Was gutes Spielzeug ausmacht

Was ist gutes Spielzeug? Das, was den Kindern am besten gefällt, was am pädagogisch wertvollsten ist oder was am meisten verkauft wird? Diese Frage stellen sich immer wieder Eltern, Großeltern, Onkels oder Tanten, wenn sie auf der Suche nach einem Geschenk für den Nachwuchs sind. Was sollte man beim Kauf berücksichtigen?

Sind Verwandte oder Bekannte auf der Suche nach einem schönen Geschenk, finden sie in den Kaufhäusern bergeweise pinke Barbies, grässliche Monsterfiguren oder Babypuppen, die nicht nur schreien, sondern auch sprechen, trinken und sogar verdauen können. Solche Massenware verkauft sich gut und wird von den Kindern gewünscht. Doch muss es wirklich immer dieses doch ästhetisch eher abschreckend wirkende Spielzeug sein? Sind die Schenker mit ihrem Präsent nicht auch ein Stück weit für die geschmackliche Umgebung und ästhetische Erziehung der Kinder zuständig? Lässt sich erwachsener Geschmack und kindlicher Spielspaß überhaupt verbinden? Und was braucht ein Spielzeug eigentlich, um das Prädikat "pädagogisch wertvoll" zu verdienen?

Gutes Spielzeug ermöglicht Handlungsspielraum

Noch nie gab es so viel Spielzeug wie im Moment. Je niedriger die Geburtenraten, desto höher die Geschenk-Frequenz, mit der Kindern von allen Seiten mit Spielzeug überhäuft werden. Oft handelt es sich dabei um massenkompatibles Spielzeug, das weltweit vermarktet wird. Denn meist greifen Eltern und Verwandte eben doch zu dem, was sie oder das Kind aus der Werbung kennen und unbedingt haben wollen. Und damit geht die Rechnung der Hersteller auch schon auf. Produziert werden effekthascherische Spielzeuge, die die Kinder auf Knopfdruck begeistern und fangen sollen. Gesteuert wird dies über den Wunsch des "Besitzen-Wollens", der auch dafür sorgt, dass Erweiterungen, Zusätze oder die nächste Generation dieses Spielzeuges auf dem kommenden Wunschzettel stehen. Ausgerichtet ist die Spielzeugindustrie dabei größtenteils auf den US-amerikanischen Markt. Kein Wunder, bedenkt man, dass 40 Prozent des weltweiten Spielzeugkonsums in den USA stattfinden – und das obwohl nur 4 Prozent der Kinder dieser Welt in den USA leben. Was die meisten dieser massentauglichen Spielzeuge gemeinsam haben, ist, dass das Spiel mit ihnen wenig Eigenleistung vom Kind fordert. Das liegt daran, dass die Spielzeugindustrie gerne Spielsachen herstellt, die möglichst realistisch in der Darstellung sind und über eine begrenzte Anzahl von Funktionen verfügen. Ein solches Spielzeug lässt sich nämlich besser vermarkten als ein abstraktes, stilisiertes Spielobjekt, dass die Fantasie und Kreativität des Kindes fordert. Mit einem Polizeiauto wird eben Polizei gespielt, während sich mit Holzklötzen etwa ganz anders und vielfältiger spielen lässt. In diesem Zusammenhang belegte eine Studie bereits in den 1990er Jahren, dass abstrakteres Spielzeug nicht nur zu ausdauernderem und vielfältigerem Spielen führt, sondern dass hierbei auch der soziale Austausch zwischen mehreren spielenden Kindern größer ist. Denn je abstrakter das Spielzeug, desto notwendiger ist es, dass die Kinder sich untereinander absprechen, welchen Sinn welches Spielzeug erhält.
Schlechtes Spielzeug erkennt man demnach daran, dass das Kind mit ihm immer nur die gleichen Spielmuster wiederholen kann. Gutes Spielzeug dagegen ermöglicht dem Kind, seine Fantasie und Kreativität voll ins Spiel einfließen zu lassen und so in der Wirklichkeit umsetzen zu können. Darum geht es beim Spielen, weshalb auch viele Experten immer wieder die sogenannten Lernspielzeuge kritisieren, die den Kindern spielerisch eine andere Sprache oder das Einmaleins nahe bringen sollen. Denn beim Spielen geht es nicht nur darum, Wissen zu erlernen, sondern vor allem darum, Erfahrungen zu machen und zu verarbeiten und Kreativität, soziale Kompetenz oder auch Feinmotorik zu schulen.

