Verpasster Kinderwunsch oder bewusste Entscheidung: Ein Leben ohne Kinder

Immer mehr Paare bekommen keine Kinder. Die Gründe könnten unterschiedlicher nicht sein: Der Kinderwunsch kommt zu spät, gesundheitliche Probleme oder eine frühe und bewusste Entscheidung gegen Nachwuchs. Das bedeutet aber nicht, dass Kinderlosen etwas Elementares im Leben fehlt.

Kinder zu haben ist für viele Menschen eine erfüllende Lebensaufgabe. Sie erweitern den Horizont, sind erster Ansprechpartner bei Sorgen und kümmern sich, wenn die Eltern älter werden. Menschliche Urbedürfnisse wie Geborgenheit und intensive Beziehungen werden häufig vom eigenen Nachwuchs erfüllt. Doch auch wer keine Kinder hat, muss auf die Erfüllung dieser Bedürfnisse nicht verzichten. Kinderlose Menschen haben nur andere Bezugsquellen.Nie über den eigenen Kinderwunsch nachgedacht
Wenn jemand keine Kinder hat, kann es ganz unterschiedlich dazu gekommen sein. Aus gesundheitlichen Gründen oder wenn der passende Partner fehlte, oder aber wenn man zu spät bemerkt, dass überhaupt ein Kinderwunsch da ist. Für Linda (57) kam das Thema Kinder vor ihren Wechseljahren nie auf. "Nach dem Studium kam direkt ein tolles Jobangebot, das ich angenommen habe. Dann ging es mit der Karriere weiter, heute leite ich meine eigene Firma. Ich hatte nie Zeit, zu bemerken, dass ich gerne Kinder hätte, erst jetzt wird mir das bewusst." Für Mareike (49) dagegen war schon früh klar, dass sie ihr Glück nicht in der Familie, sondern im Beruf findet. "Ich bin nicht der Muttertyp und würde mich sogar als egoistisch bezeichnen" sagt sie. "Ich bin froh, mein Leben nur für mich zu leben."
Der verpasste Kinderwunsch oder eine bewusste Entscheidung gegen Kinder – das kommt heute immer wieder vor. Mit der Pille und anderen zuverlässigen Verhütungsmethoden ist es schon lange keine Selbstverständlichkeit mehr, dass Frauen Kinder bekommen müssen. Da sich auch die beruflichen Chancen von Frauen immer weiter verbessern, entscheiden sie sich entweder bewusst oder in einem langsamen Prozess unbewusst gegen Kinder und für die Karriere und ein Leben, das Freiheiten und der persönlichen Erfüllung gewidmet ist.

Bedürfnisse erfüllen ohne Kinderwunsch

Judith (56) und Peter (58) lebten schon viele Jahre zusammen, ohne ernsthaft über das Thema Kinder gesprochen zu haben. Dann kam bei einer Untersuchung heraus, dass sie ohnehin zusammen keine Kinder zeugen können. "Das hat uns zum Nachdenken gebracht, aber wir haben in langen Gesprächen festgestellt, dass wir beide nicht das Gefühl haben, etwas verpasst zu haben", erzählt Peter. "Wir haben gute Freunde, sind beide selbstständig, und viel auf Reisen. Vielleicht wäre es schön, Kinder zu haben, aber ich vermisse nichts in meiner Beziehung", sagt Judith. An diesem Paar kann man sehen, wie Menschen ohne Kinder, egal ob mit oder ohne Kinderwunsch, mit ihren Bedürfnissen umgehen. Während Eltern ihre Erfüllung häufig in der Kindererziehung finden und ihre Bezugspersonen im eigenen Nachwuchs sehen, übernehmen für Kinderlose andere Bereiche diese Funktion.
Es gibt zum Beispiel viele Dinge, für die Eltern von Kindern keine Zeit haben, die aber ebenfalls für Zufriedenheit und Lebensglück sorgen. Wer keinen Nachwuchs hat, verpasst zwar ein einschneidendes Erlebnis , aber das Leben bietet unzählige andere Möglichkeiten, sich zu verwirklichen und Erfüllung zu finden. Berufliche Verwirklichung mit einer eigenen Agentur, lange Auslandsaufenthalte in exotischen Ländern, die das ganze Leben geprägt haben, eine ausgiebige Beschäftigung mit sich selbst und den eigenen Talenten. All das kann für kinderlose Menschen genausoviel Erfüllung bringen, wie die eigenen Kinder.
Intensive Beziehungen, die dem Eltern-Kind-Verhältnis ähneln, kann man beispielsweise mit Freunden, Geschwistern oder natürlich dem eigenen Partner eingehen. Wenn Kinder da sind, haben die Partner häufig weniger Zeit füreinander. Ohne Kinder können sich zwei Menschen viel intensiver miteinander befassen und erleben die Beziehung vielleicht intensiver, als es mit Kindern möglich gewesen wäre. Enge Freunde und andere nahestehende Verwandte sind häufig eine Art "Kinderersatz". Sie sind für einen da wenn man sie braucht, sie bieten Sicherheit und Geborgenheit. Wer im Leben vermisst, etwas an die jüngere Generation weitergeben zu können, der kann ebenfalls "Ersatz" finden. Als Lehrer, Tante oder Nachbar kann man nahestehenden jüngeren Menschen etwas beibringen und deren Leben viel bewegen. Man muss dazu nicht Mutter oder Vater sein. Die Möglichkeiten sind zahlreich undergeben sich meistens unbewusst.

Verpasster Kinderwunsch: Auf der Suche nach Antworten

Wer keine Kinder hat, und dies im Nachhinein bereut, der kann so sein Leben unter die Lupe nehmen und Antworten auf die Fragen finden: Was habe ich erreicht, gerade weil ich keine Kinder habe? Wie habe ich meine persönlichen Bedürfnisse trotzdem gestillt? Wie kam die Entscheidung zustande, dass ich keine Kinder habe? Oft kann sich dabei im Nachhinein herausstellen, dass man in den relevanten Jahren viel mit sich selbst beschäftigt war. Wer eigene Lebensthemen klären und sich dafür viel zurückziehen muss, hat keine Zeit, an Kinder zu denken. Wer von Haus aus einen ausgeprägten Wunsch nach Karriere und Erfolg hat, wird weniger wahrscheinlich zu Mutter oder Vater, als Menschen, denen beruflicher Erfolg nicht so viel bedeutet.

Wer nie Zeit hatte, über Kinder nachzudenken, hat mit Sicherheit auf andere Weise Erfüllung gefunden. Es sind ganz individuelle Antworten auf die Frage, warum man nicht zu Eltern geworden ist.

Autorin: Julia Heilig, Platinnetz-Redaktion

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