Mit 50plus noch ins Eigenheim – das ist nicht unmöglich

Frau 50plus

Menschen jenseits der 50 Jahre finden ein eigenes Haus immer attraktiver. Doch viele scheuen den Weg zur Bank, aus Angst vor einer Absage, weil sie schon zu alt seien. Die gute Nachricht: Das alte Credo, bis zur Rente schuldenfrei sein zu müssen, gilt so nicht mehr. 27 Prozent all derjenigen, die 2017 zum ersten Mal ein Haus kauften, waren älter als 55 Jahre. Diese Zahl hat das Institut der deutschen Wirtschaft ermittelt.

Bei genauerem Hinsehen ist das auch nicht verwunderlich. Das einzige Problem heute sind die hohen Immobilienpreise, denn die Zinsen sind derzeit sehr günstig. Die meisten über 50-Jährigen haben zudem das notwendige Eigenkapital viel eher übrig als jemand in den 30ern, der noch am Anfang seiner Karriere und mitten in der Familienplanung steht. Es spricht also nichts dagegen, kurz vor der Rente nicht in eine altersgerechte Wohnung zu ziehen und dafür eine überhöhte Miete zu zahlen. Im Gegenteil, es spricht vieles dafür, den Lebensabend im Eigenheim zu verbringen. Meistens sind mehrere Käufer im Spiel, wenn es um die Anschaffung von Wohneigentum geht. Immobilienbesitzer sind meistens Paare oder Familien. Doch immer mehr Singles, vor allem auch Singles jenseits der 50, verwirklichen sich ebenfalls den Traum vom eigenen Haus.

Spielen die Banken da mit?

Banken sind heute älteren Kunden gegenüber viel aufgeschlossener. Das Alter alleine ist heute kein Problem mehr. Die wenigsten Banken verlangen, dass das Immobiliendarlehen getilgt sein muss, wenn der Kreditnehmer das Rentenalter erreicht. Nur noch selten gibt es eine Obergrenze für das Alter bei Abschluss des Finanzierungsvertrags. Einige wenige Anbieter bestehen darauf, dass der Antragsteller eine Risikolebensversicherung abschließt oder dass er die Erbfolge geregelt haben muss. Meistens ist die Immobilie selbst als Sicherheit vollkommen ausreichend. Auch bei den Zinsen macht das Alter keinen Unterschied. Antragsteller über 50 Jahren bekommen die üblichen Konditionen, wie beispielsweise bei der HypoVereinsbank. Wer allerdings die verschiedenen Angebote vergleicht, wird feststellen, dass es von Anbieter zu Anbieter erhebliche Unterschiede gibt. Wer eine Immobilienfinanzierung braucht, sollte ein wenig Zeit für einen Vergleich einplanen. Einen Hauskredit zu bekommen ist auch möglich, wenn die Rente kurz bevorsteht. Wichtig ist hier ein Nachweis, dass die Rentenhöhe ausreichend ist, um die monatlichen Raten bezahlen zu können.

Und wie ist es mit der Baufinanzierung als Single?

Auch wer keinen Partner hat, kann sich eine Immobilie finanzieren. Wer sich die monatlichen Raten leisten kann, muss sich hier keine Gedanken machen. Allerdings ist die finanzielle Last für einen Single viel höher. Im Normalfall gibt es im Haushalt zwei Einkommen, mit denen die Darlehensnehmer die monatliche Belastung tragen. Deshalb ist es für einen Single noch wichtiger als für ein Paar, sich folgende Frage ehrlich zu beantworten: Welche monatliche Belastung ist tragbar und wie viel Haus ist dafür erhältlich? Der wichtigste Indikator für die Beantwortung dieser Frage ist das monatliche Einkommen. Als Faustregel gilt: Die monatlichen Raten sollten 30 Prozent des zur Verfügung stehenden Einkommens nicht übersteigen. Diese Zahl sollte Grundlage für die Recherchen nach einem passenden Objekt sein.

Wie viel Immobilie darf es sein?

Die Größe der gewünschten Immobilie hängt maßgeblich vom Einkommen ab.

