Oxytocin in Zusammenhang mit unserer Fähigkeit steht, Vertrauen zu einem anderen Menschen zu fassen. In mehreren Tests bewiesen Wissenschaftler von der Züricher Universität, dass dieses Sozialhormon nicht nur die elterliche Bindung vertieft, sondern auch für soziale Nähe sorgt. Es steigert die Bereitschaft, bei sozialen Interaktionen auch Risiken einzugehen, weil man seinem Gegenüber vertraut. Das gilt sowohl im privaten als auch im gesellschaftlichen Bereich, wie bei einer geschäftlichen Partnerschaft. Die Wissenschaftler gaben einigen Probanten zusätzliche Dosen des Sozialhormons und stellten fest, dass sich deren Bereitschaft, anderen zu vertrauen, steigerte. Je mehr Oxytocin in unserem Körper vorhanden ist, desto stärker ist also unser Zutrauen anderen Menschen gegenüber. Vertrauen ist demnach nicht bloß reine Gefühls- oder Kopfsache und lässt sich deshalb auch trotz besseren Wissens nicht immer einfach abschalten.

Autorin: Anne Bartel, Platinnetz-Redaktion

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