Haare färben: Wird es ohne Frisör günstig oder ungesund?

„Rund ein Drittel aller Frauen in Europa und Nordamerika färbt sich die Haare, ebenso etwa zehn Prozent der Männer über 40 Jahre.“ Das weiß das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Viele Menschen setzten sich demnach regelmäßig Chemikalien aus, die seit 2001 unter dem Verdacht stehen, krebserregend zu sein.

Eine Auswertung epidemiologischer Untersuchungen aus den USA lieferte im Jahr 2001 Hinweise auf ein erhöhtes Risiko von Harnblasenkrebs bei Frisören und Verbrauchern, die Haarfärbemittel insbesondere aus der Zeit vor 1985 verwendet hatten. In der Folge gerieten Haarfärbemittel in den Fokus der Gesundheitsbehörden und gefährliche Stoffe wurden erkannt und verboten. Aus diesem Grund lässt sich heute feststellen, dass ein „Krebsrisiko durch Haarfärbemittel für Verbraucherinnen und Verbraucher nicht“ besteht, weiß BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel. Ungefährlich sind die Chemikalien, die direkten und intensiven Kontakt mit der Kopfhaut haben, jedoch trotzdem nicht – egal ob man sich die Haare professionell beim Frisör färben lässt oder zu einem Haarfärbemittel für Zuhause greift.

Ob beim Frisör oder Zuhause: Beim Färben ist Chemie im Spiel

Die Grundbausteine des Haares sind die Elemente Kohlenstoff, Sauerstoff, Stickstoff, Wasserstoff und Schwefel. Die Hornsubstanz Keratin, die rund um das Haar liegt, besteht aus Aminosäuren und Eiweißen. Beim Färben der Haare „sprengt“ der Frisör diese Schutzschicht, greift in das Innere der Haare ein und verändert die natürlichen Farbpigmente. Die neue Farbe entsteht durch im Färbemittel enthaltene Farbstoffteilchen, die erst im Inneren des Haares oxidieren und den gewünschten Farbton bilden. Durch das Mischverhältnis des Färbemittels kann der Frisör die verschiedensten Farb-Nuancen erreichen.
Ein herkömmliches, käufliches Haarfärbemittel, wie man es etwa im Drogeriemarkt bekommt, besteht aus zwei Komponenten: Einem Oxidationsmittel (meist Wasserstoffperoxid) und dem jeweiligen Färbemittel für den gewünschten Farbton. Durch das Oxidationsmittel wird das Haar zunächst aufgehellt, um die anschließende Färbung annehmen zu können. Da diese herkömmlichen Oxidationsmittel den natürlichen schwarzen Farbstoff stärker angreifen als den roten, sind im Färbemittel auch immer blaue Farbpigmente enthalten. Diese gleichen die unausgewogene Aufhellung aus und sorgen dafür, dass das gefärbte Haar keinen unbeabsichtigten orangefarbenen Stich erhält.
Eine solche dauerhafte Färbung des Haars ist nicht auswaschbar. Die einzige Möglichkeit, diese Haarfarbe wieder loszuwerden ist erneutes Färben oder sie auswachsen zu lassen – das Haar wächst pro Monat etwa einen Zentimeter. Aus diesem Grund sollte man, möchte man sich zum ersten Mal die Haare färben, lieber zunächst den Frisör aufsuchen. Er weiß, welche Farbe zu Ihrem Teint passt und welche Farbmischung benötigt wird, um am Ende die gewünschte Haarfarbe zu erhalten. Färben Sie sich die Haare selbst, sparen Sie zwar die Beratung beim Frisör, gehen jedoch auch das Risiko ein, zur falschen Farbe zu greifen. Je nachdem wie Ihre natürliche Haarfarbe aussieht, kann das Ergebnis nach dem Färben nämlich anders ausfallen als auf der Packung angegeben.

Risikogruppe Frisör – Färbemittel kann Allergien auslösen

Auch wenn krebserregende Stoffe in Färbemitteln mittlerweile verboten sind, besteht jedoch weiterhin Forschungsbedarf „zum Problem der Allergien durch Haarfärbemittel“, so Hensel. Denn manche der enthaltenen Substanzen wirken sensibilisierend und können in der Folge allergische Reaktionen der Haut auslösen. Deshalb ist das Tragen von Handschuhen beim Haarefärben absolutes Muss. Besonders gefährdet ist in Bezug auf allergische Reaktionen allerdings der Frisör, der eben nicht einmal im Monat seine eigenen Haare färbt, sondern jeden Tag die mehrerer Kunden.
Zudem ist wissenschaftlich noch nicht vollständig geklärt, inwiefern bestimmte Chemikalien aus dem Färbemittel über die Kopfhaut auch in den Körper gelangen können. Aus diesem Grund sollte man nicht leichtfertig mit den Chemikalien umgehen und sie, wenn überhaupt, nur so sparsam wie möglich verwenden.
Eine Alternative zum aggressiven Haarefärben mittels Chemikalien ist das Färben mit Henna, der wohl ältesten Haarfarbe der Welt. Gewonnen wird Henna aus den Blättern und Sprossachsen des Hennastrauches und wurde bereits seit dem 14. Jahrhundert vor Christus von Frauen in Ägypten benutzt. Anders als beim chemischen Färben „knackt“ Henna nicht die Schutzschicht der Haare und zerstört die natürlichen Farbpigmente, sondern verändert die natürliche Haarfarbe durch einen Gärungsprozess. Der Grundfarbton wird also nur überdeckt, nicht verändert. Henna pflegt sogar ein Stück weit, indem es das Haar versiegelt. Das macht es jedoch weitgehend undurchlässig für konven­tionelle Haarchemie. Dauerwellen sind da nicht möglich, und wenn das Hennarot nicht gefällt, kann man es nicht einfach chemisch umfärben. Auch auswaschbar ist Henna in der Regel nicht vollständig. Meist bleibt ein roter Stich zurück, der auch nur durch Auswachsen wieder verschwindet.

Auch wenn es in der Natur des Menschen liegt, dass er sich immer gerade das wünscht, was er nicht hat, sollte man sich zweimal überlegen, ob man sein blondes Haar wirklich rot, sein braunes Haar tatsächlich schwarz färben möchte. Denn abgesehen davon, dass man seine Haare mit chemischen Färbemitteln, egal ob vom Frisör oder Drogeriemarkt, unnötig strapaziert und schädigt, setzt man Sie auch Stoffen aus, deren Risiko für den Menschen bis heute nicht vollständig erforscht ist.

Autorin: Anne Bartel, Platinnetz-Redaktion

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