Neidfaktor Enkel – wenn Großeltern mehr Zeit wollen

Ist Familiennachwuchs unterwegs, freuen sich nicht nur die Eltern, auch die werdenden Großeltern sind oft voller Vorfreude auf ihr Enkelkind. Sind die ersten Monate der langen Schlafphasen erst einmal vorbei, wollen auch Omas und Opas Zeit mit den Kleinen verbringen. Ist dabei eine der Großeltern-Seiten im Vorteil, kommt es schnell zu Neid.

Für ein Kind ist es toll, noch zwei Omas und zwei Opas zu haben. Jede soziale Bindung ist ein Plus an Vorbereitung auf sein späteres gesellschaftliches Leben. Unterschiedliche Umgangsformen oder Erziehungsmethoden sollten dabei nicht in Konkurrenz zueinander stehen, sondern sich durch gute Absprachen ergänzen. Und auch wenn hier das Gleichgewicht zwischen den Großeltern hergestellt werden kann, kommt es oft dazu, dass eines der Großelternpaare das Gefühl hat, dass es weniger Zeit mit dem Enkel verbringt als das andere Großelternpaar. Ob dieses Gefühl begründet oder unbegründet ist, es führt oft dazu, dass sich Oma und Opa zurückgesetzt fühlen und neidisch werden.

Zeit mit dem Enkel

In der Regel ist von Beginn der Schwangerschaft an ein ungleiches Verhältnis der beiden Großelternpaare zu den Eltern und nachher zu dem Neugeborenen vorhanden. „Vor allem die Großeltern mütterlicher Seite sind in der Regel näher an den Enkeln“, weiß Diplompsychologin Isabelle Überall. Das kommt daher, dass die werdende Mutter meist nicht nur in der Schwangerschaft Fragen hat oder nach Tipps sucht, sondern auch noch einige Zeit nach der Geburt. Ihr ist es dann meist angenehmer, ihre eigene Mutter zu fragen, statt ihre Schwiegermutter um Hilfe zu bitten. Dadurch entsteht automatisch eine nähere Bindung der einen Oma an den Enkel. Dass die andere Oma in einer solchen Situation Neidgefühle entwickelt, ist leicht vorstellbar. Gerhart Streicher, Familientherapeut, weiß, dass neidische Menschen aus der Kränkung heraus vieles übersehen. Es bringe „gar nichts, wenn Großeltern einen Anspruch auf das Enkelkind erheben“, weil sie dazu überhaupt kein Recht hätten. Die Beziehung zum Enkelkind darf keinesfalls zum Konkurrenzkampf mit den anderen Großeltern werden. So sind zum Beispiel übermäßige Geschenke an das Kind tabu. Schließlich ist ein Enkel kein „Ding“, das man unter sich aufteilen muss. An erster Stelle sollte also immer die Frage stehen: Was ist das Beste für das Kind?

Zu wenig vom Enkel – wie kann man mit dem Gefühl der Zurücksetzung umgehen?

Fühlen sich Oma und Opa vernachlässigt und würden ihren Enkel gerne öfter zu Gesicht bekommen, rät Psychologin Überall dazu, offen zu sein. „Sie sollten es kommunizieren, wenn sich eine Schieflage herauskristallisiert.“ Die jeweiligen Großeltern sollten mit ihrem eigenen Kind vorsichtig über dieses Thema sprechen und dem Sohn oder der Tochter ihre Gefühle schildern. Auf keinen Fall dürfen sie hier mit Vorwürfen aufwarten.  Wenn sich beide Großelternpaare untereinander gut verstehen, können gemeinsame Aktivitäten und Ausflüge mit dem Enkel eventuell angespannte Situationen bereinigen. Um Konflikten aus dem Weg zu gehen, können die Eltern versuchen, von Beginn an für ein Gleichgewicht zwischen der Zeit mit den einen und der mit den anderen Großeltern zu sorgen. Voraussetzung dafür ist etwa, dass bei Festen wie Geburtstagsfeiern oder Konfirmation immer beide Großelternpaare eingeladen sind. Ist das Kind dann erst einmal etwas älter kann oder möchte es vielleicht selbst entscheiden, mit welchen Großeltern es mehr Zeit verbringen will. Eine solche Entscheidung sollte weder beeinflusst noch ignoriert werden.
Das Schönste für jedes Kind ist es, wenn Harmonie zwischen Eltern und Großeltern mütterlicher- wie väterlicherseits herrscht. Lassen sich Streitigkeiten untereinander nicht verhindern, sollte man diese zumindest vom Kind immer fernhalten.

Autorin: Anne Bartel, Platinnetz-Redaktion

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