Bei der Suche nach einem passenden Objekt spielen selbstverständlich die eigenen Wünsche eine große Rolle. Doch noch viel wichtiger sind die finanziellen Möglichkeiten. Als Single ist für gewöhnlich nur ein Einkommen vorhanden. Damit fällt die maximale Kreditrate in den meisten Fällen etwas niedriger aus als bei einem Paar, das doppelt verdient. Das hat meistens zur Folge, dass die Suche nach einer kleineren und günstigeren Immobilie beginnt. Wer allerdings gut verdient oder schon entsprechend viel Eigenkapital angespart hat, muss sich hier nicht einschränken.

Sicherheiten für die Bank

Singles sollten besser mit Eigenkapital ausgestattet sein. Das dient nicht nur der Bank als Sicherheit.

Bei einer Immobilienfinanzierung geht es immer um höhere Kreditsummen. Für diese Kredite verlangt die Bank entsprechende Sicherheiten, um die Rückzahlung zu garantieren. Ein Paar hat meist zwei feste Einkommen. Fällt einer der Partner beispielsweise infolge einer Krankheit aus oder weil er seinen Arbeitsplatz verloren hat, kann der andere Partner mit geregeltem Einkommen für den Lebensunterhalt und die Baufinanzierung aufkommen. Das Sicherheitsnetz Partnereinkommen fällt bei einem Single weg. Dadurch ist das finanzielle Risiko direkt viel höher, sowohl für den Kreditnehmer wie auch für die Bank.

Die Bank will sich dieses Ausfallrisiko absichern. Deshalb verlangt sie beispielsweise Eigenkapital. Die Empfehlung an Paare lautet, dass sie mindestens 15 Prozent der Darlehenssumme als Eigenkapital einbringen sollten. Damit lassen sich zum Beispiel die Bau- oder Kaufnebenkosten bezahlen. Durch das höhere Eigenkapital verbessern sich die Kreditkonditionen und gleichzeitig verringert sich die Darlehenssumme.

Das Grundpfandrecht sichert die Immobilienfinanzierung

Eigenkapital ist wichtig. Doch in den meisten Fällen ist es nicht ausreichend als Sicherheit für einen höheren Kredit. Die Banken sichern das Immobiliendarlehen zusätzlich mit einem Grundpfandrecht ab. Damit hat die Bank das Recht, die Verpfändung der Immobilie einzuleiten, wenn der Darlehensnehmer seinen finanziellen Pflichten aus dem Darlehensvertrag nicht nachkommt. Dabei lassen sich zwei Typen unterscheiden:

  • Hypothek: Sie ist an eine konkrete Immobilie gebunden und war früher viel weiter verbreitet.
  • Grundschuld: Heute ist eine Absicherung mit einer Grundschuld die Regel. Sie ist wesentlich flexibler. Es ist nicht notwendig die Grundschuld zu löschen, wenn der Kredit getilgt ist. Sie lässt sich für andere Kredite weiterverwenden. Dadurch fallen nur einmal die Kosten für Notar und Grundbuchamt an.

Neben der zu finanzierenden Immobilie können auch andere Immobilien oder Grundstücke, die sich im Eigentum des Antragstellers befinden, als Sicherheit dienen.

Was bedeutet der Beleihungswert?

Dass Immobilien im Zeitverlauf potenziellen Wertschwankungen unterliegen, deshalb akzeptieren Banken nur selten 100 Prozent des Verkehrswertes einer Immobilie als Sicherheit für das Darlehen. Sie legen dafür einen Beleihungswert fest, der diese Wertschwankungen für die Zukunft berücksichtigt. Der Risikoabschlag beträgt meist zwischen zehn und 30 Prozent des Kaufpreises. Das gilt unabhängig davon, welches Grundpfandrecht die Bank ausüben möchte.

Je höher die Sicherheit desto besser die Konditionen

Finanzinstitute verlangen immer dann zusätzliche Sicherheiten, wenn der Wert der zu finanzierenden Immobilie aus Sicht des Geldinstituts zu gering ist. Sie kann nicht als alleinige Absicherung dienen. Diese zusätzlichen Sicherheiten sind auch für den Darlehensnehmer vorteilhaft. Durch sie besteht die Möglichkeit, günstigere Zinskonditionen auszuhandeln und die Immobilienfinanzierung günstiger zu erhalten.