Lieber wenig gutes als viel schlechtes Spielzeug

Bereits 2007 wurden giftige Stoffe in Spielzeug gefunden. Dazu gehörten etwa bleihaltige Farben, krebserregende Weichmacher oder Allergien auslösende Aromastoffe. Gefährliche Giftstoffe, vor allem wenn man bedenkt, dass gerade Kleinkinder alles in den Mund stecken, das sie in die Finger bekommen. Einige Produkte, auch die namenhafter Hersteller, mussten vom Markt genommen werden – eine neue EU-Richtlinie sollte das Problem lösen. Doch auch die hat erhebliche Schwachstellen. Im Februar 2009 wurden erneut kritische Stimmen laut, die immer noch von zu vielen der gefährlichen Stoffe im Spielzeug sprachen. Denn auch die neuen EU-Richtlinien scheinen keine Lösung zu sein, so wurden etwa einige Grenzwerte für Inhaltsstoffe wie die von Arsen, Quecksilber und Blei sogar erhöht, statt niedriger angesetzt – das fand das Bundesinstitut für Risikobewertung heraus. Ebenfalls bemängelte das Institut die generellen Regelungen, was die Verarbeitung krebserregender Stoffe in Spielzeug angeht. Denn die sind zwar generell verboten, doch gibt es jede Menge Ausnahmen, die dieses Verbot unterlaufen.
Für die Verbraucher ist es schwer zu erkennen, welches Spielzeug riskant sein könnte und welches nicht. Generell ist es auffällig, dass die meisten der belasteten Spielsachen aus der Massenproduktion aus Fernost stammten. Dieses Spielzeug ist zwar günstiger als beispielsweise in Europa gefertigte Produkte, doch werden dort eben auch öfter minderwertige Materialien verwendet als in "heimischen" und etwas kostspieligeren Spielzeugen. Die Überlegungen sollten dementsprechend sein, ob man dem Kind nicht lieber wenig, dafür aber hochwertiges Spielzeug schenkt. Dem Gedanken entspricht auch die Tatsache, dass die meisten Massen-Spielzeuge schnell an Reiz verlieren, weil mit ihnen immer nur auf die gleiche Art und Weise gespielt werden kann. Schenkt man dagegen Kreativitäts-förderndes Spielzeug, lässt sich damit länger spielen, so dass nicht so schnell etwas Neues her muss.
Und auf diese Art lässt sich sogar das ästhetische Erscheinungsbild des Kinderzimmers beeinflussen. Denn um auf eine der Eingangsfragen zurück zu kommen: Ja, erwachsener Geschmack und kindlicher Spielspaß lässt sich durchaus verbinden. Denn immerhin sind es die Erwachsenen, die das Spielzeug kaufen. Und die kaufen das für sie hässliche oder unästhetische Spielzeug ja schließlich einzig in dem Glauben, es werde beim Kind Anklang finden. Doch auch hier wissen Experten: Man sollte beim Spielzeug-Kauf lieber nach eigenem Gespür gehen. "Nach dem eigenen Gefühl für Ästhetik und dafür, wie Kinder das Design empfinden können." Ein wichtiger Aspekt ist zudem, dass Eltern lieber mit den Kindern gemeinsam spielen, wenn sie selbst von dem Spielzeug überzeugt sind – und das gemeinsame Spiel hat einen hohen pädagogischen Wert. In dem Zusammenhang stellt Hans Mogel, Leiter des Lehrstuhls für Psychologie an der Universität in Passau, fest, dass die Vorlieben der Eltern, was das Spielzeug betrifft, nicht nur wichtig, sondern gleichberechtigt zu denen der Kinder sein sollte: "Sonst kommt es so weit, dass wir Erwachsenen nicht mehr die Kindern erziehen, sondern sie uns."

Autorin: Anne Bartel, Platinnetz-Redaktion

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