Kinderbetreuung in der Ganztagsschule

Mit dem "Investitionsprogramm Zukunft Bildung und Betreuung" (IZBB) unterstützt die Bundesregierung den Auf- und Ausbau von Ganztagsschulen. Bis Ende 2009 fließen Zuschüsse in Milliardenhöhe in das neue Schulsystem. Wo liegen Vor- und Nachteile der Kinderbetreuung in der Ganztagsschule?

In Deutschland gibt es immer mehr Ganztagsschulen. Schon 20,9 Prozent der Schüler in Deutschland verbringen auch den Nachmittag in der Schule, machen dort ihre Hausaufgaben und werden individuell betreut. Das Zusammensein mit den Klassenkameraden auch beim Mittagessen und bei Aktivitäten am Nachmittag ist gut für die soziale Entwicklung der Schüler. Auch für die Eltern ist das Konzept attraktiv, ermöglicht es doch beiden Elternteilen, tagsüber ihrem Beruf nachzugehen ohne sich um eine weitere Kinderbetreuung kümmern zu müssen. Ganz besonders profitieren aber Alleinerziehende von der ganztägigen Kinderbetreuung.

Argumente für die Kinderbetreuung in der Ganztagsschule

Die Ganztagsschule sorgt für mehr soziale Gerechtigkeit und Chancengleichheit. Hier ist es nicht wichtig, ob die Eltern reich oder arm sind und ihren Kindern einen Nachhilfelehrer, den Sportverein oder die Musikschule bezahlen können. Die Kinderbetreuung in der Ganztagsschule bietet viele Freizeitaktivitäten am Nachmittag, an denen alle Kinder, ob arm oder reich, teilnehmen können. Auch die Frage, ob die Eltern selbst in der Lage sind, ihre Kinder bei den Hausaufgaben zu unterstützen, spielt keine Rolle bei der ganztägigen Kinderbetreuung. Hausaufgaben werden bereits in der Schule erledigt. Lehrer und andere pädagogische Fachkräfte stehen den Schülern jederzeit für Fragen zur Verfügung. So fällt es leichter, Lernschwierigkeiten rechtzeitig zu erkennen und zu beheben. Schüler, die sich in einem Fach unterfordert fühlen, kommen in Neigungsgruppen und Vertiefungsstunden auf ihre Kosten.Um einen Ausgleich zu schaffen, bieten Ganztagsschulen auch Lese- und Spielecken an, in denen sich die Schüler entspannen können. Auch kreative Aktivitäten haben einen festen Platz im Schulalltag. In einigen Schulen kochen die Schüler ihr Mittagessen gemeinsam und lernen so nebenbei etwas über gesunde Ernährung.

Argumente gegen die ganztägige Kinderbetreuung

Gegner der Ganztagsschule fürchten in erster Linie eine Entfremdung der Kinder von ihren Eltern, da die Familie nur am Abend zusammen kommt und wenig Zeit miteinander verbringen kann. Durch die ganztägige Kinderbetreuung inklusive Mittagessen haben die Eltern gleichzeitig wesentlich weniger Einfluss auf Bildung, Erziehung und Ernährung ihrer Kinder. Gegner argumentieren außerdem, dass den Schülern ihre Freizeitaktivitäten vorgegeben werden, und sie nicht frei entscheiden können, womit und mit wem sie ihre wenige Freizeit verbringen wollen. Selbstbestimmte Freizeit sei jedoch sehr wichtig für die persönliche Entwicklung. Auch die Fähigkeit zum Aufbau eines eigenen sozialen Netzwerks gehe verloren, wenn die Kinder ihre Freizeitpartner nicht selbst auswählen dürften. Da man ihnen in der Schule ständig Aktivitäten anbiete, z.B. Bericht schreiben, bestehe kein Anreiz, Selbständigkeit zu entwickeln. Auch für Kinder, die in der Schule dem Mobbing ihrer Mitschüler ausgesetzt sind, sei die ganztägige Kinderbetreuung ungeeignet. Gleiches gelte für Kinder, die an AD(H)S leiden. Ihre körperliche und psychische Leistungsfähigkeit werde in der Ganztagsschule überfordert.

Ganztagsschule oder Kinderbetreuung halbtags – beide Modelle haben Vorteile und Nachteile. Jeder muss also für sich und sein Kind entscheiden, welche Form ihm sinnvoll erscheint. Nutzt man die Vorteile der ganztägigen Kinderbetreuung oder fürchtet man die Entfremdung seiner Kinder? Will man selbst stark Einfluss auf die Erziehung des Sprösslings nehmen oder legt man sie vertrauensvoll in die Hände der Schule? Die Entscheidung muss in jedem Einzelfall gründlich durchdacht werden.

Autorin: Elke Liermann, Platinnetz-Redaktion

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