Lebenswege: Wohnprojekt

Henning Scherf ist ehemaliger Bürgermeister von Bremen. Vor etwa 20 Jahren kauften er und seine Frau Luise gemeinsam mit Freunden ein Stadthaus, indem sie alle zusammen leben. Ilse Biberti spricht mit ihm über das Wohnprojekt, bei dem die Beteiligten füreinander da sein wollen und in jeder Lebenslage für den anderen sorgen werden:

»[…] Fünf Jahre haben wir unser Wohnprojekt vorbereitet. In dieser Zeit ist Luise anderthalb Jahre in Nicaragua gewesen, und als sie dann wiederkam, war der Umbau noch nicht fertig, da sind wir dann noch bei einer Freundin eingezogen. Unser Haus hatten wir schon verkauft, das war schon weg. Die Umzüge haben gut geklappt. Und sie hat eben immer die ganzen Jahre ertragen, dass ich Politik gemacht habe, ständig in der Zeitung war und ständig Journalisten hinter mir her waren. Sie hat daran teilgenommen, hat mich kritisiert, natürlich, wir waren nicht immer einer Meinung, das hat mir gutgetan. Das hat uns auch zusammengehalten. Viele Politikerehen gehen auseinander, weil sie zu Hause sitzt und strickt und denkt: ›Wo bleibt der Alte?‹« […]

[…] Eigentlich bräuchte die WG jetzt im Alter mehr Platz, ein größeres Haus. Noch das Nebenhaus dazu, wenn es ginge. Damit sie Kinder und Enkelkinder, die jüngere Generation und pflegebedürftige Freunde aufnehmen könnten. Hätten sie das vorbedenken können? Henning kommt zurück, ich frage ihn: »Vielleicht springen wir jetzt noch mal zum Haus. Was steht denn da als Nächstes an, welche Probleme müssen denn hier als Nächstes gelöst werden?«
»Das ist eine Herausforderung: Dass wir einen Kompromiss finden zwischen Zuziehen und zwischen Platz-Haben für die Kinder und Enkelkinder und Besuch. Das Haus ist ja relativ groß, und manchmal sage ich gummiartig, man kann es auch ganz mit Menschen vollstopfen oder man kann es länger so betreiben, wie es jetzt ist, aber das ist ein Altersproblem. Das kann ich auch nicht alleine entscheiden, sondern da muss ich auf die anderen Rücksicht nehmen, und das machen wir alles nur, wenn wir das gemeinsam machen.« […]

[…] »Wenn ihr aber vorausdenkt, da ihr alle gleich alt seid, ist ja auch die Frage …« Henning weiß sofort, worauf ich hinauswill: »Ja natürlich. Wir gucken ja auch immer. Über uns wohnt ja eine 29-Jährige. Also wir haben immer versucht, Jüngere hier zu haben, eigentlich suchen wir eine ganze Familie. Aber dafür ist diese Wohnung wieder nicht groß genug. Also diese Idee, dass wir uns mit den Jungen wieder ergänzen, haben wir alle.« »Je früher, desto besser, oder? Sonst ist es irgendwann zu spät …«, sage ich.[…]

 

Ilse Biberti, Henning Scherf (2009): Das Alter kommt auf meine Weise. Lebenskonzepte heute für morgen. Südwest Verlag. S. 138 bis 144.

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