Singles müssen genauer rechnen

Wer kein Eigenkapital hat, sollte die Anschaffung einer Immobilie und die damit verbundene finanzielle Belastung noch einmal überdenken. Es ist wichtig, dass der Antragsteller die monatliche Belastung durch die Immobilienfinanzierung auch dauerhaft leisten kann. Neben Eigenkapital gibt es noch weitere Sicherheiten, die Banken akzeptieren. Dazu gehören andere Immobilien, Kapitalanlagen, Wertpapiere, Berufsunfähigkeits- oder Risikolebensversicherungen. Meistens verlangen die Banken bei Vertragsabschluss den gleichzeitigen Abschluss einer Restschuldversicherung, wenn das Eigenkapital zu gering ist.

Was passiert in Notzeiten mit der Immobilienfinanzierung?

Wer als Alleinstehender eine Immobilienfinanzierung stemmen will, muss sich darüber im Klaren sein, dass in Notzeiten keine Rückendeckung da ist. Der Kreditnehmer muss den Kredit auch dann bedienen, wenn es eng wird. Viele Paare stecken jeden Euro, den sie erübrigen können, in Sondertilgungen. Singles sollten hier einen anderen Weg gehen und eine Reserve aufbauen. Finanzmathematisch gesehen klingt das vielleicht blödsinnig. Doch für Singles ist es sehr wichtig eine Reserve zu haben. Das ist dann sozusagen ihre Rückendeckung.

Zinsbindung so lange es geht

Singles brauchen bei einer Finanzierung mehr Spielraum. Deshalb ist es sehr wichtig, Geld auf die Seite zu legen. Wer das nicht tut, läuft Gefahr seine Immobilie zu verlieren, wenn es zu längerer Arbeitslosigkeit oder einer schweren Krankheit kommt. Das ist auch der Grund, warum die Kredithöhe begrenzt sein sollte. Wer mehr als 30 Prozent seines monatlichen Nettoeinkommens für die Immobilienfinanzierung plant, kann sich damit leicht finanziell übernehmen. Grundsätzlich sollten Singles die Finanzierung der eigenen vier Wände langfristig aufbauen. Die Zinsbindung sollte lieber länger als zu kurz sein. Eine Zinsbindungsfrist von 15 Jahren ist zwar etwas teurer. Dafür sind die monatlichen Raten langfristig planbar. Die Finanzierung bleibt vor möglichen Zinssteigerungen über die gesamte Laufzeit geschützt. Bereits nach zehn Jahren dürfen die Kreditnehmer nach einer Anschlussfinanzierung Ausschau halten.

Finanzierungstipps für Singles mit 50plus

  1. Für Singles ist eine Baufinanzierung eine noch größere Herausforderung als für Paare und Familien. Deshalb müssen sie auch viel genauer rechnen und penibler sein. Als Single ist mehr Eigenkapital erforderlich und für den Ernstfall ein stärkeres Sicherheitsnetz. Auf der anderen Seite haben Singles jedoch mehr Freiheiten, was die Suche und die Gestaltung der Immobilie anbelangt.
  2. Im Leben kann sich vieles ändern, nicht nur die Einkommenssituation, sondern auch die Lebenssituation. Bei der Suche nach einer Immobilie sollten auch zukünftige Lebensereignisse bedacht werden. Vielleicht findet sich irgendwann doch wieder ein Partner, der dann vielleicht sogar mit Nachwuchs einziehen möchte.
  3. Neben der Zinsbindung ist auch die Tilgung wichtig. Singles sollten die monatliche Rate genau kalkulieren. Die Rate besteht zu einem Teil aus Zinsen und zu einem weiteren Teil aus Tilgung. Derzeit sind die Bauzinsen noch recht niedrig, sodass ein höherer Tilgungssatz leicht zu bewältigen ist. Je höher der Tilgungssatz, umso mehr wird der eigentliche Kredit abbezahlt. Dadurch ist der Kreditnehmer viel schneller schuldenfrei.
  4. Singles 50plus müssen bei ihrer Immobilienfinanzierung besonders gründlich rechnen und planen. Anhand einer detaillierten Haushaltsrechnung lässt sich leicht ablesen, wie viel Geld für eine Baufinanzierung übrig ist. Alleinstehende sollten noch ein paar zusätzliche Tipps beherzigen.

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